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Falstaff-Talk mit Max Richter und Julie Cavil: «Nichts ist komplexer als Dinge mühelos erscheinen zu lassen»

Interview
Champagner
Musik

Mit «Every Note Counts» haben das Champagnerhaus Krug und Komponist Max Richter etwas Einzigartiges geschaffen: Kellermeisterin Julie Cavil schuf drei charakteristische Champagner des Jahrgangs 2008 – Max Richter verwandelte diese in drei Musikstücke. Falstaff traf die beiden anlässlich der hochkarätig besetzten Weltpremiere im Londoner Roundhouse.

Falstaff: «Every Note Counts» versteht sich als Dialog zwischen zwei Formen der Komposition. Was war die grösste Herausforderung darin, die kreative Sprache des anderen zu verstehen?

Max Richter: Bei kreativen Disziplinen geht es darum, mit Materialien auf etwas Bestimmtes hinzuarbeiten – in meinem Fall sind das Klänge, Musiker, Zeit und Raum. Und genau das ist es, was Julie auch tut. Es gibt da sehr klare Verbindungen und Parallelen zwischen meiner Praxis und der des Champagner-Machens. Eine Assemblage aus Materialien, Zeit, Raum und Intentionen – getragen von einer ausserordentlichen Leidenschaft. Das zu erleben war wirklich bewegend.

Julie Cavil: Als ich in Max' Studio stand und all diese Knöpfe und Regler sah, wurde mir klar: Wir suchen eigentlich dasselbe. Die richtige Balance, den Moment, wenn man das Gefühl hat, dass man nichts mehr hinzufügen und nichts mehr wegnehmen kann. Die Sprache ist eine andere, das Prinzip dasselbe.

Herr Richter, wie kam es zu Ihrer Beteiligung an diesem Projekt?

Ich war sehr glücklich, gefragt zu werden. Ich war fasziniert von der Idee, mehr über die Champagnerherstellung zu erfahren und herauszufinden, welche Parallelen es zwischen meiner Arbeit und der von Krug gibt. Es war eine Art Entdeckungsreise, mit allerlei interessanten Überraschungen.

Frau Cavil, warum war für Sie von Anfang an klar, dass 2008 der richtige Jahrgang für dieses Projekt ist?

Es ist selten, dass alles so zusammenpasst. 2008 war ein Jahr, in dem wir gleichzeitig alle drei Ausdrucksformen von Krug hatten — vom Solisten über das Ensemble bis hin zum Orchester. Was unser Haus auszeichnet, ist die Fähigkeit, mit der Krug Grande Cuvée jedes Jahr den Champagner in seiner komplettesten Form zu schaffen. Aber dass ein Jahrgang gleichzeitig als Solist eine Geschichte erzählen und als Ensemble eine eigene Dramaturgie entwickeln kann — das ist selten. Wir nennen 2008 «Classic Beauty».

Max Richter
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Max Richter

Herr Richter, wie sind Sie an das Projekt herangegangen, was war Ihr Ausgangspunkt?

Ich habe mich auf die wenigen Dinge konzentriert, die ich wirklich kannte – mein Erlebnis im Weinberg. Wie weht der Wind? Wie fällt das Licht? Was macht das mit mir? Diese ganz grundlegenden Dinge, zumal ich kein Champagner-Experte bin. Einfach als Mensch reagieren, in einem bestimmten Moment an einem bestimmten Ort. Und dann Dinge machen und 90 Prozent davon wieder wegwerfen.

War es eine Art Übersetzung?

Richter: In gewisser Weise war es das, aber ich sehe es eher als Paralleltext. Etwas, das nebeneinander läuft und einen Dialog aufbaut. Es gab Gemeinsamkeiten — etwa die Dimension der Besetzung, vom Solisten bis zum vollen Orchester. Andere Verbindungen waren eher metaphorischer Natur. Was ist ein Solist? Eine einzelne Stimme – was ist deren emotionale Dimension, wie verhält sie sich zu Kultur, Gesellschaft, zum menschlichen Leben als Ganzes?

Krug x Max Richter – Every Note Counts
Für «Every Note Counts» verbinden Kellermeisterin Julie Cavil und der Komponist Max Richter drei Krug-Champagner des Ausnahmejahrgangs 2008 mit drei eigens komponierten Musikstücken: Krug Clos d'Ambonnay 2008 wurde zum Solostück «Clarity», Krug 2008 zum Kammermusikstück «Ensemble» und Krug Grande Cuvée 164ème Édition zur «Sinfonia» für volles Orchester.  
Seine Weltpremiere feierte das Projekt am 10. Februar 2026 im Roundhouse London – vor Gästen wie Pierce Brosnan, Lily James, Daisy Edgar-Jones und Kristin Scott Thomas, begleitet von einem Orchester und einem Dinner von Krug-Ambassadeur Adam Handling. Das limitierte Case «Krug from Soloist to Orchestra in 2008 (Act 2)» ist bei Moët Hennessy Private Sales erhältlich. Preis auf Anfrage.

Was hat sich durch das Projekt in Ihrer jeweiligen Wahrnehmung des Handwerks des anderen verändert?

Cavil: Wir verkosten jeden Morgen um elf Uhr blind. Dabei diskutieren wir nicht, ob etwas mehr nach Erdbeere oder Himbeere schmeckt, sondern denken eher wie Architekten, fragen uns, wie diese Assemblage zusammengesetzt ist. Wir versuchen, die Eigenheiten zu finden. Jeder Wein hat eine Form, eine Farbe, einen Geruch, einen Geschmack – und jetzt auch einen Klang. Das Ganze hat mich dazu gebracht, noch tiefer über die Eigenheiten jedes einzelnen Weins nachzudenken.

Richter: Ich hatte wohl angenommen, dass ein enormes Mass an Handwerk dahintersteckt – aber im Detail kannte ich es nicht. Die Zeit dort zu verbringen und mit Julie und dem Team zusammen zu sein, gibt einem wirklich das Gefühl: Das ist eine Kulturpraxis, sehr tief verwurzelt in einem Ort. Diese Verbindung zwischen Ort, Menschen und Handwerk – und diese Leidenschaft, wirklich alles zu tun, was getan werden kann – das schätze ich sehr.

Sie teilen beide einen kreativen Prozess, bei dem man das Werk irgendwann loslassen muss. Woran erkennen Sie persönlich, dass ein Stück – oder ein Wein – fertig ist?

Richter: Man weiss es einfach, glaube ich. Es ist eine seltsame Sache. Irgendwann gelangt man an einen Punkt, wo das Material anfängt, ein Eigenleben zu entwickeln, eine Art eigene Kraft oder Schwerkraft. Und ich glaube, das ist der Moment, in dem es real wird. Dann bin ich fertig.

Cavil: Beim Wein ist es ähnlich. Man weiss es. Intuition. Irgendwann kann man nichts mehr hinzufügen und nichts mehr wegnehmen. Man spürt diesen Moment, wenn man ihn erreicht hat

Was kommt für Sie beide als nächstes?

Richter: Ein Cellokonzert – der andere Teil meines Gehirns arbeitet gerade daran.

Cavil: Wir beginnen morgen mit den Frühjahrsverkostungen – die zweite Runde der Weine des Jahrgangs 2025. Bis Ende März werde ich entscheiden, wie wir sie assemblieren.

krug.com

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Dominik Vombach
Dominik Vombach
Chefredaktion Schweiz
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