Großes Winzerinnen-Interview zum Weltfrauentag: »A Mensch mecht i bleibn«
Teil 2: Am 8. März ist Weltfrauentag. Wir haben daher mit den Winzerinnen Heidi Schröck, Johanna Markowitsch und Birgit Braunstein über ihren Weg gesprochen, darüber was sie antreibt und wieso es eigentlich ganz simpel sein sollte: »A Mensch mecht i bleibn - singan und lochn - und tuan wos I wü.«
Am 8. März wird jährlich der Weltfrauentag gefeiert – und das bereits seit mehr als hundert Jahren. Wir haben daher das Wort an erfolgreiche Frauen übergeben, die die Weinwelt bewegen. Nicht nur heute, sondern jeden einzelnen Tag.
Heidi Schröck
Was bedeutet der Weltfrauentag für dich?
Das erste Mal habe ich den Tag 1996 bei einer Frauenmesse in Linz bewusst wahrgenommen, zu der ich eingeladen war. Danach habe ich den 8. März jahrelang in Skandinavien verbracht, in Schweden und Norwegen, wo ich immer wieder zu speziellen Frauen-Weinabenden eingeladen wurde. Dort wird der Weltfrauentag richtig groß gefeiert. Heute erinnert mich der Weltfrauentag vor allem daran, dass es immer noch nicht genügt, einfach zu sein, es liegt immer noch Arbeit vor uns. Wir sind noch nicht dort. Die gläserne Decke besteht – nicht nur im Weinbau. Ich habe 1982 mit dem Weinbetrieb begonnen und seitdem haben wir nur kleine Schritte gemacht. Es ist zum Teil noch immer dieses exotische Flair: »Ah, eine Frau.«
Welche Herausforderungen gibt es für Frauen in deiner Berufswelt?
In den 80er-Jahren war es zum Teil rein physisch noch ein schwieriger Beruf. Ich kann mich erinnern, als mein Papa mir eine Fasswinde übergeben hat, die so unglaublich schwer handzuhaben war. Aber da hat sich viel getan und vieles ist sicher leichter geworden. Mittlerweile bin ich auch nicht mehr alleine, sondern werde von meinen beiden Söhnen unterstützt. Außerdem ist die internationale Akzeptanz leichter geworden. Bei meinem Praktikum 1983 in Südafrika habe ich bemerkt, dass Frauen im Keller und im Weingarten durchaus normal sind. Aber an und für sich ist die gesamte Situation im Moment ein bisschen angespannt – egal ob für Männer oder Frauen.
Was ist dein Erfolgsrezept und was würdest du anderen Frauen in der Branche raten?
Wenn es mir mal nicht so gut geht oder mir die Motivation fehlt, habe ich ein paar wirklich gute Freundinnen, die ich anrufen kann. Ich bin überhaupt eine Netzwerkerin – ich brauche das Gefühl mit anderen verbunden zu sein. Ein Erfolgsrezept an sich gibt es vielleicht nicht, aber ich bin als Stier im Sternzeichen ein bisschen stur – auch wenn es manchmal nicht logisch ist, ist es vielleicht einfach das Weitergehen. Und dabei Menschen mitzunehmen oder mitgenommen zu werden, aber meistens bin ich diejenige, die die Leute mitnimmt.
Mittlerweile gibt es sehr viele Frauen in der Branche – das ist wirklich eines der tollen Dinge, die sich bisher verändert haben. Heute interessieren sich immer mehr Frauen dafür und es ist auch durchaus ein Beruf für Frauen geworden – weil wir einfach sehr viel Geschmack und gute Ideen haben. Raten würde ich auf alle Fälle: Dran bleiben, ernsthaft bleiben – natürlich mit Humor – aber seriös bleiben. Und zusammenarbeiten, das gilt nicht nur für Frauen, aber gerade für Frauen, weil wir einfach Erfahrungen in unserem Leben haben, die wir alle teilen.
Dran bleiben, ernsthaft bleiben – natürlich mit Humor – aber seriös bleiben.
Johanna Markowitsch
Was bedeutet der Weltfrauentag für dich?
