Tee-Sommelière Martina Rademacher verrät: So wird Ihre Tea-Time garantiert nicht zum Reinfall
Die Tee-Sommelière aus dem »Breidenbacher Hof« in Düsseldorf erklärt, was Tee besser kann als Kaffee, welcher perfekt zum berühmten Käsekuchen passt – und warum Teebeutel fast schon ein Sakrileg sind.
Falstaff: Frau Rademacher, Sie haben Kaffee von einem Tag auf den anderen fast komplett aus Ihrem Leben gestrichen, obwohl Sie überzeugte Kaffeetrinkerin waren. Was ist passiert?
Martina Rademacher: Das passierte nach meiner Reise nach Sri Lanka 2016. Ich war dort, um den »Tea Master Gold« zu absolvieren, nachdem ich 2013 schon den Silberstatus erreicht hatte. Um überhaupt nach Sri Lanka reisen zu dürfen, muss man 100 Fragen rund um Tee beantworten und 20 Teesorten blind erkennen können. Vor Ort waren wir von morgens bis abends auf den Plantagen, haben selbst mitgeerntet – man kann sich kaum vorstellen, wie anstrengend diese Arbeit von Hand ist. Erst dann versteht man wirklich, wie viel Arbeit in jeder Tasse steckt und warum guter Tee seinen Preis hat. Als ich zurückkam, habe ich tatsächlich von heute auf morgen keinen Kaffee mehr getrunken. Er hat mir einfach nicht mehr geschmeckt.
Was kann Tee, was Kaffee nicht kann?
Gelassenheit. Tee ist ein Moment der Ruhe. Einen Kaffee kann man nebenbei trinken, einen Tee nicht – er verlangt Aufmerksamkeit und bewussten Genuss. Und er schmeckt einfach besser. Sein Aroma eröffnet eine ganz eigene Welt. Mit der Zeit entwickelt man ein Gefühl für den Tee: An der Farbe erkennt man genau, wann er perfekt gezogen ist – so eine feine Nuance gibt es bei Kaffee nicht.
Erlebt Premium-Tee gerade eine Renaissance?
Ja, definitiv. Viele Gäste trinken bewusster Tee und entdecken neue Sorten. Für manche ist er inzwischen sogar ganz zum Kaffee-Ersatz geworden.
Wenn Sie über Tee sprechen, verwenden Sie die Sprache des Sommeliers. Was kann Tee sensorisch?
Ich habe einen Teil der Sommelière-Ausbildung durchlaufen, vielleicht deshalb. Aber auch Tee genießt man bewusst, erlebt Duft und Geschmack intensiv – und das kann sehr schöne Gespräche auslösen, egal ob jung oder alt. Daraus entsteht eine besondere Atmosphäre, wie man sie vom Wein-Genuss kennt.
Kann man als Laie teuren von billigem Tee unterscheiden?
Natürlich ist es eine Geschmackssache, aber mehr zu investieren lohnt sich fast immer. Besonders bei weißen Tees schmeckt man die Eleganz und die feinen, hochwertigen Noten. Ich vergleiche das gern mit Wein: Qualität spürt und schmeckt man sofort. Bei Beuteltees fehlt diese Tiefe oft. Guter Tee kostet etwa 8 bis 10 Euro pro 100 Gramm.
Tut es Ihnen weh, wenn Menschen Teebeuteltee trinken?
Ja, das meine ich nicht böse – Teebeuteltee hat seine Daseinsberechtigung. Aber wenn man sich die Zeit nimmt und den Tee frisch aufbrüht, merkt man den Unterschied: Das Aroma ist intensiver, das Genusserlebnis einfach ein anderes.
Was sind die häufigsten Fehler, die Menschen beim Tee trinken machen?
Die Temperatur! Grüner Tee braucht etwa 80 Grad, sonst wird er bitter, schwarzer Tee verträgt 100 Grad. Und bitte wenn: den Beutel nicht im Tee lassen. Kalkhaltiges Wasser oder ein nicht entkalkter Wasserkocher zerstören ebenfalls jeden Geschmack. Und die Tasse ist entscheidend: dünnwandig, oval, nicht zu klein sollte sie sein. Und auch die Teeschnuten müssen immer sauber sein, sonst leidet der Geschmack. Früher habe ich Tee mit Kandis getrunken, das würde ich heute nie mehr machen, weil man auch damit den reinen Geschmack eines Tees verfälscht.
Welcher Tee wird unterschätzt?
Darjeelings. Früher wie heute gelten sie als die Champagner unter den Tees.
Was empfehlen Sie jemandem, der etwas Ungewöhnliches trinken möchte?
Weißen Tee. Er wird 72 Stunden auf riesigen Blechen in der Sonne getrocknet und anschließend gerollt – wirklich etwas Exklusives.
Wenn Sie nur noch einen Tee für den Rest ihres Lebens trinken dürften – welcher wäre das?
Meine eigene Tee-Mischung: einen Schwarztee aus Kolumbien, kombiniert mit einem Darjeeling Summer aus Indien. Mittelkräftig, harmonisch – genau wie ich ihn mag.
Der Afternoon-Tea rückt in der kalten Jahreszeit den Tee wieder in den Vordergrund. Mit den berühmten Etageren voller kleiner Köstlichkeiten wird er regelrecht zelebriert – welchen Tee empfehlen Sie dazu?
Zu Scones mit Clotted Cream empfehle ich meinen Kräutertee mit Süßholz. Zu herzhaften Speisen passt eher schwarzer Tee. Zur Weihnachtszeit bieten wir Winterolong – halbfermentiert, mit Aromen von Nuss, Zimt und Orange – oder unseren Glühweintee an, der fantastisch zu Süßem passt.
Der Käsekuchen im »Breidenbacher Hof« hat Kultstatus. Welcher Tee passt dazu?
Ein leichter schwarzer Tee oder Springtime. Kräftige Sorten wie Assam mit Milch würde ich nicht empfehlen – der Kuchen ist schon mächtig genug.
40212 Düsseldorf
Deutschland
Tea Time im »Breidenbacher Hof«
Wann: Täglich 14.oo – 17.30 Uhr
Ort: Lobby Lounge, Breidenbacher Hof, Düsseldorf
Was: Englische Afternoon Tea-Tradition trifft Düsseldorfer Flair. Serviert auf einer Etagere mit:
- köstlichen Scones & Clotted Cream
- kleinen Fingersandwiches
- verführerischem Gebäck
Tee: Auswahl aus über 20 Teesorten von Ronnefeldt; optional ein Glas Champagner.
Preise:
- € 72 pro Person
- € 89 inkl. Glas Champagner
Advent-Special (ab 21. Nov.): Weihnachtliche Köstlichkeiten wie Bratapfelschnitte, Florentiner, Pistazien-Biscotti & gebackene Praline vom Färöer Lachs.
Mehr Infos: Breidenbacher Hof Lobby Lounge