Figroni, Negroni und Italianità am Berner Hirschengraben
Die italienische Bar «Migu’s» in Bern wurde bei der Eröffnung am letzten Wochenende überrannt. Der Run hält an.
Kurz nach Mitternacht. An der Bar stillen sitzledrige Gäste letzten Durst, draussen zieht die Kälte über den Hirschengraben. Ramona Augstburger und Michele Graniello stehen am Tresen, müde, aber glücklich – so sieht ein gelungener Start aus. Tout Bern wollte ihr «Migu’s» sehen, die neue Bar. Benannt nach Graniellos Spitznamen. Geplant, ausgestattet und eröffnet von Augstburger. Sie war die treibende Kraft hinter dem Lokal, hinter dessen Tresen die zweifache Mutter nun selber auch ab und an stehen wird.
Figroni: Negroni mit Feigen
«Rund 120 Negronis haben wir gemixt», sagt ihr Partner Graniello und lächelt. Der bernische Italiener hat Erfahrung, aber so viel Andrang an einem Abend? Selbst für ihn besonders. Ein spezieller Abend erfordert besondere Drinks: Der Barkeeper Telemaco Cesari – den man von der Ex-Cafè-Bar «Emma & Paul» von der Effingerstrasse kennen könnte – hat fürs Opening gleich eine eigene Drink-Kreation geliefert. Mit Feigen, sechs Wochen in Campari eingelegt, und Gin, verfeinert mit Vanilleschoten. Geboren war der Figroni: ein Negroni, der im Spätherbst entstanden ist und nach goldenen Abenden schmeckt.
Nach der Eröffnung ging es im «Migu’s» ohne Verschnaufpause weiter. Die Apérobar, italienisch gedacht, trifft mit ihren Sauerteig-Focaccias den Gusto. Zehn Varianten, keine halbherzige darunter. Für Fleischesser Mortadella oder Polpette. Für Käseliebhaberinnen Stracchino – dieser Burratakäse, der immer zu flüssig wirkt, aber doch perfekt ist. Und Veganer? Die gehen keineswegs leer aus: Pesto, pflanzliches Tatar, alles mit Sorgfalt gemacht.
Vorher stand hier «Dean & David», ein Franchise, das in Bern keinen Fuss gefasst hat. Der Raum wirkte, als hätte er nur darauf gewartet, Apérobar zu werden. Augstburger und Graniello haben das sofort gesehen. Vis-à-vis führen sie schon die «Piazza Bar» und unter den Bäumen des Hirschengrabens betreiben sie ein Fondue-Winterprojekt, das in den wärmeren Monaten zur fixen Sommerbar wird. Ein Spiel mit Jahreszeiten und Orten, das funktioniert.
Michele Graniello ist das Gesicht dieser kleinen Gastro-Welt. Man erinnert sich an die Markthalle, wo er mit der «Tosca Bar» startete und an das langsame Wachstum seiner späteren «Piazza Bar». Jetzt, da der neue Haupteingang des Bahnhofs dereinst am Hirschengraben zu liegen kommt, wird die Frequenz noch einmal steigen. Menschen auf dem Heimweg, die einen letzten Drink wollen. Vielleicht einen Figroni. Oder doch lieber den Klassiker, den Graniello an diesem ersten Abend 120-mal serviert hat.