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Von Weinbergen umzingelt: »Schloss Reinhartshausen«

Von Weinbergen umzingelt: »Schloss Reinhartshausen«
© VDP

»Schloss Reinhartshausen«: Gourmetrestaurant »Marcobrunn« soll bald an den Start gehen

Neueröffnung
Rheingau
Hotel
Restaurant

Lange Zeit war es still um das »Schloss Reinhartshausen« – doch nun scheint die Wiedereröffnung des Luxushotels im Rheingau in greifbare Nähe zu rücken. Den Auftakt soll das Gourmetrestaurant »Marcobrunn« unter der Leitung von Tristan Brandt machen.

Hat das Rätselraten um die Zukunft von »Schloss Reinhartshausen« bald ein Ende? Die zunächst für 2023 angekündigte, dann immer wieder verschobene und zuletzt gar nicht mehr thematisierte Wiedereröffnung des von Grund auf renovierten Luxushotels im Rheingau soll in greifbare Nähe rücken. »Wir stehen nun tatsächlich in den Startlöchern«, sagt Hotel-Manager Hany Hemida am Dienstag auf Anfrage von Falstaff. Auf einen Termin will er sich aber lieber nicht festlegen. Als Erstes soll das früher mit zwei Michelin-Sternen dekorierte Gourmetrestaurant »Marcobrunn« aufsperren – hinter vorgehaltener Hand wird vorsichtig vom 1. Mai gesprochen –, voraussichtlich ein paar Wochen später das Hotel.

Nach längerem Stillstand tut sich in diesen Tagen wieder etwas in dem zwischen Rhein und Reben gelegenen Schloss am Ortsrand von Eltville-Erbach. Davor halten Fahrzeuge von Handwerkern, Männer tragen Möbel hinein, und die Räume bekommen dem Vernehmen nach den letzten Feinschliff.

Einen Baustopp, wie im Rheingau seit Wochen kolportiert, hat es laut Hemida »nie gegeben«. Um den Jahreswechsel herum nur mal eine Pause; davor sei innen ständig gearbeitet worden. Das sei von außen halt nicht sichtbar gewesen.

»Vorübergehend geschlossen«

Die Verantwortlichen tragen freilich selbst zur Verunsicherung bei. Auf der Homepage kein Wort über den Stand der Dinge, weder ein Hinweis auf die Eröffnung noch eine Erklärung für die Verzögerung. Die einzige angegebene Telefonnummer läuft seit drei Monaten ins Leere. »Die gewählte Rufnummer ist nicht vergeben«, heißt es. Der genannte Ansprechpartner, den wir über Umwege erreichen, nennt als Grund technische Probleme des Anbieters.

»Vorübergehend geschlossen«, erfährt man auf Google immerhin. Wir suchen also weiter. Eine Fachzeitschrift kündigt im Oktober 2023 die Eröffnung »noch in diesem Jahr« an; mehrere Medien berichten nach einem Ortstermin im Februar 2024, dass es bald losgeht und zeigen Fotos von neuen Zimmern. Dabei bleibt es bis zum Sommer. Mitte Juli vermeldet Tristan Brandt als Patron der Gastronomie im Haus die Verpflichtung von zwei vielversprechenden Köchinnen aus einem der besten Restaurants Deutschlands, dem »Aqua« in Wolfsburg, für das »Marcobrunn by Tristan Brandt«. Die beiden hätten wie er »eine hohe Affinität zu asiatischen Einflüssen auf der Basis von perfektem französischen Kochhandwerk«. Die Eröffnung sei für Oktober 2024 geplant.

