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Pink im Drink: Rosé, Tequila & pinke Gins

Cocktail
Sommer

Von »Tequila Rosé« bis zu pinken Gins färbt sich auch die Cocktail-Welt rosarot. Die softe Farbe wurde ein Signal für »easy drinking«. Und sie bringt auch Bar-Kreative in Sommerlaune, wie unsere Rezepte zeigen.

Hatte »Barbie« ihre Finger im Spiel? Seit dem Hype um den Oscar-gekrönten Realfilm 2023 – natürlich tief in Rosa getaucht – scheint die ganze Welt Pink wieder zu lieben. Doch zumindest die Cocktail-Welt trägt schon länger die freundlich-sanfte Tönung. Begonnen hat es bereits 2010, allerdings ging der Trend über Japan kaum hinaus. Wer Kazuo Uyeda, ehrwürdige 82 Jahre alt, heute noch kennt, kennt ihn dann wohl als Verfechter des sogenannten »Hard Shake«. Es war die bekannteste der japanischen Arbeitsweisen, die sein einziges Buch »Cocktail Techniques« der internationalen Barwelt schenkte. Dabei geriet in Vergessenheit, dass Uyeda-san auch der erste Meister des pastellfarbenen Cocktails war.

Die sanfte Glas-Methode

Azurblau wie der Genfer See (»Fantastic Léman«) oder der Regen (»M-30 Rain«) waren seine bekanntesten Kreationen in der Bar »Tender« in Tokio. Sie waren allesamt Highballs in einladend hellen Farben, die sich von den dunklen Whiskey-, Rum- oder Cognac-Drinks im Tumbler in jeder Hinsicht abhoben. Ein Meisterstück darunter war der einfach »Tokio« benannte Wodka-Drink in Zartrosa. Und der Japaner nahm damit auch zwei der Zutaten vorweg, die anderthalb Jahrzehnte später kaum wegzudenken sind: rosa Grapefruit und Rosé-Wermut.

Während Letzterer noch in der klassischen Welt des italienischen Aperitivos mit seiner Fülle an rötlichen »Spritz«-Varianten verhaftet bleibt, steht Pink Grapefruit für die Erweiterung des »vie en rose« am Shaker. Denn der Effekt der sanften Farbe hat in den letzten Jahren vor allem einen unerwarteten Siegeszug der Agavenbrände begleitet. Abgesehen vom großen Unterschied in der Produktionsmenge und der unterschiedlichen Bekanntheit trennt Mezcal und Tequila dabei ein Faktum: Der einstige Kopfweh-Schnaps Tequila hat einen Blockbuster-Cocktail in Rosa, der Mezcal aber nicht!

Die »Paloma« als leicht herzustellende Mischung aus Agaven-Spirituose, Limettensaft und Grapefruit-Limonade hat dem »Moscow Mule« und erst recht dem »Gin Tonic« in der Highball-Welt längst den Rang abgelaufen. Daran ändern auch die diversen pinken Gins mit Erdbeer- oder Rhabarber-Infusionen nichts mehr.

Rosenfarbener Spass

Dafür hat man in der Tequila-Hochburg Jalisco sogar eine neue Möglichkeit entdeckt, die Freunde der Barbie-Farbe Rosa anzusprechen. Was als Experiment mit kalifornischen Rotweinfässern bei der Marke »Código 1530« begonnen hat, wird nunmehr als »Rosa« bzw. »Rosado« bereits als inoffizielle Tequila-Sorte gehandelt. Dabei färbt die kurze Lagerung einen Blanco-Tequila rosarot und gibt auch fruchtige Aromen der Rotweine an das Destillat ab. Für den einstigen Macho-Brand Tequila, der in keiner TV-Serie über mexikanische Kartelle fehlen durfte, ist das eine erstaunliche Karriere. In der Politik würde man diesen pinken Wandel wohl »soft power« nennen.

Kein fixierter Kanon an Getränken, dafür die Emotion der Leichtigkeit: Auch dafür stehen die Drinks in Pink!

Dass die rosa Drinks nicht zwingend »Barbie«-Lieblichkeit in die Bar bringen müssen, zeigt der »Himberit« aus Wien. Die Kreation der Falstaff-Bartenderin des Jahres Berit Glaser aus der »Miranda Bar« trägt ihren seltenen Vornamen, sie erzählt aber auch von weiblicher Selbstermächtigung, lange bevor sie hinterm Tresen Erfolg hatte: »Wenn man Berit heißt und in Tirol aufwächst, ist das alles nicht so einfach. Daher habe ich das ausgehebelt, und plötzlich war ich einmal die Himberit, eine Bromberit oder eine Stachelberit …«. Und die kindliche Abwehrstrategie funktioniert auch als Cocktail ganz wunderbar!

Auch Grün wird Pink

In das Miami-inspirierte Design der »Miranda Bar« passt dieser Drink zudem perfekt. Doch man kann in der mitteleuropäischen Bar-Community von einer generellen »Pinkifizierung« sprechen. Ihre aktuellen Drink-Kreationen orientieren sich einerseits am jahrelangen Höhenflug italienischer Aperitivi in Rosa und Orange. Sie tragen aber auch der Vorliebe einer jungen Generation für Pastelliges als mixologische Trendfarbe Rechnung. Eine krasse Umdeutung bringt etwa das neue »fine drinking menu« des »Kleinod Prunkstück« in den Tumbler. Denn Joerg Meyers Neo-Klassiker aus Hamburg, der »Gin Basil Smash«, definiert sich neben dem Kräutergeschmack eigentlich durch die hulkgrüne Farbkraft. In der Wiener Version allerdings wird es dank Dark-Opal-Basilikum ein leuchtendes Dunkelrosa.

Rosa ist nicht lieblich

Damit signalisiert diese Kreation auch optisch, dass pinke Drinks nicht zwangsläufig leicht sein müssen. Und mit diesem Spiel zwischen Farbe und Power hat auch Mohammad Nazzal in Köln viel Erfahrung. Schon ehe sein Lokal »Al Salam« den neuen Standort am Eifelplatz bezog, war unter den Stammgästen die Granatapfel-»Margarita« ein Bestseller. Nazzal nennt Drinks wie diesen oder den noch beliebteren »La Provence« gerne »einen erwachsenen Aperitif«. Denn immerhin liefert die aus dem Martini bekannte Kombination aus trockenem Wermut und Gin das Rückgrat. Für »die sommerliche Frische und Leichtigkeit« ist hingegen Lavendel zuständig. Man kann das auch als Zeichen für die ungebrochene pinke Leidenschaft an der Bar sehen – selbst aus blauen Blüten wird ein rosa Cocktail!


Roland Graf
Roland Graf
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