Die Zukunft der Schokolade: Ohne Kakao?
Kakao steckt seit Jahren in einer Krise. Falstaff hat mit Planet A Foods gesprochen, die eine Alternative zu Schokolade aus Kakao bieten.
Ist Schokolade ohne Kakao die Zukunft unserer süßen Sünde? Die Preise für Kakao explodieren, die Regale füllen sich langsamer, und der Schoko-Osterhase wird zunehmend zum Luxusprodukt (dieses Jahr kostete der beliebte Osterhase von Lindt 4 Euro). 2025 steht die Schokoladenwelt vor einer echten Zäsur: Die Kakao-Krise ist real!
Schokolade bald schon ein Luxusgut?
Ob Lindts »Goldhase« oder klassische Tafelschokolade – kaum ein Süßwarenprodukt bleibt von den massiven Preissteigerungen verschont. Der Kakaopreis hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. In Ghana und der Elfenbeinküste, wo rund 80 Prozent des weltweiten Kakaos angebaut werden, haben Klimakatastrophen wie Dürre, Überschwemmungen und Schädlingsbefall die Ernten dramatisch einbrechen lassen. 2024 erreichte Ghana das schlechteste Ernteergebnis seit zwei Jahrzehnten. Die Folge: Weniger Schokolade, kleinere Verpackungen, höhere Preise.
Schokolade ohne Kakao – kann das was?
Inmitten der Kakao-Krise und der steigenden Preise für Schokolade sind Unternehmen zunehmend auf der Suche nach Alternativen, die den klassischen Schokoladengenuss ohne den Einsatz von Kakao ermöglichen. Eine solche Alternative wird zum Beispiel durch den Herstellungsprozess von der Firma »Planet A Foods« mit ihrem Produkt »ChoViva« geboten. Angelehnt an die traditionelle Schokoladenproduktion, werden hier Sonnenblumenkerne ähnlich wie Kakaobohnen verarbeitet: Sie werden geröstet und über mehrere Stufen vermahlen, bis ein aromatisches Konzentrat entsteht, das dem Kakaopulver entspricht. Dieses Konzentrat wird anschließend je nach Rezeptur mit weiteren Zutaten wie Zucker und pflanzlichen Fetten kombiniert und sorgfältig conchiert – ein Prozess, der der Masse ihre schokoladentypische zartschmelzende Textur verleiht. Das Ergebnis ist eine Masse, die nicht nur wie Schokolade aussieht und schmeckt, sondern sich auch genauso verwenden lässt. Diese Methode wurde mehrfach patentiert, um die Herstellung von kakaofreier Schokolade weiter zu optimieren und als nachhaltige Alternative in der Schokoladenproduktion zu etablieren. Im Gespräch mit Falstaff erklären sie die Hintergründe.
Falstaff: Wie kam es zu der Idee eine Alternative zu Schokolade herzustellen?
Planet A Foods: Die Idee für ChoViva entstand als Reaktion auf den Klimawandel und die Bedrohung von Rohstoffen wie Kakao. Gegründet wurde unser Unternehmen 2021 von den Geschwistern Max und Sara Marquart in München. Die Inspiration kam durch ein Buch von Rob Dunn, Never Out of Season, das den beiden zeigte, wie stark Kakao durch den Klimawandel gefährdet ist. Am Anfang wurde mit den verschiedensten Zutaten getestet – von Olivenkernen bis Bananenmehl – bis wir dann schließlich bei Sonnenblumenkernen landeten. Seit September 2023 sind wir nun auf dem Markt und mittlerweile wird ChoViva in über 40 Produkten und in fünf Ländern – darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien – verwendet.
Gibt es auch verschiedene Rezepturen, also dunkle Schokolade, Vollmilchschokolade etc.?
Ja, wir bieten verschiedene Rezepturen an, die sich in Geschmack und Zusammensetzung unterscheiden. Wir haben mittlerweile eine dunkle, eine weiße, eine normale Milchvariante sowie eine vegane Rezeptur. Für die Vollmilchschokolade verwenden wir zum Beispiel Milchpulver, während die vegane Schokolade auf Sonnenblumenkernmehl basiert.
Was sind die Vorteile von ChoViva?
Durch die Verwendung von Sonnenblumenkernen statt Kakao vermeiden wir die Abholzung von Wäldern und sparen etwa 80 % der CO₂-Emissionen im Vergleich zu herkömmlicher Schokolade. Zudem hat ChoViva einen deutlich geringeren CO₂-Fußabdruck, mit nur 2,3 kg CO₂ pro Kilogramm, während Schokolade bis zu 15,2 kg CO₂ pro Kilogramm verursachen kann.
Genuss mit gutem Gewissen?
Neben der Klimakrise rückt auch die soziale Komponente des Kakaoanbaus immer öfter in den Fokus. Kinderarbeit, Pestizideinsatz, Entwaldung – all das gehört zur bitteren Realität hinter der süßen Versuchung. Kakaofreie Alternativen setzen auf regionale, fairere und ökologischere Zutaten, die oft unter besseren Bedingungen wachsen und verarbeitet werden.