Ich bin ganz ehrlich, der Tag ist mir eigentlich nicht wichtig. Ich denke, ich bin in einem Umfeld groß geworden, wo ich immer das machen konnte, was mir Spaß macht – und ich hatte auch immer das Gefühl ich werde ernst genommen. Dennoch ist es womöglich für viele ein Tag der Anerkennung und des Respekts – aber ich freue mich, dass wir in Carnuntum einige Winzerinnen sind und wir uns auch wirklich gut verstehen. Mit einigen fahr ich sogar auf Urlaub (grinst)
Welche Herausforderungen gibt es für Frauen in deiner Berufswelt?
Zurzeit gibt es jede Menge Herausforderungen, aber das betrifft auch die Männer. (lacht) Ich bin jetzt 30, seit sieben Jahren zu Hause – und selbst ich konnte schon mehrere Wein-Trends erleben. Es dreht und wendet sich alles immer schneller. Ich denke, früher war man nicht so beeinflusst in seinem Tun und hat sich mehr auf den eigenen Instinkt verlassen. Mittlerweile muss die Winzerin ja schon fast alles sein: perfekt im Weingarten, perfekt im Keller, ein Vertriebs & Marketinggenie und gefühlt immer und überall dranbleiben. Die sozialen Medien haben viel verändert. Aber mir taugts, wenn’s langweilig wär, wär’s sowieso nichts für mich. Und um einen Betrieb zu führen, naja wir wissen eh alle, was da noch so alles dazugehört…
Was ist dein Erfolgsrezept und was würdest du anderen Frauen in der Branche raten?
Ich versuche mich – noch immer – auf mein Bauchgefühl zu verlassen und nicht zu viel nachzudenken. Bisher ist mir das ganz gut gelungen. Ich möchte einfach Markowitsch machen und weiterführen – im Besten Wissen und Gewissen. Und wenn ich eine Idee habe, die mir taugt – dann setz ich’s eigentlich fast immer um. Und das relativ schnell – soferns geht. Aber oft denk ich mir, ist’s ja ganz simpel und um den Herrn Willi Klinger und Herrn Ambros 1974 zu zitieren: »A Mensch mecht i bleibn - singan und lochn - und tuan wos I wü - und i hoff da verlang i ned zvü.«
Ich versuche mich – noch immer – auf mein Bauchgefühl zu verlassen und nicht zu viel nachzudenken.
Birgit Braunstein
Was bedeutet der Weltfrauentag für dich?
Der Weltfrauentag ist für mich eine Gelegenheit, um innezuhalten, um die Errungenschaften von Frauen zu feiern. Gleichzeitig erinnert er mich daran, dass es noch viel zu tun gibt – vor allem, wenn es darum geht, Frauen in ihrer beruflichen und persönlichen Entfaltung zu stärken. In meiner Arbeit mit biodynamischem Weinbau erlebe ich täglich, wie wichtig es ist, seinen eigenen Weg zu gehen und sich nicht von Konventionen einschränken zu lassen.
Welche Herausforderungen gibt es für Frauen in deiner Berufswelt?
Als Frau in einer traditionell männerdominierten Branche wie dem Weinbau musste ich mich oft stärker behaupten und doppelt so viel leisten, um anerkannt zu werden. Biodynamischer Weinbau ist nicht nur eine Philosophie, sondern eine bewusste Entscheidung für Qualität, Nachhaltigkeit und Verantwortung. Es hat mich viel Überzeugungsarbeit gekostet, alte Denkmuster zu durchbrechen und meinen eigenen Weg konsequent zu verfolgen. Aber genau diese Herausforderungen haben mich wachsen lassen.
Was ist dein Erfolgsrezept und was würdest du anderen Frauen in der Branche raten?
Mein Erfolgsrezept ist die Leidenschaft für die Natur und die Vision, eine nachhaltige, gesunde Weinproduktion zu fördern. Mein Rat an andere Frauen: Glaubt an eure Visionen und bleibt euch treu! Authentizität, Leidenschaft und Durchhaltevermögen sind essenziell. Bildet Netzwerke mit anderen Frauen und unterstützt euch gegenseitig. Habt den Mut andere Wege zu gehen, denn Erfolg bedeutet nicht, sich an bestehende Strukturen anzupassen, sondern sie mitzugestalten!
Glaubt an eure Visionen und bleibt euch treu!
In Teil 1 des Winzerinnen-Interview zum Weltfrauentag haben wir mit Silvia Heinrich, Pia Strehn, Marion Ebner-Ebenauer, Christina Hugl und Birgit Eichinger gesprochen.
Nichts mehr verpassen!
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an.