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© The Charles Hotel

»Florio« in München: Zurückhaltend und poetisch

München
Neueröffnung
Italienische Küche

Ein weiterer Italiener in der sogenannten nördlichsten Stadt Italiens. Braucht es das wirklich? Um es kurz zu machen: Ja, irgendwie schon.

Im »Charles Hotel« direkt am botanischen Garten in München hat das »Florio« aufgemacht. Es ist Teil des Rocco Forte Franchises, mittlerweile das zweite Restaurant. Das erste »Florio« findet sich in Palermo auf Sizilien.

Wenn man das Restaurant betritt, dann ist sofort klar, dass man es mit einem Italiener zu tun hat. Dafür sorgen die Olivenbäume, die sanftgrüne Tapete und es hilft natürlich auch, dass die Kellnerinnen und Kellner »Prego« sagen, wenn sie einem ein Glas Wein einschenken. Allerdings greift hier keine der Assoziationen, die sonst von dem Wort Franchise ausgelöst werden. Das liegt vor allem an einem Mann: Fulvio Pierangelini.

»Meine Gerichte drängen sich nicht gleich auf«

Er sieht nicht nur so aus, wie man sich einen italienischen Koch vorstellt, mit seinen wilden Locken, die ihm ins Gesicht fallen, seinem schelmischen Grinsen und seiner Ernsthaftigkeit, wenn er über Essen spricht. Er kocht auch so. Pierangelini ist der Kitchen Director des »Florios.« Und er ist ein Mann mit einer Vision: Ihm gehe es darum, Gerichte zu kochen, die ihren Geschmack über die Qualität der Produkte bekommen, die liebevoll zubereitet werden, und liebevoll bedeutet bei ihm auch zeitintensiv.

»In den meisten Küchen kocht man Kartoffelpüree nicht à la minute«, sagt er. »Ich mache das schon«. Das liege daran, dass er frisches Olivenöl verwende, das nur, wenn es auch frisch zu dem Püree gegeben werde, seinen vollen Geschmack entfalte. »Meine Gerichte drängen sich nicht gleich auf«, so Pierangelini. Manchmal müsse man einen Löffel nehmen, dann noch einen und noch einen und wisse immer noch nicht, warum man unbedingt weiteressen wolle, aber das wolle man.

Etwas Poetisches

Das hört sich alles toll an. Aber es stimmt. Vorab serviert er etwa ein »Himachi Sashimi mit sizilianischen Gartenaromen«. Es kommt mit dem dezenten Geschmack des Sashimis, das eine zarte Zitrusnote begleitet und von frischen Kräutern vervollständigt wird. Das Gericht hat in seiner Zurückhaltung etwas Poetisches. Da liegen nur wenige Zutaten auf dem Teller. Aber jede hat ihren Raum, jede ihren Platz.

Besonders hervorzuheben sind aber seine Ravioli. Kurz nachdem der Gang serviert wurde, kommt Pierangelini an den Tisch und fragt: »Habt ihr die Raviloi gegessen«, er grinst und beantwortet die Frage selbst. »Die sind ein Traum«. Und wieder: Er hat recht. Der Teig ist hauchdünn und trotzdem bissfest, die Kürbisfüllung eine echte Überraschung, ein Gericht, das man nicht so schnell vergisst.

Sollte es das Team im »Florio« es auch schaffen, diese Qualität auf den Teller zu bringen, wenn Pierangelini gerade in seiner Heimat Rom ist oder in Palermo, dann ist die Neueröffnung ein wahrer Gewinn für die nördlichste Stadt Italiens.


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Moritz Hackl
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