Restaurant der Woche: »Gotthardt’s«
Neuer Ort, vertraute Spitzenklasse: Yannick Noack beweist im Fährhaus einmal mehr, dass seine Küche Präzision, Kreativität und Handwerkskunst perfekt vereint.
Zum Finale zeigt es Yannick Noack durch die Blumen: Er ist ein Meister. In einer hohen Vase überreicht er den Gästen einen kunstvoll arrangierten Strauß, der jedem Spitzenfloristen zur Ehre gereichen würde. Zwischen dem satten Grün thronen an zarten Stielen kleine Petits Fours wie essbare Blütenköpfe. Eine charmante Idee, die überrascht – und im Gedächtnis bleibt. Wie die meisten Gänge davor.
Der 31-jährige Ex-»Purs«-Küchenchef überzeugt im für ihn neu gestalteten Restaurant des luxuriösen Fährhaus mit einer markanten, eigenständigen Stilistik. Man spürt die Schule der Besten: Henkel, Wissler, Bau, Erfort und Eckart. Noack, der mit nur 29 Jahren als jüngster Koch Deutschlands mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde, kocht in der offenen Küche mit enormem handwerklichem Aufwand und ausgesuchter Produktqualität. Nichts ist effekthascherisch: Alles folgt einem präzisen Aromenkonzept.
Ein Signature-Gericht: Carabinero, kraftvoll und umamireich. Das Krustentier wölbt sich über einer knusprig-dünnen Scheibe vom ausgebackenen Kalbskopf mit grobem Dijon-Senf. Darunter: marinierter Chicorée, Carabinero-Tatar, handgerollter Couscous-Salat mit Feta und Paprika. Darüber: dieselben Zutaten in anderer Form – erneut Kalbskopf, Couscous, gehobelte Macadamianüsse für feinen Crunch. Ein Zitrusgel bringt Frische, Curry-Macadamia-Püree einen exotischen Akzent. Zwei Saucen runden das Gericht ab: ein kräftiger Kalbsfond mit Carabineroöl und ein mit Kefir aufmontierter Carabineroschaum. Moselblick, stilvolle Tischkultur und ein aufmerksamer Service tragen dazu bei, dass der Abend in bester Erinnerung bleibt.
56072 Koblenz
Deutschland