Restaurantguide 2026: Die Sonderauszeichnungen
Falstaff kürt in diesem Jahr erneut die bedeutendsten Projekte und Persönlichkeiten – mit dabei das Lebenswerk, der Koch des Jahres, die Gastgeberin des Jahres und die Eröffnung des Jahres.
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Lebenswerk
Fabio Giacobello, »Fabios«, Wien
In seinen jungen Jahren trieb sich Fabio Giacobello dort herum, wo etwas los war: Frankreich, England, Miami, Deutschland. Der Dank, dass wir ihn nun schon so lange in Wien haben, gebührt jenem Headhunter, der anno 1995 einen Restaurantleiter für die neue Filiale der »Cantinetta Antinori« suchte. Der Rest ist Gastronomiegeschichte. Schon die »Cantinetta« und danach das legendäre »Novelli« führte der gebürtige Mailänder mit derart viel Herzblut, als wären sie seine eigenen Restaurants. Bisweilen gab er sogar – sehr talentiert – den Küchenchef, als selbiger abrupt abdankte. 2002 war es dann so weit mit dem nun wirklich eigenen Lokal. Der logische und somit einzig mögliche Name: »Fabios«. Bald 24 Jahre danach ist das Restaurant an allerbester Adresse auf der Tuchlauben immer noch das, was man international gern als Place to be tituliert. Nur eines darf man das »Fabios« niemals nennen: einen »Nobelitaliener«. Dieses Wort brachte Fabio irgendwann derart auf die Palme, dass ein eigener Eintrag auf der Homepage aufklärt, was es hier nicht gibt: »Chichi, Schnickschnack und Schickimicki«. Dagegen gilt diese Eigendefinition für das »Fabios« ebenso wie für seinen außergewöhnlichen Patron: »Not noble. Just special«.
Gastgeberin des Jahres
Rosi Schipflinger, »Rosi’s Sonnbergstuben«, Kitzbühel
Ruhe ist für Rosi Schipflinger – beinahe – ein Fremdwort. Ruhe würde heißen: nichts tun, nicht singen, sich nicht um die Gäste zu kümmern, denen sie als Menschen begegnet und nicht als Umsatzbringer. Doch Umsatz ist natürlich auch Teil des Erfolgs. In ihren 1968 auf 1.200 Metern Seehöhe hoch über Kitzbühel eröffneten »Sonnbergstuben« werden an guten Tagen – und die gibt es hier oft – bis zu 1.000 Speisen aufgetischt. Ein gewaltiger Erfolg, zu dem Sohn Fridel als Küchenchef ganz viel beiträgt. Vor allem aber ist es Rosi Schipflingers Persönlichkeit, die ihre »Sonnbergstuben« – man kann es durchaus so sagen – weltberühmt gemacht hat. Wo sonst darf man zu Recht darauf hoffen, dass die Wirtin nicht nur begrüßt und serviert, sondern mit an fast Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch noch singt oder jodelt? Ihr Lied »Kitzbühel, mein Augenstern« ist seit der Uraufführung 1991 die inoffizielle Hymne der Region. Treue Gäste hat Rosi sehr viele. Zu den treuesten zählt etwa Arnold Schwarzenegger, der immer wieder einfach spontan vor der Tür steht. Und warum? Weil die Rosi schon als kleines Mädchen empfand, was sie heute noch den Leitspruch ihres Lebens nennt: »I mog die Leit.«
Koch des Jahres
Fabian Günzel, »Aend«, Wien
Schon einmal durfte Fabian Günzel eine Auszeichnung von Falstaff entgegennehmen – im Restaurantguide 2019 war sein »aend« die Eröffnung des Jahres. Acht Jahre ist es nun her, dass der noch in der DDR aufgewachsene Koch sein eigenes Restaurant aufsperrte – in einer Gegend von Wien, wo manche der Idee von Fine Dining unweit des Gumpendorfer Gürtels nur ein paar Monate gaben. In seiner Laufbahn durfte Günzel noch die zwei Legenden Eckart Witzigmann und Heinz Winkler erleben, im Wiener »Palais Coburg« werkte er als Souschef von Silvio Nickol. Erstmals Küchenchef war er im »Le Loft« im damaligen »Sofitel Vienna«. Und dann im März 2018 die Vision, in einem Ecklokal in Wien-Mariahilf ein entspanntes Lokal aufzusperren, dessen Name »aend« zugleich Konzept ist – nämlich Dinge zusammenzubringen, die zusammengehören. Die da sind: Gast & Gastgeber. Genuss & Qualität. Erfahrung & Neugierde. Unkonventionell & anspruchsvoll. Und man darf noch ergänzen: Lässigkeit & Geschmack. Wenn anderswo auf den Tellern unzählige Details für Ablenkung sorgen, herrscht Klarheit bei Fabian Günzels durchdachten Menüs. Wenige Zutaten. Bemerkenswerte Präzision. Viel Geschmack. Und – niemals Quatsch.
