Wein- & Genussreise in die Karpaten
Die Kleinen Karpaten sind ein Paradies für Wanderer und Radfahrer, Fotografen und Künstler. Vor allem aber für Feinschmecker und Weinliebhaber. An der Weinroute, wo bereits die alten Römer die ersten Weinberge angelegt haben, prägt heute eine neue Generation von Winzern und Küchenchefs die slowakische Gastronomieszene.
Die Kleinen Karpaten beginnen bzw. enden, je nachdem von welcher Seite man sie betrachtet, in Bratislava im Stadtteil Devín, hier bildet der Zusammenfluss von Morava (March) und Donau eine natürliche Grenze zu Österreich. Devín ist heute ein Ort, der mit der Burg Devín eines der bedeutendsten nationalen Denkmäler der Slowakei, mit dem »Eck« das beste slowakische Restaurant und das moderne Weingut Zlatý Roh mit seinem einzigartigen Terroir vereint. Hier treffen Geschichte, Kultur und außergewöhnliche Geschmackserlebnisse aufeinander.
Und genau hier ist der perfekte Start für eine Wein- und Genussreise entlang der Weinroute der Kleinen Karpaten. Die Burg Devín ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Slowakei, sie ist seit zweieinhalb Jahren auch ein beliebtes Ziel für Fans der gehobenen Gastronomie. Der Grund dafür ist das Restaurant »Eck«, das hier Ende 2023 eröffnet wurde.
Das Restaurant von Weltklasse mit exklusivem Blick auf das Wahrzeichen von Devín hat sich mit bemerkenswerter Geschwindigkeit in der slowakischen Gastronomieszene etabliert. Die Küche wird von Daniel Tilinger geleitet, Chefkoch mit umfangreicher internationaler Erfahrung, der in mehreren Sternerestaurants im Ausland tätig war. Die Philosophie seiner Küche ist tief in der Regionalität und der Saisonalität verwurzelt, wobei aufgrund der Grenzlage von Devín bei der Auswahl der Zutaten auch hochwertige Quellen aus dem nahen Ausland berücksichtigt werden. Bei der letzten Bewertung von Falstaff Slovensko erhielt das Restaurant »Eck« vier Gabeln und 98 Punkte und ist damit das beste Restaurant in der Slowakei, Chefkoch Daniel Tilinger wurde zum besten slowakischen Chefkoch gekürt.
In der Weinszene ist vor allem der »Ríbezlák« (Johannisbeerwein) aus der Region bekannt – das bedeutendste Weingut sicherlich Zlatý Roh. Dessen Weinberge, die sich an den Südwesthängen der Kleinen Karpaten erstrecken, profitieren von einem einzigartigen Terroir, das sich aus der besonderen Bodenbeschaffenheit, aber auch aus dem Mikroklima aufgrund der Nähe zu den zwei Wasserläufen ergibt. Die Weine werden hier vom eigenwilligen Winzer Filip Nagy hergestellt, der auf eine Philosophie der minimalen Eingriffe und der ökologischen Harmonie im Weinberg setzt.
MODRA: Zentrum für Genuss
Das Herzstück des Weinbaus in den Kleinen Karpaten war schon immer die Stadt Modra. Heute ist sie auch eines der Zentren innovativer Gastronomie und Ausgangspunkt für die Entdeckung der Natur und des kulturellen Reichtums der Region. Der beste Reiseführer für die Region Modra ist der renommierte Professor Fedor Malík, Önologe und Winzer, der zusammen mit seinem Sohn hervorragende Weine produziert, darunter auch sortenreine Sekte unter der Marke Modragne, die nach traditioneller Methode hergestellt werden.
»Trauben und Wein waren in der Vergangenheit eine Quelle des Wohlstands für die hiesigen Städtchen«, so Malík. »Die goldene Ära der Winzer in den Kleinen Karpaten endete in den 1950er-Jahren mit der Verstaatlichung der Weinberge, und nach der Samtenen Revolution musste fast bei null angefangen werden. Glücklicherweise tauchte eine neue Generation von Winzern auf, die begannen, Wein auf moderne Weise herzustellen.« Dank ihnen erlebt Modra eine Renaissance und ist heute die Heimat progressiver Weingüter, die Tradition mit neuen Ansätzen verbinden.
