Barkultur: Ein Quantum Martini
James Bond machte den »Martini« legendär. Seitdem ist der wandelbare Cocktail schon in viele Rollen geschlüpft.
Hollywood ist schuld, dass der »Martini« nach Europa kam. Die Amerikaner hatten in feineren Kreisen schon immer eine ausgeprägte Aperitif-Kultur, und so wurden die »Martini«-Schalen auch in ihren Filmen geschwenkt (damals gab es die heute so beliebten Dreieck-Querschnitt-Gläser noch nicht). Allerdings hat der Siegeszug dann noch etwas auf sich warten lassen, denn Gin ist für deutschsprachige Zungen »heavy stuff«, und überhaupt war die Semantik ein Hund: Mit »Martini« wurde die italienische Wermut-Marke gleichgesetzt. Dabei geht die Bezeichnung wahrscheinlich auf einen kalifornischen Barkeeper namens Martínez zurück. In Folge gewann der Drink durch James Bond eine gewisse Präsenz, wobei dessen »Vesper« auch kein echter »Martini« ist – und so begann die umfassende Transformation des Klassikers. Heute ist ein »Martini« rein formal definiert: als Shortdrink mit durchschnittlich drei Zutaten im berühmten Glas. Es hat eine Bedeutungsverallgemeinerung stattgefunden, wie bei der Wurst, die nur noch eine Form angibt – was drinnen ist, kann auch vegan sein.
Cocktailrezept: Tendril Martini
Aus Falstaff Nr. 01/2017