Mit »Wiener Küche« werben Hunderte Gaststätten. Was es ausmacht, wenn selbige mustergültig gekocht wird, lässt sich nun im Restaurant »Joseph II.« im Kontrollorstöckl des Schlosses Schönbrunn nachvollziehen, einst Sitz des Hofbeschaffungsamtes. 2021 wurde daraus ein Heuriger mit einst von Wiener Winzern bestens bestückten Weinregalen, später ein Touristenlokal. Und jetzt kocht dort Andreas »Andi« Wojta, bekannt als gut gelaunter Showkoch des ORF-Dauerbrenners »Andi & Alex«. Mit Ernst und Hingabe bewirtschaftete er bis Anfang 2025 das von seiner Mutter gegründete »Minoritenstüberl«, die öffentliche Kantine des Bildungsministeriums und unter Gourmets stets als Geheimtipp gehandelt. Dann ein paar Runden bei den »Dancing Stars«, bevor er nun in ein schmuckeres öffentliches Gebäude wechselte. Den Schmäh erbte Wojta von Mama, die Kochkunst saugte er bei den ganz großen Reinhard Gerer († 2023) und Eckart Witzigmann auf. Man kann hier auch Lachs oder Mozzarella essen. Viel eher sollte man sich dem heimischen Fach widmen. Grammelknöderl – dem Diminutiv begegnet man hier des Öfteren – mit feinem Teig, drinnen kracht’s richtig schön, drunter sämiges Kraut. Wunderbar. Beim »Rieslingsbeuscherl« traut sich mal jemand, einen dem Aufwand angemessenen Preis (24 Euro) zu kalkulieren – perfekt abgeschmeckt natürlich. Nur die Serviettenknödel müssen irgendwo vor sich hin getrocknet sein. Noch auf der To-do-Liste: Rindsroulade und Marillenbuchteln. Nicht verwundern darf, dass man hier von Touristen umzingelt speist, eher schon, dass es zu dieser Küche trotz großer Weinschränke ganze fünf mäßig aufregende Weine gibt, davon nur zwei aus Wien.