Emilia Montz: Vom Spitzentanz zur Sterneküche
Emilia Montz tauschte Spitzenschuhe gegen Kochjacke und zählt heute zu den vielversprechendsten Kochtalenten ihrer Generation. Mit nur 24 Jahren kochte sie sich ins Finale der diesjährigen »S.Pellegrino Young Chef Academy Awards« in Mailand und überzeugt mit einem Stil, der Technik, Präzision und Ästhetik vereint.
Schon früh lernte Emilia Montz, mehrere Welten zugleich zu meistern. Während ihre Altersgenossen spielten, durchlebte sie die harte Disziplin des russischen Balletts. Die Ausbildung forderte Hingabe und Durchhaltevermögen. Doch neben der Liebe zum Tanz entwickelte sich schon bald eine zweite, ebenso große Leidenschaft: das Kochen. Mit Blick auf ihre akademisch geprägte Familie begann sie schließlich ein Studium der Ernährungswissenschaften – denn ihre Leidenschaft fürs Kochen ließ sie nicht los.
Als die Corona-Pandemie das Uni-Leben ins Digitale verlagerte, nutzte sie die Gelegenheit, beide Welten parallel zu verfolgen: Tagsüber stand sie in der Küche, nachts lernte sie für die Uni. »Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe – aufgeben kam für mich nie infrage«, so Montz. Diese Erfahrung prägt sie bis heute. Und spiegelt sich in ihrer Küche wider, wo sie mit kreativer Leidenschaft und klarer Handschrift überzeugt.
Studium trifft Sterneküche
Wichtiges Basiswissen brachte ihr das Bachelorstudium bei, doch es war die Kochausbildung, die sie beruflich zur Küche führte. Bereits beim ersten Praktikum im »Troyka« in Erkelenz, dem Restaurant, in dem sie später ihre Lehre absolvierte, war sie vom Kochen fasziniert. Die Disziplin aus dem Ballett hilft ihr, den fordernden Küchenalltag zu meistern. »Beides verlangt absolute Hingabe«, sagt sie. »Und beides ist sinnlich, ästhetisch und körperlich.« Kolleg:innen sagen ihr regelmäßig, sie »koche wie eine Tänzerin«.
Bei uns war das gemeinsame Essen ein Ritual – wir saßen oft stundenlang zusammen und haben geredet.
Die Liebe zum Kochen wurzelt tief in Montz’ Familie. Ihre Mutter, berufstätig mit drei Kindern, brachte täglich warmes Essen auf den Tisch. Auch wurde regelmäßig gemeinsam gekocht, sodass sich Montz ausprobieren konnte. »Bei uns war das gemeinsame Essen ein Ritual – wir saßen oft stundenlang zusammen und haben geredet.«
Die Gerichte waren bodenständig: Spaghetti Bolognese, Kartoffelpüree, Fischstäbchen und Rouladen. Noch heute schätzt Montz die Schlichtheit guter Zutaten und den sozialen Wert von Mahlzeiten als Momente des Zusammenkommens.
Russische Prägung
Eine besondere Rolle spielt die russische Kultur. Das »Troyka« steht für moderne russische Küche. Die Aromen, Techniken und Esskultur waren neu – und doch vertraut. Denn auch im Ballett hatte Montz mit der russischen Schule zu tun. »Ich erkenne eine klare Linie: Disziplin, Klarheit, Ästhetik.« Im »Troyka« fand sie zudem zwei wichtige Mentoren: die Küchenchefs Alexander Wulf und Marcel Kokot, die an sie glaubten und sie förderten. Ebenso wertvoll ist die mentale Unterstützung ihrer Mentorin Rosina Ostler, die sie beim »S. Pellegrino Young Chef Academy«-Wettbewerb begleitet. »Das ist meine Bühne, um zu zeigen, wer ich bin«, sagt Montz. Dass sie von Partnern wie San Pellegrino unterstützt wird, empfindet sie als großes Geschenk.
Feinsinn und Haltung
Privat ernährt sich Montz überwiegend vegetarisch, gönnt sich aber bewusst auch Fisch, idealerweise nachhaltig oder in guten Restaurants. Sie beobachtet eine kulinarische Entwicklung, bei der Gemüse mehr und mehr zum Hauptakteur auf dem Teller wird, und begrüßt das sehr. Ersatzprodukte lehnt sie ab: »Lieber zweimal im Jahr ein richtig gutes Schnitzel als ständig vegane Imitate«.
Mit ihren 24 Jahren hat sie klare Ziele: Weiterlernen, reisen, inspirierende Erfahrungen sammeln, in Restaurants, die sie begeistern. »Irgendwann möchte ich mein eigenes Projekt starten oder als Küchenchefin Verantwortung übernehmen«. Vielleicht wird sie bald auf den großen Küchenbühnen der Welt brillieren.