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Rioja: Mehr als nur Reserva

Schweizer Weingeniesser lieben Weine aus spanischen Prestigeregionen wie Rioja. Falstaff hat mit Spitzen-Sommeliers über das Image und die Zukunft der Region gesprochen.

Rioja – was kommt Ihnen bei dieser Weinregion zuerst in den Sinn? Vermutlich Barriquefässer, Kokos, Eiche und sicher Tempranillo sowie Garnacha, Reserva und Gran Reserva. Rioja hat, was sich viele Weinregionen auf dieser Welt wünschen: ein klares Profil in den Köpfen der Konsumenten. Die Winzer der Region Rioja haben sich diesen Weinstil über viele Jahre angeeignet. Beihilfe kam von den Franzosen, die während der Reblauskatastrophe das Barriquefass ins Land brachten, jenes Fass, das den riojanischen Stil prägt und der auch heute noch in den Köpfen der Weingeniesser verhaftet ist.

Dabei, könnte man sagen, ist mittlerweile alles anders. «Vielen unserer Gäste ist nicht bewusst, dass Rioja auch mit hervorragenden fruchtbetonten, zugänglichen Weinen aller drei Farben aufwartet, da man sie oft noch ausschliesslich mit holzbetonten Rotweinen in Verbindung bringt», sagt Sommelier-Weltmeister Marc Almert.

Die Reifung auf der Flasche gehört zum klassischen Qualitätskonzept der Winzer aus der Region Rioja.
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Die Reifung auf der Flasche gehört zum klassischen Qualitätskonzept der Winzer aus der Region Rioja.

Rioja-Verkostung durch Schweizer Fachpanel

Falstaff hat den Sommelier aus dem Zweisterne-Lokal «Pavillon» im Zürcher Hotel «Baur au Lac» bei der Degustation Rioja 10 x 10 getroffen. Bei dieser Verkostung, die erstmalig in der Schweiz stattfand, wurden 250 Weine aus der Rioja von einem hochkarätig besetzten Schweizer Fachpanel verkostet. Am Ende wurden die bestbewerteten 100 Weine selektioniert: die Rioja 10 x 10. Eine einmalige Verkostungsgelegenheit, um sich einen Überblick über die Region zu verschaffen, auch für gestandene Weinprofis. «Es war insgesamt eine sehr spannende Probe. Besonders positiv fand ich das durch die Bank weg gute Niveau der angestellten Weine. Gerade im für die Schweizer Gastronomie spannenden Preisbereich gab es einige echte Highlights, die sich auch im Offenausschank hervorragend einsetzen lassen», resümiert Almert.

Vor allem die Reservas unter 20 Franken begeisterten den Spitzensommelier mit deutschen Wurzeln hinsichtlich des Preis-Genuss-Verhältnisses. Das Weinland Spanien spielt für ihn in der Gastronomie eine der wichtigsten Rollen überhaupt, vor allem beim Flaschenverkauf. Etablierte Klassiker aus der Rioja haben seiner Ansicht nach in der Schweiz derzeit die Nase vorn, eben weil sich die Region als Marke in der Weinwelt gut positionieren konnte. Für die Zukunft sieht Almert vor allem Chancen bei den leichteren, fruchtbetonen Rot- und Weissweinen sowie bei den Rosados. «International steigt die Nachfrage nach Rosé rasant, und Rioja kann mit seinen Rosados gut mithalten. Ausserdem bin ich gespannt, wie die Region das neue Konzept der Viñedos Singulares, der qualifizierten Einzellagen, umsetzen wird», sagt Almert.

Einstmals wurde das kleine Holzfass von den Franzosen in der Region Rioja eingeführt. 
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Einstmals wurde das kleine Holzfass von den Franzosen in der Region Rioja eingeführt. 

Mit den Einzellagenweinen legte die Region Rioja im Jahr 2018 den Grundstein, um der Nachfrage der internationalen Weingeniesser nach terroirgeprägten Lagenweinen nachzukommen. Wann die ersten Weine der neuen Klassifizierung auf den Markt kommen werden, ist jedoch noch unklar. Rioja möchte sich verändern, so viel ist sicher. Weg von den strengen, von Reifezeiten bestimmten Bandagen hin zu mehr Spielraum für die Winzer.

Daniela Wüthrich, Head-Sommelière im Interlakener Hotel «Victoria-Jungfrau», kostete sich ebenfalls durch die Weine der Rioja 10 x 10. Sie erlebte die Region bei der gross angelegten Probe besonders divers. «In unserem Betrieb spielen vor allem die grossen Klassiker eine Rolle, Rioja bietet jedoch eine grosse Bandbreite an Stilen, wie die Degustation zeigte. Dessen ist man sich oftmals gar nicht bewusst, und hier lässt sich noch viel entdecken.» Während die klassischen Tropfen des spanischen Weindinosauriers ohne grosses Zutun ihren Platz im Glas des Gastes zu finden scheinen, sieht es bei den unbekannteren Riojaweinen anders aus.

«Die Weissweine und Rosados sind sehr spannend, hier braucht es aber die Empfehlung des Sommeliers, denn die Gäste sind sich gar nicht bewusst, dass es diese Weine aus der Rioja überhaupt gibt», sagt sie. Eine Lücke, denn wie die Rioja 10 x 10 zeigte, sind die Weine von bestechender Qualität. Bestbewerteter Wein der gesamten Degustation ist ein im Holzfass gereifter Weisswein. Für Kenner keine Besonderheit, denn die traditionellen Weissweine aus der Rioja gehören sicherlich zum Besten, was man in ganz Spanien findet. Während sich andere Regionen wie Ribera del Duero auf eine einzige Rebsorte – in diesem Fall Tempranillo – festlegen, ist die Rioja deutlich diverser. «Insbesondere die garnacha­basierten Cuvées erfreuen sich in unserem Restaurant grosser Beliebtheit, da sie eine saftige Fruchtigkeit mitbringen und das Tannin gut eingebunden ist», sagt Marc Almert.

Auch das scheint also den Nerv der Schweizer zu treffen. Während andere klassische Weinregionen auf der Stelle treten und an ihren traditionellen Konzepten festhalten, hat die Rioja den Weg der Erneuerung gewählt – und die Schweiz wird dabei an vorderster Front stehen, denn der hiesige Markt ist vor allem für Weine, die im höheren Preisbereich liegen, sehr wichtig. Ein Glück für alle entdeckungsfreudigen Schweizer Weinliebhaber also.


Erschienen in
Falstaff Magazin Schweiz Nr. 7/2019

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