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Paul Stradner, Christian Kuchler, Peter Hagen-Wiest und Stefan Heilemann (v.l.n.r.).

Paul Stradner, Christian Kuchler, Peter Hagen-Wiest und Stefan Heilemann (v.l.n.r.).
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Neues Menü im »Eatrenalin«: So schmecken acht Sterne im Europa-Park

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Im »Eatrenalin« in Rust stellt sich auch im dritten Jahr die Frage: Sieht so die Zukunft der Spitzengastronomie aus? In der kommenden Saison übernehmen vier Zwei-Sterne-Köche die multisensorische Reise – und liefern in acht Gängen ihre Antwort dazu.

Auch rund drei Jahre nach seiner Eröffnung fühlt man sich im ersten multisensorischen Fine-Dining-Restaurant der Welt, als würde man einer Premiere beiwohnen. Zumindest kulinarisch ist das am letzten Augusttag tatsächlich der Fall. Peter Hagen-Wiest, Zwei-Sterne-Koch und seit Mai neben dem »Ammolite – The Lighthouse Restaurant« auch für das ebenfalls im Europa-Park in Rust beheimatete »Eatrenalin« verantwortlich, hat sich für die siebte Saison Unterstützung von drei Freunden geholt – allesamt ebenfalls Zwei-Sterne-Köche aus Frankreich und der Schweiz. Gemeinsam heben sie die Weltneuheit nun auch kulinarisch auf ein neues Level.

Denn von einem normalen Restaurantbesuch ist das »Eatrenalin« weit entfernt – außer, dass es Essen und Trinken gibt, haben die Erlebnisse wenig gemein. Wer sich noch vor drei Jahren fragte, wie viel Spektakel gutes Essen verträgt, stellt heute fest: hier hat man genau das richtige Maß gefunden.

Zwei Männer, eine Vision

Entstanden ist die Idee in unmittelbarer Nähe im Europa-Park selbst: Auf einem »Flug« im Flying Theatre »Voletarium« überlegten sich Thomas Mack, geschäftsführender Gesellschafter des Parks, und Oliver Altherr, Co-Gründer und bis zu seinem plötzlichen Tod im vergangenen Jahr Geschäftsführer des »Eatrenalin«, wie man das Urlaubsgefühl von Geschmack und Genuss in eine eigenständige, nie dagewesene Form übersetzen könnte. Das Ergebnis: ein Restaurant, das olfaktorische, haptische, akustische und visuelle Reize zu einem Gesamterlebnis verdichtet. Herzstück sind die 320 Kilo schweren »Floating Chairs«, die die Gäste sanft durch verschiedene Erlebniswelten gleiten lassen.

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Seit dem 31. August können Gäste nun bis Weihnachten gleich acht Michelin-Sterne genießen. Neben Hagen-Wiest laden Stefan Heilemann (»Widder«, Zürich), Christian Kuchler (»Schäfli«, Wigoltingen) und Paul Stradner (»Villa René Lalique«, Elsass) an die ungewöhnliche Tafel ein. Jeder von ihnen interpretiert einen Erlebnisraum kulinarisch neu. Zum Auftakt reisten die Köche persönlich an – nicht nur, um sicherzustellen, dass ihre Gerichte auch ohne ihre Anwesenheit exakt umgesetzt werden, sondern auch, um selbst zu erleben, wie sich ihre Kreationen im Raum anfühlen.

Überraschend vertraut

Während die Gastköche je einen Gang verantworten, komponiert Peter Hagen-Wiest die übrigen Speisen und hält die Fäden zusammen. Seit dem überraschenden Weggang von Alexander Mayer, der nach nur wenigen Wochen ins Spitzenrestaurant »La Vallée Verte« im »Hotel Hohenhaus« in Herleshausen wechselte, ist er nicht nur kulinarischer Leiter hinter den Kulissen, sondern auch die zentrale Figur am Herd.

Los geht es deshalb in der Lounge mit kleinen Einstimmungen aus Hagen-Wiests Küche: Karottensüppchen mit Vadouvan und Karotten-Passionsfrucht-Tatar, ein knuspriges Airbaguette mit Aubergine und Chipotle-Mayonnaise sowie ein Mini-Bao-Bun mit Ente und Koriandercreme. Während ein Timer an der Wand die Sekunden bis zum Start herunterzählt, steigt die Spannung.

Dann übernimmt »Lina«, die künstliche Intelligenz des »Eatrenalin«. Mit ihrer überraschend vertrauten Stimme begleitet sie die Gäste durch die rund zweistündige Reise, die sich wie ein schon mehrmals gesehener Science-Fiction-Film anfühlen wird. Ob das Gefühl nun gut oder schlecht ist, darüber macht sich jeder Gast am besten selbst seine Gedanken.

»Unvergleichbar«

In den einzelnen Räumen hat sich seit der Premiere Ende 2022 übrigens kaum etwas merklich verändert, auch die Reise bleibt – bis auf das Finale – gleich. Laut Hagen-Wiest sind neue Welten aber denkbar – und auch schon in Planung. Ein neuer Besuch lohnt sich bis dahin aber erstmal nur, um die neuen kulinarischen Kreationen nicht zu verpassen.

Sinnliches aus den Tiefen des Meeres.
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Sinnliches aus den Tiefen des Meeres.