Eine spannende Verbindung von Wein und Kunst und ein Gegenstück zu den traditionellen Weinkellern von Modra bildet der Elesko Wine Park. Das 2010 erbaute Weingut gehört bis heute zu den größten Weinbauprojekten in der Slowakei, wo moderne Architektur mit Kunst und Weinherstellung verbunden ist. Hier befindet sich auch die Zoya Gallery, die eine der weltweit größten Sammlungen von Andy Warhols Werken beherbergt – derzeit ist sie jedoch für die Öffentlichkeit geschlossen.
Zwischen den Besuchen der Weingüter lohnt sich ein Zwischenstopp im »Cuvée Wine Shop & Coffee« einzulegen, das in historischen Räumlichkeiten in Modra die Welt des guten Kaffees und des hochwertigen Weins verbindet.
Der Ort hat eine unverwechselbare Atmosphäre und eine reiche Geschichte. Er befindet sich in einem alten Gerichtsgebäude aus dem 16. Jahrhundert. Gleich nach dem Betreten fallen den Gästen die originellen Wandmalereien ins Auge. Sie stammen von Wirt Dominik Trusina selbst. »Da die ganze Stadt mit Wein verbunden ist, wollte ich unseren Gästen anhand der Wandgemälde den gesamten Prozess der Weinherstellung zeigen. Meine Geschwister und ich haben uns für Illustrationen entschieden, die verschiedene Phasen der Herstellung zeigen, wie zum Beispiel das Schneiden der Trauben oder das Hacken, was heute meist maschinell erfolgt, in unseren Weinbergen aber noch von Hand gemacht wird.«
Neben der Weinszene muss sich die Gastronomieszene in Modra nicht verstecken, in den letzten Jahren sind hier einige bemerkenswerte Konzepte entstanden. Eines der interessantesten ist das »Wild Kitchen«. Hier kommen eine tolle Atmosphäre, ausgezeichnetes Essen, das traditionelle und mediterrane Küche verbindet, und geschmackvolles Design zusammen.
Das Restaurant ist mit Werken junger Künstler dekoriert, und es gibt sowohl Gerichte aus lokalen Zutaten als auch welche mit Fisch und Meeresfrüchten, die überraschend hervorragend mit den Weinen aus der Region harmonieren.
Durch das offene Küchenkonzept können die Gäste bei der Zubereitung der Speisen zuschauen und mit den Köchen kommunizieren. »Wir versuchen, uns durch eine Küche, die sich auf ihre Wurzeln besinnt, von anderen Restauranrts zu unterscheiden. Wir nutzen die Produkte der Natur, die wir zum Teil selbst sammeln, und traditionelle Techniken, um sie haltbar zu machen«, erklärt Inhaber Martin Plaštiak.
Vorreiter in der hochwertigen Gastronomie in Modra war jedoch das Restaurant »Mlyn 108«, das in einer restaurierten Wassermühle aus dem 16. Jahrhundert untergebracht ist. Das »Mlyn 108« ist ein echtes Familienrestaurant – gekocht wird vom Besitzer Otto Chrapčiak, seine Partnerin Lujza macht den Service. Im Vordergrund stehen lokale Rezepte aus hochwertigen Zutaten von regionalen Lieferanten.
Dine and Sleep
Ein guter Ort, um den Tag stilecht abzuschließen, wenn man sich in Modra umschaut, ist das Vier-Sterne-Hotel »Zochova Chata« in der beliebten Erholungsregion Harmónia in den Karpatenwäldern. Hier in den waldreichen Hügeln erholen sich auch die Bewohner Bratislavas gern.
Bereits im 19. Jahrhundert war das Hotel die erste Übernachtungsmöglichkeit für Touristen in den Kleinen Karpaten. Nach der Renovierung wurde das Hotel wiedereröffnet und 2011 als »Bau des Jahres« ausgezeichnet. Architekt Albert Mikovíny brachte Elemente der umgebenden Natur in den Bau ein – Holz, Stein und viele Glasfenster, die den Innenraum des Hotels mit der umgebenden Natur verbinden. Das Hotel verfügt über eines der größten und besten Hotel-Wellnesscenter in der Slowakei, ein ausgezeichnetes Restaurant mit Wildgerichten (unbedingt probieren: den Hirschrücken mit Schokoladen-Kirsch-Sauce und das Schnitzel) und in den Sommermonaten auch über einen schönen Garten.
