Kulinarik-Highlights am Hamburger Hafen
Am Hamburger Hafen gibt’s Fine Dining mit Industrie-Romantik und feinste Kulinarik auf die Hand.
Echte Hamburger gehen nicht auf den Fischmarkt. Trotzdem ist die Meile sonntags früh rappelvoll. Seit 1703 schreien sich Händler die Seele aus dem Leib für die Meeresbeute. Doch auch wenn die Fischbrötchendichte hoch ist: Es gibt Luft nach oben. Wer Lust auf knusprige »Rundstücke« (bitte mit hanseatisch gerolltem »Rrrrr«!) mit fangfrischem Belag hat, lässt die Touristen am Fischmarkt hinter sich und bummelt weiter an die Landungsbrücken, umschifft dort alle Imbisse und macht Halt an der »Brücke 10«, wo Gäste im Stehen oder im Sitzen mit Blick auf vorbeiziehende Barkassen eines der besten Fischbrötchen ihres Lebens essen können. Hier ist der Brathering perfekt süss-sauer mariniert und jeder Belag extra üppig.
Herzhaft trifft fein
Das gute alte Fischbrötchen ist eine Herausforderung, die gerade junge Gastronomen beschäftigt. Sie trennt die Spreu vom Weizen in der Hansestadt. Im nahen »Underdocks« serviert man zwischen maritimen Graffiti kreative Varianten, etwa eine »Lobster Roll« mit in Butter geschwenktem Hummerfleisch und selbst gemachter Zitronenmayo. Mitgründer Burhan Schawich erklärt, worauf es ankommt: »Ganz wichtig ist ausreichend Sauce! Sie muss hausgemacht sein und darf nicht zu früh über das Brötchen gegeben werden, sonst versickert sie im Teig.«
Auch für den feineren Gaumen hat sich am Hafen eine Menge getan. Lange war die Große Elbstraße eine heruntergekommene Industriemeile mit Straßenstrich. Lang vorbei: Seit 20 Jahren haben sich hier viele Lokale angesiedelt, die für Fisch und Meeresfrüchte auf höchstem Niveau stehen – nur einen Katzensprung von den Fisch-Großhändlern entfernt. Die meisten Restaurants arbeiten mit XL-Fensterfronten – Containerschiffen und Kreuzfahrtriesen, hier liebevoll »Pötte« genannt, schippern vorbei, Schlepper kreuzen, Lotsen gehen an Bord. Wer hier geniesst, bekommt auch immer die volle Breitseite von Hamburgs »Tor zur Welt«-Ruf gratis serviert: »Blohm & Voss« und »Inas Nacht«, «Junge, komm bald wieder« und «Queen Mary II«. Da lässt sich die Hansestadt nicht lumpen.
Einer, der schon da war, bevor alle anderen kamen, ist Dirk Kowalke. Sein liebevoll »Hamburger Wohnzimmer« genanntes »Fischereihafen Restaurant« gibt es seit über 40 Jahren, es ist weltbekannt. Hier tischt Chefkoch Jens Klunker von Austern bis Steinbutt das »Who’s who« der Meeresküche auf (aber keine Angst, das herzhafte Räucheraalfilet auf Rührei wird nie von der Karte genommen!). Doch auch die »neuen« Nachbarn im Viertel haben einiges zu bieten. Im »Rive Fish & Faible« fühlt man sich optisch wie in einem eleganten Agenten-Movie der 1960er, doch der Held heißt hier nicht Bond, sondern Dietz – Felix Dietz. Seine Ware stammt zu 85 Prozent aus nachhaltigen Aquakulturen und wird vom Chef und seinem Team etwa zu gebackenem Schellfisch mit Senfgurke, Apfel und Petrossian-Kaviar verwandelt. Nur etwas weiter kann man im »Am Kai« andocken, das mit einer der grössten Elbblick-Terrassen und gerade im Sommer lauschigen Abenden lockt. Hier wird überwiegend asiatisch inspiriertes Seafood aufgetischt, doch Küchenchef Max Bleines lässt natürlich auch Fleischliebhaber und Vegetarier nicht verhungern.
Das Tor zur Welt
Für all jene, die nichts mehr begeistert als zart schmelzendes Sashimi und crunchy Maki, ist sicherlich Steffen Henssler die erste Adresse. Der TV-Koch residiert mit seinem »Henssler & Henssler« in einem Industriebau unweit vom Kreuzfahrtterminal. Henssler konzentriert sich auf seinen guten Ruf als deutscher Sushi-Papst und ist jeden Abend ausgebucht. Übrigens betreibt er nicht weit entfernt auch seine Kochschule »Hensslers Küche» – guter Schachzug. Ab auf die andere Hafenseite: In Thomas Imbuschs »100/200 Kitchen« bestimmen die Jahreszeiten das Thema der Überraschungsmenus. Im Sommer prägen »Salz & Wasser« die kulinarische Welt in dem ehemaligen Hafenspeicher, in dem die Küche nach allen Seiten offen ist – Zuschauen unbedingt erwünscht! Imbuschs Zwei-Sterne-Küche feiert die Raffinesse im Einfachen, kleine Produzenten, frische Zutaten und natürlich auch den Strom, an dem sein Restaurant angedockt ist: die Elbe.
Der unangefochtene Meister am Hafen ist aber natürlich Kevin Fehling, der mit »The Table« Hamburgs einziger Drei-Sterne-Koch ist. Sein Restaurant, das aus einem einzigen gewundenen Tresen besteht, an dem die Gäste wie im Theater Platz nehmen und auf die «Bühne» schauen, wo mit aller Finesse gekocht wird, liegt in der Hafencity, Hamburgs jüngstem Boom-Stadtteil. Auch ein Hafen-Liebhaber, Herr Fehling? »Ehrlich gesagt nur ein Zufall, aber im Nachhinein ein schöner, weil die Hafencity ein spannendes Fleckchen ist und sich kontinuierlich weiterentwickelt. Für uns war das Ziel eine Stadt mit einem Flughafen in Norddeutschland, denn es gibt Gäste, die reisen weltweit, nur um bei uns zu essen.« So heisst sein Tasting-Menu passend »Das Tor zur Welt«.
Adressen
Underdocks
Meeres-Snacks in origineller Location.
Bei den St.-Pauli-Landungsbrücken, Brücke 3
underdocks.de
Brücke 10
Fischbrötchen mit Liebe zum Detail.
Bei den St.-Pauli-Landungsbrücken 10
bruecke10.com
100/200 Kitchen
Kreatives mit zwei Sternen.
Brandshofer Deich 68
100200.kitchen
The Table
Drei-Sterne-Küche in stylisher Location.
Shanghaiallee 15
the-table-hamburg.de
Fischereihafen Restaurant
Die Mutter aller Seafood-Restaurants.
Große Elbstraße 143
fischereihafenrestaurant.de
Rive Fish & Faible (2 Gabeln)
Feine Küche und grandioser Hafenblick.
Van-der-Smissen-Straße 1
rive.de
Am Kai
Asiatisch inspiriert mit grosser Terrasse.
Große Elbstraße 145c
amkai.hamburg
Henssler & Henssler
Perfektes Sushi in modernem Ambiente.
Große Elbstraße 160
hensslerhenssler.de
Kochschule: hensslerskueche.de