Im Labor mit dem neuen BMW i3: Immer der Nase nach
Falstaff-Chefredakteurin Romana Echensperger durfte in der Münchner Zentrale den neuen BMW i3 begutachten – und einen seltenen Blick ins Geruchslabor werfen. Ein faszinierender Ort, an dem deutlich wird, wie ernst BMW einen Sinn nimmt, der meist im Verborgenen wirkt: den Geruch.
Es ist der Moment, bevor der Motor startet. Die Tür fällt ins Schloss, Blick und Hände wandern über Linien, Materialien und Oberflächen – doch längst hat ein anderer Sinn übernommen: die Nase. Was wir riechen, entscheidet schneller als jeder andere Eindruck, ob wir uns wohlfühlen. Ob wir bleiben. Ob wir vertrauen.
»Geruch ist Gefühl. Der direkte Draht zu unseren Emotionen und Erinnerungen. Er kommt ungefiltert im Gehirn an und kann wunderbare – aber auch weniger angenehme – Emotionen auslösen«, sagt Alexander Bilgeri, Vice President Corporate Communications der BMW Group.
Der erste Eindruck ist olfaktorisch
Ein Fahrzeuginnenraum ist kein neutraler Raum. Er folgt Erwartungen. Wie die Bäckerei nach Brot, der Holzraum nach Holz – so muss auch ein Auto »richtig« riechen. Nicht chemisch, nicht aufdringlich, sondern ruhig, klar, stimmig.
Und genau hier beginnt bei BMW die Arbeit. Denn der Geruch ist kein Zufall, sondern Ergebnis von Materialwahl, Prozessen und damit ein fester Bestandteil der Entwicklungsarbeit.
Geruch statt Duft
Bei BMW spricht man sehr bewusst von Geruch, nicht von Duft. Duft ist künstlich aufgesetzt und inszeniert. Geruch entsteht aus dem Material selbst: aus Leder, Textil, Holz, Kunststoffen.
Das Ziel ist kein Parfum, sondern Authentizität. Ein Innenraum, der »echt« riecht – und dabei so neutral wie möglich bleibt.
Geruch ist damit Teil eines größeren Ganzen. Design, Haptik, Oberflächen – alles greift ineinander und gehört zum Markenerleben bei BMW.
Technik und menschliche Wahrnehmung
Beim Event gab es spannende Einblicke in das Geruchslabor der BMW Group in München – und in die Präzision, mit der hier gearbeitet wird. Mithilfe von Hightech wie Gaschromatographen wird analysiert, welche Stoffe Materialien tatsächlich Geruch abgeben. Bauteile und komplette Innenräume werden geprüft, gezielt erhitzt und unter realen Bedingungen simuliert – etwa, wie sich der Geruch entwickelt, wenn ein Fahrzeug im Sommer in der Sonne steht.
Geruch entscheidet, ob wir uns in einem Raum zuhause fühlen. Oder eben nicht.
Die Messgeräte sind entscheidend für Stoffe, die unsere Nase nicht erfassen kann – etwa bestimmte chemische Verbindungen. Und doch gilt am Ende: Die finale Bewertung bleibt menschlich. Entwicklungsingenieurinnen und -ingenieure riechen und prüfen selbst wie der Geruch auf sie wirkt – denn letztlich entscheidet die menschliche Nase, was angenehm wirkt oder eben nicht.
Feine Unterschiede
Geruch ist dynamisch. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftstrom verändern die Wahrnehmung. Ein Detail: Fahrzeuge aus Sommerproduktion riechen oft weniger intensiv – Wärme lässt flüchtige Stoffe schneller entweichen.
Auch Materialien prägen den Eindruck: Leder anders als Textil, Holz anders als Kunststoff. Und Erwartungen spielen mit – bleibt der erwartete Geruch aus, entsteht Irritation.
Zwischen Wissenschaft und Gefühl
Unser Geruchssinn ist direkt mit dem limbischen System verbunden – dem Zentrum für Emotionen. Ein einziger Eindruck genügt, und Erinnerungen sind da. Vielleicht liegt genau darin die Relevanz: Geruch entscheidet, ob wir uns in einem Raum zuhause fühlen. Oder eben nicht. Und deshalb wird er bei BMW das nicht dem Zufall überlassen.