Unglückliche Umstände und ein großes Missverständnis

Wir haken seitdem auch bei Brandt regelmäßig nach. »Ich weiß nichts«, sagt er uns noch Anfang dieser Woche. Die Telefonnummer von General-Manager Gisbert Kern ist ebenfalls abgeschaltet. Das hat andere Gründe, die nicht jeder wissen kann: Kern ist seit Anfang des Jahres Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbandes DEHOGA Hessen. Im Netz findet sich schließlich doch ein neuer Termin: »Ab 1. März 2025 wieder buchbar nach Komplettrenovierung«, so tagungshotel.com. Was von der Zuverlässigkeit dieses Portals zu halten ist, verrät der erste Satz. »Schloss Reinhartshausen hat 53 Hotels in Europa« –  gemeint sind wohl die 53 Zimmer und Suiten.

In den Startlöchern: Simone Kubitzek, Tristan Brandt und Hella Eggers
© Fabian Matalla
In den Startlöchern: Simone Kubitzek, Tristan Brandt und Hella Eggers

Schließlich stoßen wir bei der Recherche auf Hany Hemida, der auch schnell reagiert und Auskunft gibt. Fazit seiner Worte: Alles eine Verkettung unglücklicher Umstände und ein großes Missverständnis.

Die Vorbereitungen laufen

»Wir haben in den vergangenen Monaten umfangreiche Sanierungsarbeiten vorgenommen. Insbesondere die grundlegenden Maßnahmen zur Instandhaltung und Verbesserung der Infrastruktur haben erheblich mehr Zeit und Aufwand in Anspruch genommen als ursprünglich gedacht«, erklärt der Manager, der am 1. Oktober 2023 vom Frankfurter Businesshotel »The Flag West M.« in den Rheingau gewechselt ist. In zwei Gebäudeteilen hätten alle Wasserleitungen ersetzt und das Haus mit neuen Strom- und Netzwerkkabeln durchzogen werden müssen.

»Die Renovierung aller Badezimmer ist komplett abgeschlossen. Die Hotelzimmer sind so weit vorbereitet, dass bereits die ersten Möbel aufgestellt werden konnten. Die Arbeiten im Spa-Bereich gehen voran und die Bauphase konzentriert sich jetzt auf das Finishing der Innenräume«, so der 49-Jährige. Die beiden Restaurantchefinnen Hella Eggers und Simone Kubitzek fokussierten sich auf die Vorbereitung zur Eröffnung des Restaurants »Marcobrunn«. »Sobald es die Temperaturen zulassen, wird es auch im Park wieder für Passanten sichtbare Arbeiten geben«, sagt Hemadi.

Er ist überzeugt, dass sich das lange Warten gelohnt haben und »Schloss Reinhartshausen« im neuen Glanz als Hoteljuwel wieder aufblühen wird. Die Homepage verspricht »entspannten Luxus und pure Erholung, malerische Natur und spannende Kultur, feine Kulinarik und gelebte Gastfreundschaft«. Die neue Adresse ist schon mal standesgemäß: Schlossplatz 1 statt Hauptstraße.

Neben dem Fine Dining Restaurant »Marcobrunn« gibt es zwei weitere gastronomische Angebote. Der »Blaue Salon« im lichtdurchfluteten Wintergarten, von Tristan Brandt im vergangenen Sommer als pan-asiatisches Restaurant Blue Garden angekündigt, wird vermutlich das Hotelrestaurant. Im »Mariannengewölbe« sollen regionale Spezialitäten serviert werden.

 

Der Standort von war ursprünglich Stammsitz von Ritterschaften. Das Schloss ist 1801 errichtet und von Unternehmer Willi Leibbrandt zum Luxushotel gestaltet worden. Von der Eröffnung 1991 bis 1999 leitete Joachim Wissler das Restaurant »Marcobrunn« und holte zwei Michelin-Sterne in den Rheingau.

Danach erlebte das frühere Relais & Chateaux und Kempinski eine wechselvolle Geschichte unter verschiedenen Eigentümern, darunter zwischenzeitlich auch einmal ein Freundeskreis. Im März wurden im Hotel 200 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine vorübergehend untergebracht. Eigentümer ist der aus dem Irak stammende Investor Dana Qadir, Geschäftsführender Gesellschafter der Betreibergesellschaft Hevar Berzenji.

 


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Joachim Heidersdorf
Autor
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