«Huberta» in Zürich: Frauenteam statt Psychoterror
Nina Wild und Mirjam Eberle haben im Februar das «Restaurant Huberta» am Hubertus eröffnet. Im Gespräch mit Falstaff erzählen die beiden, dass sie in ihrem reinen Frauen-Team keinen Psychoterror wollen und welche Gerichte besonders gut ankommen.
Ein eigenes Restaurant? Für Mirjam Eberle klang das lange nach einer ziemlich schlechten Idee. «Ich dachte immer, ein eigenes Restaurant sei eine blöde Idee, weil es extrem streng sein muss», sagt sie und lacht. Heute weiss sie: Es ist streng. Sehr sogar. Und trotzdem fühlt es sich richtig an.
Nach mehreren Jahren als Private Chef war Eberle zwar routiniert, aber nicht mehr wirklich gefordert. Anfangs sei das alleine Arbeiten herausfordernd und aufregend gewesen. Irgendwann aber konnte sie es. «Es wurde nicht spannender», sagt sie. Was ihr fehlte, war der Austausch, gemeinsame denken, probieren und entscheiden. «Mit jemandem zusammenarbeiten und gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten» – danach sehnte sie sich.
Zwei Frauen, ein Ziel
Die Person, mit der sie das teilen konnte, fand sie in Nina Wild. Wild ist ausgebildete Köchin, hat eine Kochlehre absolviert, in der Patisserie gearbeitet und verschiedene Stationen durchlaufen. Sie war bereits Küchenchefin und bringt jene Erfahrung mit, die es braucht, um eine Restaurantküche souverän zu führen. Eberle wiederum kommt ursprünglich aus dem KV, arbeitete in der Werbung und fand als Quereinsteigerin in die Gastronomie.
Gerade deshalb ergänzen sich die beiden gut. «Nina schmeisst die Küche», sagt Eberle. «Wir haben verschiedene Kompetenzen, das passt super zusammen.» Schon vor der Eröffnung des «Huberta» hatten die beiden immer wieder miteinander gearbeitet. Vor der Pandemie planten sie sogar ein gemeinsames Frauen-Pop-up mit ausschliesslich weiblichen Produzentinnen. Ganz verschwunden war die Idee eines gemeinsamen Projekts also nie.
Als Wild gerade «in between jobs» war, passte plötzlich alles zusammen. «Nina sollte auch nicht einfach irgendwo angestellt sein», sagt Eberle. «Sie gibt viel zu viel.»
Ein altbekannter Ort
Nach einer Location gesucht, hatte Eberle eigentlich nicht. Doch die griechische Taverne um die Ecke hatte sie schon lange wahrgenommen. Sie wohnt selbst am Hubertus, nur wenige Schritte vom heutigen «Huberta» entfernt. «Ich habe mir immer gedacht, das wäre ein wunderschöner Ort für eine Quartierbeiz.»
Das Lokal liegt an einer kleinen Drehscheibe im Quartier, mit Bäckerei, Laden und viel Alltag rundherum. Tagsüber war dort Betrieb, abends hingegen blieb es eher ruhig. Gleichzeitig hatte der Ort alles, was Eberle sich für eine Beiz vorstellen konnte: grosse Fenster, Sichtbarkeit und eine Lage mitten im Quartier. Als der Besitzer der Taverne in Pension ging, kontaktierte sie ihn sofort. Und es klappte.
Ohne unnötige Härte
Auch im «Huberta» arbeiten derzeit nur Frauen. Das sei nicht als starres Konzept entstanden, sondern habe sich über Kontakte und Zufälle ergeben. Trotzdem prägt es die Atmosphäre. «Es ist speziell schön», sagt Eberle. Die Menschen, die dort arbeiten, würden die Stimmung schätzen.
Gleichzeitig gehe es ihr nicht um Ausschluss. «Wir würden auch männlich gelesene Personen einstellen», sagt sie. Entscheidend sei, dass sich alle wohlfühlen. Die Gastronomie könne ein harter Ort sein: Stress, lange Tage, körperliche Arbeit. «Da braucht es nicht noch Psychoterror obendrauf.» Ihr Ziel sei ein Team, das friedlich miteinander arbeitet – ohne Machtdemonstrationen, ohne unnötige Härte.
Die Küche
Kulinarisch setzt das «Huberta» auf eine saisonale, frische Küche, die Eberle als unkompliziert beschreibt. Es brauche ein Konzept, sagt sie, aber keines, das sich wichtiger nehme als der Genuss. «Wir wollen Sachen kochen, die unsere Gäste verstehen.» Keine Gerichte also, bei denen man auf dem Teller nicht mehr erkennt, worum es geht.
Die Wurzeln sind manchmal schweizerisch, im Sommer darf es mediterraner werden, im Herbst rustikaler. «Schweiz und Europa», fasst Eberle zusammen. Die Karte soll regelmässig wechseln: Nach der Eröffnung folgte bereits nach zwei Monaten eine neue Abendkarte, im Frühling kamen neue Gerichte dazu, Anfang Juni soll die Frühsommerkarte folgen.
Hackbraten, Spargeln und schwarzes Risotto
Auf der ersten Karte wurden besonders die kleinen Hackbraten zum Publikumsliebling. Viele Gäste fühlten sich an früher erinnert. Comfort Food also, aber nicht beliebig. Auf der Frühlingskarte laufen die Spargeln sehr gut, ebenso vegetarische Gerichte wie schwarzes Risotto mit gebratenem Lattich und Zwiebelschaum.
«Nicht komplex», sagt Eberle, «aber viele denken: Das habe ich noch nie gehabt, das probiere ich aus.» Genau dieser Mix scheint das «Huberta» auszumachen: eine kleine Karte, kreativ und ausgewogen, mit vegetarischen, veganen und fleischhaltigen Optionen. Nicht laut, nicht überladen, sondern nahbar.
Seit dem 21. Mai ist auch der Garten offen. Rund 40 Plätze kommen damit dazu – und im Quartier ist die Freude gross.
Restaurant Huberta
Albisriederstrasse 181, 8047 Zürich
huberta.ch