Friedrichsruh im Sachsenwald nahe Hamburg ist ein bemerkenswerter Ort. Hier ließ Otto von Bismarck das Forsthaus Friedrichsruh errichten, in dem heute überraschend kreativ und anders gekocht wird. Alle Gerichte sind zum Teilen gedacht: Ideal sind zwei bis drei pro Person, gefolgt von einem Dessert. Die Menüauswahl gliedert sich in »Land«, »Wasser« und »Im Beet«, wobei Küchenchef Lars Gärtner auf eine regionale, produktfokussierte Küche setzt – mit wenigen Ausnahmen. Wild liefert Jäger Uwe Paulsen, Eier kommen vom Hornbrooker Hof, Obst und Gemüse aus den Vier- und Marschlanden, Milchprodukte vom Milchhof Reitbrook und frischer Fisch vom Lütjensee. Das Besondere an Gärtners Küche ist sein gekonntes Spiel mit Aromen,Texturen und Temperaturen. Ein Highlight ist die konfierte Maispoularde, glasiert mit einer pikanten Chili-Aprikosen-Marmelade, ergänzt durch eingelegte rote Zwiebeln, einen intensiven Kräuterschaum und marinierte Gurken – ein erfrischendes und harmonisches Geschmackserlebnis. Ein echtes Wohlfühlgericht ist die in Milch gekochte Salzkartoffel mit geräucherter Frischkäsecreme und Lauchzwiebelsalat. Beim Nachtisch hingegen fehlt der Küche Experimentierfreude: In Zuckersud eingelegte gemischte Beeren mit frischen Beeren, aufgeschlagener Sahne und karamellisierter weißer Schokolade sowie Johannisbeerholz-Öl sind geschmacklich monoton. Die überschaubare Weinkarte konzentriert sich auf Deutschland, die alkoholfreie Begleitung ist durchdacht.
Hervorzuheben ist Restaurantleiterin Sigrid Schilling, die mit ihrer außergewöhnlichen Herzlichkeit beeindruckt.