Von Vivi Kola bis Thomy-Senf: Das kulinarische Erbe der Schweiz wächst
Die Schweiz ist nicht nur für Schokolade und Käse bekannt. Ihr kulinarisches Erbe umfasst eine faszinierende Bandbreite regionaler Spezialitäten. Nun sind neue Produkte hinzugekommen. Wer entscheidet über diese Aufnahme, und welche Schätze schlummerten bisher im Verborgenen? Ein Blick in die jüngsten Ergänzungen des Inventars.
Seit Jahren dokumentiert der Journalist und Buchautor Paul Imhof in seinem Werk «Das kulinarische Erbe der Schweiz» das reiche Spektrum traditioneller Schweizer Lebensmittel. Nun hat er neue Produkte in sein Werk aufgenommen. Darunter sind bekannte Marken wie der Thomy-Senf, aber auch überraschende Entdeckungen wie die Bündner Ackerbohne, die früher eine wichtige Rolle in der regionalen Ernährung spielte, heute aber kaum mehr bekannt ist.
Das Buch basiert auf dem offiziellen Inventar des Vereins «Kulinarisches Erbe der Schweiz», die sich aus Fachleuten der Landwirtschaft und Ernährung zusammensetzt. Dieses Inventar umfasst seit über 20 Jahren traditionelle Nahrungsmittel der Schweiz. Wir wollen wissen, welche Produkte neu zum «Kulinarischen Erbe der Schweiz» gehören und wie sie es überhaupt schaffen, ins Inventar aufgenommen zu werden.
Die neuen Produkte
- Aargau: Leckerli
- Appenzell Innerrhoden/Appenzell Ausserrhoden: Wacholderlatwerge
- Bern: Brunnenkresse, Militärbiscuit
- Basel-Stadt: Thomy-Senf, Galrey (Gallere), Sonntagspastetchen
- Graubünden: Schafkäse, Ackerbohne, Bündner Spargel, Furmagin da cion, Mascarplin
- Jura: Viande chevaline, Fromages du Jura
- Tessin: Olio d’oliva ticinese, Riso nostrano ticinese
- Zürich: Jsotta, Vivi Kola
Während einige der neuen Produkte seit Jahrhunderten zur lokalen Ernährung gehören, erleben andere eine Art Renaissance. Das Beispiel von Vivi Kola zeigt, dass auch Industrieprodukte Teil des kulinarischen Erbes sein können, wenn sie einen historischen Bezug haben. Das koffeinhaltige Getränk war einst eine Schweizer Antwort auf Coca-Cola, verschwand aber vom Markt und wurde erst 2010 neu lanciert.
Ähnlich verhält es sich mit dem Militärbiscuit – einem Keks, der ursprünglich für die Schweizer Armee entwickelt wurde, heute aber als kulinarische Kuriosität gilt und für viele eine Erinnerung an ihre Jugend darstellt. Seine Aufnahme zeigt, dass das kulinarische Erbe nicht nur aus Gourmetprodukten besteht, sondern auch aus Alltagsklassikern, die einen besonderen Platz in der Geschichte und Bevölkerung der Schweiz einnehmen.
Kritik für die Aufnahme
Die Aufnahme in das offizielle Inventar folgt einem strengen Verfahren: Ein Produkt kann vorgeschlagen werden, muss aber vom Vorstand des Vereins «Kulinarisches Erbe der Schweiz» und zwei Experten beurteilt werden. Neben historischen Aspekten spielen auch die Kosten eine Rolle – einige Aufnahmen wurden von den Kantonen finanziert, etwa das Pferdefleisch (Viande chevaline) im Kanton Jura, während andere Produkte noch auf einen Geldgeber warten.
Die Aufnahmekriterien sind vielfältig. Einerseits muss das traditionelle Nahrungsmittel mindestens seit einer Generation überliefert sein, also seit 40 Jahren kontinuierlich hergestellt werden. Es muss heute noch produziert und konsumiert werden und verfügbar sein. Andererseits muss es eine besondere Verbindung zur Schweiz aufweisen – sei es durch seine Herstellungsweise, ein spezielles Konsumverhalten oder einen regionalen Namen.
Manche Produkte werden erst in das begleitende Buch von Paul Imhof aufgenommen, bevor sie den Sprung ins Inventar schaffen. Dies war beispielsweise beim Tessiner Olivenöl (Olio d’oliva ticinese) der Fall, das inzwischen offiziell anerkannt ist. Andere warten noch auf ihre endgültige Aufnahme, etwa das legendäre Vivi Kola aus Zürich, das zwar in der Publikation vertreten ist, aber noch nicht im offiziellen Inventar aufgeführt ist.
Indem das kulinarische Erbe bewahrt wird, bleibt die Schweizer Genusskultur so vielfältig und faszinierend wie das Land selbst.
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