Von High-Heel-Lauf bis Orangenschlacht: Karnevalsbräuche aus aller Welt
Krapfen, Umzüge und Kostüme sind hierzulande feste Bestandteile der närrischen Zeit. In anderen Teilen der Welt gestalten sich die Karnevalstraditionen oftmals kurioser. Falstaff TRAVEL stellt die außergewöhnlichsten Bräuche vor.
Wehe, wenn sie losgelassen...! Das denken sich viele, wenn die sogenannte »Fünfte Jahreszeit« beginnt, Menschen in Verkleidungen schlüpfen, Polonaise tanzen und ausgelassen feiern. Hierzulande bedeutet Karneval Kostüme, Paraden, Feiern, Essen und Trinken. An anderen Orten der Welt sind die Bräuche oftmals skurriler – und haben meist einen tieferen historischen Hintergrund.
Von tropischer Hitze bis zu verschneiten Hügeln, von buntem Mehl bis zu fliegenden Orangen – die Traditionen sind so vielfältig wie faszinierend.
Bunte Schlacht mit allem, was gut an Kleidung haftet
Der Karibikstaat Trinidad und Tobago ist berühmt für seinen ausgelassenen Karneval. Am Rosenmontag feiert man den sogenannten »J‘Ouvert«. Das Wort bedeutet »Tagesanbruch« und so verwandeln sich die Straßen von Port of Spain schon ab den frühen Morgenstunden in ein ausgelassenes Fest mit bunter Farbschlacht. Die Teilnehmer:innen starten in sauberer Kleidung, die am Ende des Tages komplett beschmiert ist: mit allem, was gut haftet – von Rohölschlamm über Farbe und Lehm bis hin zu Schokoladensauce.
Der »J'Ouvert« geht in die Zeit der Sklaverei zurück. Zum Karneval äfften die Sklaven das Verhalten ihrer Unterdrücker nach. Um nicht erkannt zu werden, beschmierten sie sich mit Farbe, Schlamm und Schokoladenpulver.
Ebenfalls bunt geht es auf der griechischen Halbinsel zu: die Stadt Galaxidi liefert sich zum Karneval eine Mehlschlacht namens »Alevromoutzouromata«. Immer am Rosenmontag bewerfen sich Einheimische und Besucher:innen aus aller Welt einen ganzen Tag lang mit Tonnen gefärbten Mehls.
Bunte Mehlschlacht in Griechenland
Um 12 Uhr mittags läuten Kuhglocken den Beginn der Schlacht ein, Ganzkörperoveralls und Schutzbrillen gehören zum Outfit aller. Die Stadt stellt den Teilnehmenden Tonnen von Mehl bereit, bis auch der letzte Sack verteilt ist.
Die Tradition reicht rund 200 Jahre zurück und entstand unter der osmanischen Herrschaft, als christliche Feste streng verboten waren. Die Bewohner:innen von Galaxidi ließen sich davon nicht einschüchtern: Mit aschbedeckten Gesichtern versammelten sie sich heimlich auf den Straßen, tanzten und feierten – aus diesem stillen Widerstand entwickelte sich der Karnevalsbrauch.
In der norditalienischen Stadt Ivrea, Teil der Metropolregion Turin im Piemont, wird seit dem frühen 19. Jahrhundert der Karneval mit der »Battaglia delle Arance«, einer Orangenschlacht, gefeiert.
Orangenschlacht im Piemont
Drei Tage lang (vom 15. bis 17. Februar 2026) wird die Orangenschlacht ausgefochten. Neun teilnehmende Teams, teils in ritterlichen Rüstungen gekleidet, besetzen im Stadtzentrum jeweils feste Einsatzgebiete, die es zu verteidigen gilt.
Die Tradition geht auf mittelalterliche Aufstände zurück: Zunächst flogen in den 1830er Jahren Bohnen, später dann Orangen durch die Straßen. Die fruchtige Schlacht symbolisiert den Widerstand der Bevölkerung gegen einen tyrannischen Feudalherrn.
Zwei Wochen lang verwandelt sich Teneriffa in eine einzige Festmeile: Rhythmische Trommeln, farbenprächtige Kostüme und ausgelassene Umzüge erinnern an den berühmten Karneval in Rio – nur mit ganz eigenem kanarischen Flair. In der Hauptstadt Santa Cruz geht es besonders spektakulär zu, wenn der Stöckelschuhlauf der Männer beginnt. Die Teilnehmer müssen einen Hindernisparcours meistern – in Frauenkleidern und mit bis zu zwölf Zentimeter hohen Absätzen.
Highheel-Lauf und Sardinenbestattung auf Teneriffa
Doch nicht nur die Festtage selbst sind skurril: Am Aschermittwoch folgt die »Bestattung der Sardine«, ein spanischer Brauch, der das Ende der Karnevalszeit markiert. Eine riesige Sardine aus Pappmaché wird feierlich durch die Straßen getragen, begleitet von Menschen in Schwarz, und schließlich auf einem offenen Platz verbrannt.