Burg Červený Kameň
Am nächsten Morgen geht es weiter zur nahe gelegenen Burg Červený Kameň. Sie ist eine der bedeutendsten historischen Sehenswürdigkeiten der Kleinen Karpaten und gleichzeitig eine der am besten erhaltenen Burgen der Slowakei. Einer ihrer früheren Besitzer im 16. Jahrhundert war Anton Fugger, der deutsche Kaufmann und einer der reichsten Menschen der Geschichte, dessen Vermögen aus dem Kupferhandel in der Umgebung von Banská Bystrica umgerechnet das Vermögen der reichsten Menschen der heutigen Welt übersteigen würde. Dank ihrer Lage und Schönheit ist die Burg ein beliebter Drehort für Filme.
Von Jur zu Michelin
Svätý Jur ist zwar eine der kleinen Städte der Region, dafür sind ihre Weine umso berühmter: Einst ließ Maria Theresia sie an ihren Wiener Hof liefern, heute sind die Weine einiger lokaler Winzer auf der ganzen Welt zu finden.
Das Weingut Naboso, das von dem Ehepaar Nadja und Andrej Mikluŝičák geführt wird, ist dabei besonders erfolgreich. Dessen Weine haben sich auf der Weltbühne durchgesetzt, bis zu 80 Prozent seiner Produktion gehen ins Ausland und seine Weine werden in 20 Michelin-Restaurants weltweit serviert.
Laut Winzer Andrej Miklušičák ist die Philosophie des minimalistischen Weins für den Erfolg verantwortlich. »Wir möchten, dass sich der Wein natürlich entfaltet und das lokale Terroir zum Ausdruck bringt. Wir gehen von Cuvées zu sortenreinen Weinen über, um den Einfluss unseres Bodens zu zeigen – karge Granitböden, die extraktreiche Weine hervorbringen mit einzigartigem Charakter«, erklärt er. Priorität haben jedoch Harmonie, Reinheit und Makellosigkeit der Weine.
Naboso ist auch Gründer des Festivals Naturalista, das jedes Jahr im Mai direkt im Garten des Weinguts stattfindet und zu dem Winzer mit naturbelassenen Weinen aus ganz Europa eingeladen werden.
Ein weiteres Weingut, das zu den neuesten in Svätý Jur gehört, ist Viajur. Es wurde in einem historischen Schloss errichtet, das von einem verfallenen Gebäude zu einem eleganten Komplex umgebaut wurde, der Wein, Gastronomie und sogar eine Brauerei vereint. Das Schloss Pálffy hat eine faszinierende Geschichte, die bis ins Jahr 1543 zurückreicht. Später ging es in den Besitz von Katarína Pálffy über, die die Weintradition dieses Ortes begründete.
Auf dem Weingut Viajur wird an diese Traditionen angeknüpft, neben modernen werden auch uralte Technologien genutzt, darunter die Verwendung historischer Kvevri-Weingefäße. Viajur hat sich auf Weißweine spezialisiert, insbesondere auf Riesling, den sie als ihr Aushängeschild betrachten. Ihr Rizling jurský und Rizling liebling waren auch auf internationalen Ausstellungen Erfolge. Im Schloss finden Sie auch eine handwerkliche Brauerei, die die lokale Brauereigeschichte wieder aufleben lässt – hier wurde bereits von den Piaristen Bier gebraut.
Und für ein umfassendes Erlebnis bietet das Schloss Pálffy zwei gastronomische Konzepte: »PaB« mit österreichisch-ungarischer Küche und handwerklich gebrautem Bier sowie eines der besten Restaurants in der Kleine-Karpaten-Region – das Fine-Dining-Konzept »Arte« (94 Punkte von Falstaff und drei Gabeln) mit Degustationsmenü, das der talentierte Küchenchef Jirka Zajíček mit seiner Handschrift prägt.
Šenkvice
Wer Sekt nach traditioneller Methode mag, sollte unbedingt auch die Weinkellerei Bobulles in Šenkvice besuchen, die zwar noch keinen repräsentativen Verkostungsraum hat, dafür aber erstklassige Weine anbietet!