Sommelier des Jahres
Hans-Jörg Unterrainer, »Der Kirchenwirt seit 1326«, Leogang
Wer außergewöhnliche, gereifte oder auf andere Art höchst seltene Weine sucht, aber nirgendwo auftreiben kann, hat in Hans-Jörg Unterrainers Gewölben eine sehr gute Chance, sie zu finden. Gemeinsam mit seiner Schwester führt er einen der traditionsreichsten Gasthöfe der Nation – »seit 1326« können nur ganz wenige über ihr Portal schreiben und somit feiert der »Kirchenwirt« heuer 700-jähriges Bestehen. Der prächtige »Kirchenwirt« in Leogang ist eine Institution der Gastlichkeit. Hans-Jörg Unterrainers Passion sind die Keller unter dem historischen Haus und vor allem all jene Flaschen, die dort auf den Genuss warten. Was aber nicht alle wissen, denen der Chef-Sommelier beim Studium der gewaltigen Weinkarte beratend zur Seite steht: Über das Snowboardfahren kann man mit ihm ebenso kompetent plaudern wie über die besten Weine der Welt. Bis 2009 war er als Profi-Snowboarder auf den Pisten von Tirol über die USA bis Südkorea erfolgreich auf Medaillenjagd unterwegs. Und diese sind bisweilen ebenso schwer zu bekommen wie die größten Weinraritäten der Welt. Für seine geschätzten Gäste hält Hans-Jörg Unterrainer diese Weisheit bereit: »Hör auf dein Herz und sonst auf den Sommelier.«
Service des Jahres
Austrian Airlines Flight Experience
Kaum eine Fluglinie hat ihr Service-Team so konsequent mit einer Farbe verbunden. Das markante »AUA-Rot steht seit Jahrzehnten für Motivation, Gastfreundschaft und österreichische Herzlichkeit – am Boden wie in der Luft. Während andere Airlines ihr Serviceangebot reduzieren, wurde die rot-weiß-rote Premium-Airline zuletzt erneut ausgezeichnet. Seit 1999 erhebt »SKYTRAX« jährlich die Kundenzufriedenheit in den Lüften. Nach 2023 sicherte sich die »AUA«-Crew 2025 bereits zum zweiten Mal den Titel »Best Airline Service Staff in Europe« und platzierte sich zudem unter den Top 20 weltweit. Eine Anerkennung, die neben Sicherheit vor allem die gelebte Gastlichkeit in allen drei Reiseklassen würdigt – und zugleich als Ansporn zur Weiterentwicklung gilt. Ein Beispiel dafür ist das 2024 von der Österreich Wein Marketing (ÖWM) gemeinsam mit Austrian Airlines initiierte Ausbildungsprogramm, in dessen Rahmen bereits über 100 Crew-Mitglieder zu »Austrian Wine Experts« qualifiziert wurden. Denn abheben kann ein Flugzeug nur mit Kompetenz, Teamgeist und Verlässlichkeit – ergänzt um eine Extraportion Charme.
