Restaurant der Woche: »Golvet«
Peter Maria Schnurr kocht jetzt im »Golvet« – mit Brokkoli, Popcorn-Langoustine und gewohntem Wagemut. Ein Neustart über den Dächern Berlins.
Aus der 27. Etage des Leipziger »Falco« ist, wenn man so will, die achte Etage des Berliner »Golvet« geworden: Seit Februar steht hier Peter Maria Schnurr am Herd. Vorausgegangen war die für viele urplötzliche Schließung des Leipziger Zwei-Sterne-Restaurants. Ein Abstieg ist das für den Spitzenkoch freilich nicht. Dafür sind seine Gerichte etwas nahbarer geworden: Etwa ein in Butter gebratener Kaisergranat mit Kürbispüree und Bisque. So geht hervorragende Klassik – wenn dieses Resümee für Schnurr, das Enfant terrible der deutschen Sterneküchenszene, nicht schon an Beleidigung grenzen würde.
Er kocht sogar mit Brokkoli, den er vor fünfzehn Jahren noch in jeder Form ablehnte. Das war es dann aber auch mit Altersmilde. Karottenbrot-Sticks servieren Schnurr und Team mit einem Algen-Jalapeño-Birnen-Joghurt-Dip. Schweinebauch mit Rauchaal? Kabeljau mit Rosenkohl und Himbeere? Sellerie-Eis mit Schokolade? Der Koch wird nicht müde, neue Kombinationen auszutesten.
Richtig stark auch das Nebraska-Beef mit Fünf-Kräuter-Eierstich und einer Glanznocke von der Aubergine. Dem urherzhaften Fleischgeschmack schleift Sommelier Andrea Agosta mit einem fruchtbetonten Syrah-Grenache-Cuvée die Kanten (2020, Domaine de Panisse, Le Mazet). Wer noch hochwertiger trinken möchte, dem steht die Premium-Weinbegleitung zur Wahl – darin ein 2018er Sauvignon Blanc vom Weingut Neumeister aus der Steiermark oder ein 2021er Gevrey-Chambertin von der Domaine Geantet-Pansiot.
Das passt auch gut zu der hohen Produktqualität, die auch zu schmecken ist, wenn Schnurr aus einer Langoustine Popcorn zaubert.
10785 Berlin
Deutschland