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Joseph Helfrich im Interview: »Man muss den Mut haben, genau hinzuschauen«

Interview
Wein
Bordeaux

Joseph Helfrich gründete 1979 Les Grands Chais de France mit 5.000 Francs Startkapital. Heute ist das Unternehmen der größte weinerzeugende Betrieb in Privatbesitz in Frankreich. Warum er aber genau in Bordeaux investiert, verrät uns Joseph Helfrich im Falstaff-Talk.

Falstaff: Bordeaux hat mit Absatzproblemen zu kämpfen, Tausende Hektar wurden gerodet – was sehen Sie dort, was andere offenbar übersehen?

Joseph Helfrich: Man muss zunächst den Mut haben, genau hinzuschauen – und das zu erkennen, was viele in Bordeaux lange nicht wahrhaben wollten. Der internationale Markt hat sich deutlich gewandelt: Weg vom Rotwein, hin zu Weiß-, Rosé- und Schaumweinen. Mit einem Rotweinanteil von rund 90 Prozent steht Bordeaux dabei strukturell vor einem Problem. Hinzu kommt der wachsende Trend zu alkoholfreien Varianten. Wer in die richtigen Weinstile investiert, für den bietet Bordeaux viele Chancen.

Ihr Engagement gilt besonders dem Crémant de Bordeaux – was macht diese Schaumweine für Sie so attraktiv?

Ich bin überzeugt, dass Crémant eine große Chance für Bordeaux ist. Das liegt auch daran, dass in anderen Crémant-Regionen wie dem Burgund, der Loire oder dem Elsass die Kapazitäten nahezu ausgeschöpft sind – in Bordeaux hingegen gibt es noch Raum für Wachstum. Crémant war in Bordeaux lange ein Nischenprodukt, fast schon verpönt. Wir haben frühzeitig investiert und kontinuierlich an der Qualität gearbeitet. Heute können wir davon profitieren.

Ist Ihre Investition ein Plädoyer für den Wandel in Bordeaux – und wenn ja, worin liegt für Sie das zukünftige Potenzial der Region?

Bordeaux ist eine der schönsten und traditionsreichsten Weinregionen der Welt – doch auch solche Regionen müssen sich verändern, wenn sich der Markt grundlegend wandelt. Wenn wir wieder mehr junge Menschen erreichen wollen, braucht es neue Weinstile: mehr Frische und Frucht, weniger Holz und Gerbstoffe.

Bordeaux muss sich außerdem von überholten Regeln lösen. Chardonnay ist ein gutes Beispiel – im Anbau derzeit nicht erlaubt, obwohl er international stark gefragt ist und sich hervorragend für Schaumwein eignet. Der Gesetzgeber muss mitziehen, damit Bordeaux nicht in der Vergangenheit stecken bleibt. Es braucht den Mut, die Realität zu erkennen – und dann entschlossen zu handeln. Das ist der Weg in die Zukunft.


Erschienen in
Falstaff Magazin Deutschland Nr. 7/2025

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Romana Echensperger
Romana Echensperger
Wein-Chefredakteurin Deutschland
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