Internationaler Botschafter
Original Sacher-Torte, »Hotel Sacher«, Wien
Man kann das Phänomen von der Staatsoper aus beobachten. Keine andere Torte hat es je geschafft, dass man für sie Schlange steht – entweder für sofortigen Genuss im Sacher Café oder zum Mitnehmen in alle Welt. Die Geschichte der Original Sacher-Torte begann 1832 in Wien – mit einer Situation, in der Scheitern keine Option war. Am Hof des Fürsten Metternich gelang einem 16-jährigen Lehrling, der für den erkrankten Küchenchef einsprang, eine Kreation von außergewöhnlicher Tragweite: Franz Sachers schlichte und präzise Komposition aus Schokolade und Marillenmarmelade traf nicht nur den Geschmack hochrangiger Gäste, im Laufe der Jahrzehnte mutierte sie zum kulinarischen Symbol Wiens und Österreichs, schließlich gar zu einer internationalen Ikone. Im Rahmen der Sacher Artists’ Collection gestaltet jedes Jahr ein anderer renommierter Künstler die Verpackung der Torte. Bis Mai 2026 ist die Original Sacher-Torte sogar Ehrengast im Rahmen eines »Hotel Sacher«-Pop-up im Londoner Hotel »The Lanesborough«. Geblieben ist dabei der Kern der Geschichte: die Original Sacher-Torte mit viel Schokolade und ihren beiden Marmeladeschichten.
Eröffnung des Jahres
»Zimmerl«, Waidhofen an der Thaya
Bernhard Zimmerl hat es einfach getan und sich seinen Traum erfüllt – aber wie auch noch! In Waidhofen an der Thaya, hoch oben im Waldviertel, hat er einen Gourmettempel von ziemlich internationalem Format eröffnet. Direkt neben seinem großen – und bemerkenswert gut bekochten – Pub Foggy Mix hat der junge Mann mit dem »Zimmerl« ein richtig schönes, intimes und sehr weltläufiges Restaurant geschaffen. Dunkle Grüntöne, richtig edler Samt und zarte Vorhänge bestimmen die Szenerie. Das Essen – nicht weniger als 23 kleine Gänge – wird in einem Sitting, pünktlich ab 18 Uhr, aufgetragen. Kleine Preziosen aus edelsten Zutaten, ein Tartelette von der Königskrabbe etwa, zur Rose geformtes Sashimi vom Hamachi mit N25-Kaviar oder Tristan-Languste aus dem Südatlantik (!) in nussiger Yuzubutter. Es gibt Taube mit Wagyu und Périgord-Trüffel, Steinbutt mit XO-Sauce oder den französischen Stinkekäse Époisses mit Birneneis. Ja, »Zimmerl« ist mutig, mit voller Konzentration am Werk – und liefert einen memorablen Abend ab. Wir gratulieren!
Wiener Beisl des Jahres
»Herbeck Neue Gastwirtschaft«, Wien
Wer ins »Herbeck« mit der Bim kommt – warum das äußerst ratsam ist, dazu später – kann gar nicht falsch aussteigen. Herbeckstraße steht vorne am 40er. Und jede Garnitur macht um das Gasthaus eine Runde. Vor elf Jahren nahm sich ein kulinarisch versiertes Trio dieses heruntergekommenen Juwels an: die mittlerweile ausgeschiedene Barbara Bonka, der Weinfreak und Betreiber des legendären Buffets im Pötzleinsdorfer Schlosspark, Michael Kantor, und der einstige »Hink«-Geschäftsführer Wolfgang Nemeth als Wirt. Das »Herbeck« hat eine prächtige Schank, eine großzügige Gaststube mit hohen Fenstern und einen prächtigen Gastgarten. Für die mit Niveau gekochte Wiener Beisl-Küche sorgt Dominik Wagner mit Vergangenheit in der »Clementine im Glashaus« oder »Das Wolf«. Hier stehen bisweilen Herrlichkeiten wie Leberpofesensuppe oder Hirschrouladen auf der Karte. Das ausgelöste Backhendl kommt wie früher im Körberl. Und in Sachen Wein ist zu vermelden: Was Michael Kantor aus aller Welt so zusammenträgt, macht selbst Connaisseurs regelmäßig staunen. Nicht umsonst hieß dieses anno 1904 eröffnete Gasthaus einst »Zum guten Tröpferl«.