Inspiriert von den kleinen Weingütern der Grower-Champagne-Bewegung produziert man derzeit rund 10.000 Flaschen pro Jahr und plant eine Erweiterung. Alle Weine stammen aus Trauben aus den Kleinen Karpaten, vor allem aus eigenen Weinbergen. Bobulles konzentriert sich auf traditionelle Sorten wie Welschriesling und Grünen Veltliner, aber auch auf die edlen Sorten Chardonnay und Pinot Noir, aus denen Blanc de Blancs und Blanc de Noirs hergestellt werden.
In Šenkvice befindet sich auch eines der bekanntesten und ältesten Weingüter der Slowakei, Karpatská perla, das 1991 von dem Ehepaar Margita und Ladislav Šebovci gegründet wurde. Seit 2019 bewirtschaften sie den Betrieb biologisch und unterstreichen damit ihren Respekt vor der Natur und dem Terroir der Kleinen Karpaten.
Die Toskana der Slowakei
Ein weiteres bedeutendes Zentrum der Kleinen Karpaten ist Trnava, das aufgrund seines Erzbischofssitzes und seiner zahlreichen Kirchen auch als »slowakisches Rom« bezeichnet wird. Die historische Stadt verdankt ihren Aufstieg neben ihrer strategisch günstigen Lage an einer Kreuzung wichtiger Handelswege vor allem dem Wein, der einer der wichtigsten Pfeiler ihres Reichtums war. Dank ihm erhielt Trnava als erste Stadt im Gebiet der heutigen Slowakei den Titel einer freien Königsstadt, und zwar zu einer Zeit, als es zu den größten und bedeutendsten Zentren des mittelalterlichen Europas gehörte.
Unweit von Trnava liegt das Dorf Suchá nad Parnou mit einer reichen, 800-jährigen Weinbaugeschichte. Aufgrund seiner malerischen Landschaft wird es auch als slowakische Toskana bezeichnet. Hier befindet sich das Weingut Terra Parna, das vor 15 Jahren mit seiner Architektur in der Slowakei neue Maßstäbe gesetzt hat und vom Verband slowakischer Architekten ausgezeichnet wurde. In Terra Parna werden frische Weißweine wie Sauvignon und Riesling produziert, aber das Weingut ist vor allem für seinen Blauen Portugieser bekannt, eine Rebsorte, die in dieser Region tief verwurzelt ist.
Weltberühmter Honiglikör
Unterhalb der Kleinen Karpaten werden jedoch nicht nur ausgezeichnete Weine hergestellt, sondern auch Honig und Honiglikör von Weltklasse. Zwei der renommiertesten Produzenten der Welt, Apimed in Dolná Krupá und Včelco in Smolenice, gehören den Brüdern Peter und Pavol Kudláčovci. Ihre Produkte sind regelmäßig bei renommierten internationalen Wettbewerben erfolgreich.
Beide Honigweinkellereien bieten auch interessante Erlebnisrouten und die Nähe zu anderen Sehenswürdigkeiten – dem märchenhaften Schloss Smolenice und dem Herrenhaus in Dolná Krupá. Letzteres stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts und wurde durch den Aufenthalt von Ludwig van Beethoven berühmt, der hier angeblich seine berühmte »Mondscheinsonate« komponierte. Das Herrenhaus ist von einem weitläufigen englischen Park umgeben, der einst einen der größten Rosengärten Europas beherbergte (wird derzeit restauriert).
Schloss Voderady
Für eine weitere Übernachtung mit hervorragendem Essen bietet sich in der Nähe von Trnava das »Goya Vitality Hotel« im neu renovierten Schloss Voderady an. Die ehemalige Sommerresidenz der Familie Zichy wurde nach einer achtjährigen Renovierung im April 2024 eröffnet.
Es handelt sich um einen einzigartigen Ort, umgeben vom ältesten romantisch-sentimentalen Park der Slowakei, den die Eigentümer mit modernen Dienstleistungen, Ayurveda und Gastronomie verbinden wollten. Ihre Bemühungen wurden belohnt – sie erhielten den Fénix-Preis für das schönste restaurierte Denkmal.
Ein großer Anziehungspunkt ist auch das Restaurant »Klára«, das vom bekannten Küchenchef Peter Bracho geführt wird. Er stellt ein Menü zusammen, das saisonale Produkte, lokale Zutaten und moderne Trends berücksichtigt und für seine kulinarische Kunst in der letzten Falstaff-Bewertung 90 Punkte und drei Gabeln erhielt.