Nach 153 Jahren und vier Generationen: Das passiert mit dem Schelling-Salon in München
In einem Münchner Traditions-Café geht eine Ära zu Ende. Nach mehr als anderthalb Jahrhunderten in Familienhand zieht sich die bisherige Betreiberin zurück. Wie geht es weiter?
»Strammer Max mit Spiegelei«, »Bauernschmaus«, »Brathering mit Zwiebelringen« – ein Blick auf die Speisekarte und man weiß: Hier ist's bodenständig und schmeckt's deftig. Der Schelling-Salon in der Maxvorstadt gehört zu den ältesten Cafés Münchens. Das Erfolgsrezept? Bloß nichts ändern – und das mag etwas heißen. Seit der Gründung im Jahr 1872 wurde es über vier Generationen hinweg geführt. Nun endet diese Ära: Evelin Mehr, die den Betrieb zuletzt leitete, gibt das Café ab – und zum ersten Mal bleibt es nicht in der Familie.
Der Schritt ist bewusst vorbereitet. Das Ziel sei es gewesen, rechtzeitig eine Lösung zu finden, um den Fortbestand des Lokals zu sichern. Während das Gebäude an der Ecke Schelling- und Barer Straße im Besitz der Familie Mehr bleibt, übernehmen zum 1. Januar 2026 Christoph Klingele sowie seine beiden Kinder Anna-Sophia und Leander den Schelling-Salon.
Traditionen wahren
Das kommende Trio ist nicht neu in der Gastro-Szene. Gemeinsam führen sie bereits das Café Puck in der Türkenstraße. Für den Schelling-Salon wurde ein Konzept gewählt, das weiterhin auf das setzt, für das das Kult-Café bekannt ist: Kontinuität. Umbauten sind nicht geplant, die Einrichtung soll unverändert bleiben. Dazu zählen auch die Billardtische sowie die Tischtennisplatten im Keller, die seit Jahrzehnten zum festen Bestandteil des Hauses gehören.
Auch das gastronomische Angebot mit Fokus auf die bayerische Küche bleibt weitgehend gleich. Anpassungen soll es nur in kleinen Punkten geben, etwa bei den Öffnungszeiten (sieben Tage die Woche) oder den Bezahlmöglichkeiten.
Die Übergabe erfolgte in Abstimmung mit der Brauerei Augustiner, die als Pächterin eingebunden ist. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren unter anderem die Erfahrung der neuen Betreiber sowie der familiäre Ansatz. Ziel sei es, den Betrieb behutsam weiterzuführen und zugleich für kommende Jahre abzusichern. Ganz verschwindet Evelin Mehr allerdings nicht, wie sie gegenüber der tz verrät: »Ich sage jetzt schon den Stammgästen: Ab 2026 bin ich als Gast hier und schaue, ob ihr euch gscheid aufführt.«
Info
SCHELLING-SALON
Schellingstraße 54
80799 München
T: +49 089 2720788