Landgasthaus des Jahres
»Bärenwirt«, Hermagor
So stellt man sich das vor: Der traditionsreiche »Bärenwirt« mit über hundertjähriger Geschichte liegt mitten am schönen Hauptplatz von Hermagor. Zu dem, was er heute ist, wurde er vor einem Jahrzehnt, als Manuel Ressi und seine Frau Claudia aus dem fernen Wien in ihre Heimat zurückkehrten. »Steirereck-Schüler« nennen sich viele. Manuel Ressi diente dort über ein Jahrzehnt – erst noch unter Helmut Österreicher, dann lange unter Heinz Reitbauer. Dank dieses enormen Erfahrungsschatzes dauerte es nicht lange, und der »Bärenwirt« mutierte unter Führung der Ressis vom guten Gasthaus zu einer der ersten Adressen Kärntens. Aber Achtung: Wirtshausklassiker wurden und werden hier nie links liegen gelassen. Für Herrlichkeiten wie Milzschnittensuppe, Gailtaler Ripperl oder Kasnudeln kehrt man hier ebenso gerne ein wie für das Menü »Bärenwanderung«, bei dem Ressi seine kreative Seite auslebt. Die Zutaten kommen aus der reichhaltigen Region, und Ressi ist einer der wenigen, die nicht in Ohnmacht fallen, wenn es um das Zerlegen ganzer Tiere geht. Nun gibt er selbst sein Wissen an die nächste Generation weiter – wie sich das in einem wirklich guten Landgasthaus eben so gehört.
Engagement für Nachhaltigkeit präsentiert von Stiegl-Gut Wildshut
»Collina am Berg«, Wien
Im Herzen des siebten Wiener Bezirks etablierte der leidenschaftliche Koch und Gastronom Tono Soravia mit dem »Collina am Berg« – gemeint ist die Lage am innerstädtischen Spittelberg – ein Restaurant mit philosophischem Ansatz. Soravia definiert seine Idee so: »Die Ursprünglichkeit heimischer Produkte mit dem weiten Blick über den Tellerrand.« Nach Stationen in Frankreich und Hongkong widmet er sich nun seiner Leidenschaft für Wild – direkt aus eigener Jagd. Küchenchef Oskar Kastowsky sorgt für eine der ungewöhnlichsten Speisekarten des Landes. Vom Reh gibt’s Backfleisch mit Waldorfsalat, vom Hirsch ein Tonnato mit Bonito del Norte. Fast alles vom Tier wird verwertet – siehe auch Wild-Ramen mit Udon-Nudeln. Für Porchetta ist das Lokal weithin bekannt. Die Fische stammen aus den klaren Gewässern der Alpen und Voralpen. Das Gemüse besorgt man, so weit wie geht, aus regionalem Anbau. Und vor allem – zu jedem Produkt vermag die Küche eine Geschichte zu erzählen, die gängigen Versorgungswege des Großhandels bleiben hier außen vor. Nicht alles ist somit immer vorrätig. Was aus ist, ist leider aus. Ein nachhaltiges Konzept wider den vermeintlichen Zwang, stets alles anbieten zu müssen.
Engagement für Bierkultur präsentiert von Stiegl
»Sternbräu«, Salzburg
Mitten in der Salzburger Altstadt liegt das »Sternbräu«, das erstmals 1542 erwähnt wurde. Der Stern im Namen steht bis heute als Zunftzeichen für die jahrhundertealte Brautradition. Schon früh war das Haus ein Treffpunkt der Stadtgesellschaft: Mozart zählte zu den Gästen, später erzählten die Wandgemälde Karl Reisenbichlers im Bürgersaal Salzburger Geschichte wie ein offenes Bilderbuch. Nach der Auslagerung der Brauerei und mehreren baulichen Wandlungen entwickelte sich das »Sternbräu« vom Großgasthof zum urbanen Gastronomiekosmos. Die umfassende Neugestaltung 2014 schuf elf individuelle Räume sowie vier Gastgärten – modern ausgestattet und dennoch spürbar in der Vergangenheit verwurzelt. Kulinarisch verbindet das »Sternbräu«-Team rund um Wirt Harald Kratzer und Küchenchef Michael Pratter österreichische Klassiker mit gelebter Regionalität: Fleisch aus Salzburg und Bayern, Brot in Bioqualität, Käse aus dem Umland, dazu heimische Weine und Spirituosen. Im Mittelpunkt steht das »SternBier«, seit 2025 exklusiv in Bioqualität von der Salzburger Privatbrauerei Stiegl gebraut. So bleibt das »Sternbräu«, was es immer war: ein Ort der Veränderung – und ein Fixstern der Salzburger Bierkultur.
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