Den Auftakt macht Stefan Heilemann in der Genusswelt »Ocean«, in der man kurzzeitig wirklich das Gefühl hat aus der Tiefsee aufzutauchen. »Sinnliche Tiefen aus dem Meer« offenbaren sich kaum merkbar aus dem Floating Chair – aber keine Sorge, man muss keineswegs die gesamte Experience über aus der Hand essen. Heilemanns Lachsforelle mit Quinoa, Süßkartoffel, Passionsfrucht und Minze kommt aus der Venusmuschel direkt in den Mund, begleitet von Meeresrauschen, sanften Klängen und vorbeiziehenden Quallen und Fischen in allen denkbaren Farben. »Ein gelungenes Happening«, resümiert Heilemann. Zwar arbeitet auch er in Zürich längst nicht mehr »nur« fürs Essen, doch das Eatrenalin sei »etwas ganz anderes, nicht Vergleichbares«.

Zu viele Sinneseindrücke?

Nach Hagen-Wiests Geschmacks-Intermezzo im Raum »Taste«, in dem er die Geschmacksknospen nochmal an ihre ursprüngliche Aufgabe erinnert, süß, sauer, bitter und salzig zu erschmecken, sind sie bereit für den fünften Geschmack »Umami« – und Paul Stradner. Auf einer Reise durch »Asiens fünfte Dimension« kombiniert er Rotbarbe, Zitrusfrüchte, Pak Choi und Miso gefolgt von einem Chawanmushi, der japanischen Variante von Eierstich, getoppt von Lauch, Kaviar und Zwiebelsud, bei dem man sich wünscht, die Teeschale, in der er traditionell serviert wird, wäre ein bisschen größer.

Das bestätigt auch Stefan Heilemann: für ihn ist der Raum der authentischste, was vielleicht auch daran liegt, dass er exakt so am anderen Ende der Welt zu finden sein könnte. Für Stradner selbst ist es das erste Mal, dass er die Experience hautnah miterlebt. Seine Angst, es könnten zu viele Sinneseindrücke sein, dass man sie kaum zu verarbeiten mag, bewahrheitet sich nicht. Im Gegenteil, man hat genug Zeit alle Elemente – und vor allem die kulinarischen Kreationen – zu genießen und das aus möglichst vielen Winkeln – still stehen die Floating Chairs nämlich nur selten. Mit einem beherzten Kanpai und Gongschlag entsendet der Zeremonienmeister Stradner und die übrigen Gäste auf den Weg ins »Universe«, durch Sonnenstürme, die sich wohl kaum so anfühlen werden, wie es einen die Stühle glauben lassen – aber der Blick aus der Raumkapsel auf die Erde und die Milchstraße wirkt zugegeben verblüffend echt.

Der Wunsch der KI

Zwar wird es dort oben im All kaum Christian Kuchlers Rehpastete mit Entenleberkern umgeben von Rehjus und Sellerie geben, mit Blick auf die Erde wünscht man dieses Geschmackserlebnis aber jedem echten ISS-Astronauten genau so einmal erleben zu dürfen. Vielleicht tröstet die schier unüberwindbare Entfernung den Spitzenkoch auch darüber hinweg, dass er hier nun zum ersten Mal darauf vertrauen muss, dass Hagen-Wiests Team seine Kreation jeden Abend nach seinen Vorstellungen umsetzt. Seine eigene Küche im »Schäfli« verlässt er nämlich nur in Ausnahmefällen.

Nachdem die Gäste mittels Gedankenkraft Lina dabei helfen, ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, menschlich zu werden, damit sie all die Gaumenfreuden der letzten Stunden ebenfalls erleben kann, werden sie mit Peter Hagen Wiests Schokoladentarte und Mangoeis auf Reis-Tamarindeneis belohnt, bevor es wieder zurück auf die Erde geht.

Ist das die Zukunft?

Man muss zugeben: Die Inszenierung drumherum polarisiert – für die einen ein unnötiger Schnickschnack, für die anderen ein erfrischender Kontrast zur mitunter verstaubt wirkenden Spitzengastronomie. Für Christian Kuchler ist letzteres der Punkt: »Die klassische Küche hat einen ein bisschen elitärer, gar steifen Ruf, was sie eigentlich kaum mehr ist«, sagt er.

Ob das »Eatrenalin« deshalb die Zukunft des Fine Dining ist? Darüber sind sich die Köche aber uneins. Dass Haute Cuisine aber längst mehr ist als Teller und Besteck, steht für sie außer Frage. Und das multisensorische Erlebnis zeigt, wie sich Schwellenangst abbauen und eine jüngere Zielgruppe erreichen lässt, die Berührungsängste mit weißen Tischdecken und steifen Menüs haben. Die Beobachtungen von Wiest und seinem Team seit Eröffnung bestätigen das: Das Konzept zieht zunehmend ein junges Publikum ab 35 an.

Natürlich hat das Erlebnis seinen Preis: Ab 255 Euro kostet die Reise durch Raum und Geschmack. Doch dafür bekommt man etwas, das weltweit immer noch einzigartig ist – und die Gelegenheit, acht Michelin-Sterne in einer einzigen Menüfolge zu erleben, dürfte in der Form so schnell nicht wiederkommen.


Anna Wender
Anna Wender
Senior Redakteurin
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