Mit Moby Lines nach Sardinien: Kann eine Fährfahrt zum Gourmet-Erlebnis werden?
Arancini statt Automatenkaffee, Steakhouse statt Schiffskantine: Auf den neuen Fähren von Moby Lines wird die Überfahrt nach Sardinien zum kulinarischen Auftakt in den Urlaub – hausgemachte Pasta, regionale Spezialitäten und Dolce Vita mit Meerblick inklusive.
Mit dem Auto nach Sardinien – das klingt erst einmal nach dem Sommer-Roadtrip des Jahres. Doch zwischen Vorstellung und Wirklichkeit liegen Tunnel, Mautstationen und schließlich: eine Warteschlange im Morgengrauen am Hafen von Livorno. Die Euphorie? Kurz weg. Denn was folgt, sind rund neun Stunden Fährfahrt nach Olbia – ein Szenario, das mehr nach Thermoskanne und selbstbelegten Broten als nach Urlaubsfeeling klingt. Könnte man meinen. Doch wer an Bord der »Moby Fantasy« oder »Moby Legacy« geht, merkt schnell: Das Urlaubsgefühl kehrt schneller zurück, als gedacht.
Seit 2023 beziehungsweise 2024 pendeln die beiden Schwesterschiffe zwischen Livorno und der sardinischen Hafenstadt – laut Reederei sind sie nicht nur die größten Fähren der Welt, sondern auch die umweltfreundlichsten. Beide setzen auf modernste LNG-Technologie, also Flüssigerdgas, das als sauberste Alternative zu herkömmlichem Schiffskraftstoff gilt. Der Ausstoß von Schwefeloxiden und Feinstaub wird damit deutlich reduziert. Je rund 3.000 Passagiere finden auf den Fähren Platz – in einer von 440 Kabinen oder auf den weitläufigen Decks. Dazu kommen rund 3.850 Meter Stellfläche für Fahrzeuge aller Art – denn die Schiffe spielen auch eine zentrale Rolle im Warenverkehr zwischen Insel und Festland.
Dem Festland Konkurrenz machen
Der Transport ist damit gesichert – bleibt also die Frage: Was tun mit den neun Stunden Überfahrt? Wer sich vorher informiert, weiß: Die zwei neuen »Moby«-Schiffe können mehr als nur befördern – und durchaus das Gefühl einer Mini-Kreuzfahrt auslösen. Den Pool sucht man zwar vergeblich, an seiner Stelle wartet aber ein gastronomisches Angebot, das zumindest in der Fährschifffahrt seinesgleichen sucht. Es ist das Herzstück eines neuen Bordkonzepts – ein »Fast-Casual«-Ansatz, der Vielfalt, Frische und Geschmack vereinen soll.
»Natürlich geht es primär um die Überfahrt, aber wir merken, dass viele Gäste ihre Reise bewusst so planen, dass sie mit einem der neuen Schiffe fahren«, erklärt Adalberto Balletta, Chef der Cateringabteilung für Moby Lines. Besonders stolz sei man auf das Steakhouse, dass besser sei als so manches auf dem Festland.
Es ist Teil einer Vision, die vom Reder höchstpersönlich stammt. 2018 hatte Vincenzo Onorato die Idee, das Catering an Bord neu zu denken – weg vom klassischen Buffet, bei dem das Essen stundenlang wartet, bis der Hunger groß genug ist und das Festland noch zu weit entfernt.
Das Beste aus der Region
In Zusammenarbeit mit der Ligabue-Gruppe, einem externen Caterer, entstand die schiffseigene Marke »Gusti Giusti« – auf Deutsch: »die besten Aromen«. Und das ist nicht übertrieben.
Die Idee dahinter: ein innovatives Food-Court-Format mit sieben Verpflegungsstationen, 15 Bereichen und über 50 Laufmetern kulinarischem Angebot – von der Pinseria über das Pastalabor bis hin zur Cocktailbar. Der Service läuft durchgehend, vom Frühstück bis zum Mitternachtssnack.
Im Steakhouse kommen Limousin-Rinder aus Deutschland und der Toskana auf den Grill, dazu gibt’s hausgemachte Pasta aus der bordeigenen Manufaktur. Das Credo: Schon auf der Überfahrt soll das Beste aus der Region auf den Teller. Dafür arbeitet die Reederei mit ausgewählten sardischen und toskanischen Produzenten: Mortadella aus Bologna, Pecorino allo Zafferano aus Sardinien, Fleisch- und Wurstspezialitäten von der Salumeria di Monte San Savino in der Toskana, Mozzarella di Bufala Campana DOP von der Fattorie Garofalo in Kampanien. Selbst das Olivenöl – ein DOP-Produkt – wird eigens für die Reederei von Italiens führendem Pasta-Hersteller De Cecco produziert.
Typisch italienisch
Über 200 regionale Produkte kommen an Bord zum Einsatz – im Restaurant, im Food Court oder an Deck, wo man zusehen kann, wie frisch gekocht wird. Neben sieben wechselnden Pastagerichten stehen acht Hauptspeisen zur Auswahl – darunter Klassiker wie Arancini, Caprese mit Büffelmozzarella, Schinkenvariationen oder Tiramisu, das spektakulär aus einer Mokka-Maschine serviert wird.
Wer nur einen Snack sucht, wird beim bordeigenen Pâtissier fündig, der sich die Backstube mit der hauseigenen Bäckerei teilt. Typisch italienisch darf die Pinseria genauso wenig fehlen wie die Piadeneria. Piadine, eine Spezialität aus der Region Emilia-Romagna, mag für unsere Augen erstmal wie ein Wrap aussehen, nach einem Bissen schließen wir uns bei dem Vergleich aber dem Kopfschütteln der Italiener an.
Ein Glas Aperol – der in Italien ohnehin am besten schmeckt – oder ein kühles italienisches Bier dazu, und den Blick auf die Weiten des Mittelmeers gerichtet, merkt man irgendwann, dass dies vielleicht nicht das große Abenteuer ist. Aber ganz sicher der bessere – und vor allem genussvollere – Start in den Urlaub.