Restaurant-Tipp der Woche: »June«
Am Chiemsee bringt Rico Birndt lässige Eleganz und kreative Spitzenküche zusammen – und das in einem Ambiente, das zugleich modern und gemütlich wirkt.
Nachdem er überraschend einen Stern im Münchner »Mural Farmhouse« erkochte, hat sich Rico Birndt noch überraschender in diesem Frühjahr selbstständig gemacht und am Chiemsee das »June« eröffnet. Allein der Look des Restaurants ist einen Besuch wert: die sattgrünen Wände, die hohen Decken mit den hellen Holzgiebeln, die Lichterketten, die von der Terrasse rüberschimmern. Das ist gleichzeitig gemütlich und modern. Und wenn man dann sitzt und einen Blick in die Küche erhascht, dann sitzt er da, mit überschlagenen Beinen auf einem Regal: der Michelin-Mann. Ob der bald auch für den Stern sorgt?
Um ihn anzulocken, schickt Birndt einen Romana-Salatkopf mit Eiswasser ins Rennen, gepaart mit einem Taco aus einem übrig gebliebenen Salatblatt und Stachelbeeren. Der Taco steckt in einem leeren Eierkarton. Das kann man als etwas zu viel der Coolness empfinden, wenn man kostet, wird aber schnell klar: Hier hat jemand seinen ganz eigenen Stil. Das ist schon cool, klar, aber eben auch echt, frisch und elegant. Das setzt sich beim Saibling-Sashimi fort, das sich auf dem Teller mit Quitte und Fenchelkraut zusammentut und mit der hausgemachten Shoyu serviert wird. Der Gang ist zitronig, er ist erdig, vollmundig – und leider etwas zu klein geraten.
Zum Abschluss serviert man im »June« ein Sauerampfereis, das noch mal auf den Punkt bringt, worum es geht: Kreativität, nicht auf Teufel komm raus, sondern spielerisch. Ab dem Herbst wird Birndt das Restaurant aufteilen in einen Fine-Dining- und einen À-la-carte-Bereich. Und dann soll auch der Stern wiederkommen.