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Alfons Schuhbeck bei den Thurn-und-Taxis-Schlossfestspielen 2022.

Alfons Schuhbeck bei den Thurn-und-Taxis-Schlossfestspielen 2022.
© Isa Foltin / Getty Images

Schuhbecks Lebenswerk ist unzerstörbar

Koch
München
Politik

Haftstrafe, Millionenpleite, Krebsdiagnose: Alfons Schuhbeck steht vor den Trümmern seines Lebens. Doch nicht alles, was er hinterlässt, lässt sich verurteilen. Ein Kommentar.

Da steht er, der große Alfons Schuhbeck. Recht unberührt schaut er den Kameraleuten und Fotografen entgegen. Manche Beobachter wollen in seinem Blick schon die Zeichen seiner Krebserkrankung sehen, andere sehen ihn als gebrochenen Mann. Ehrlicherweise kann man an diesem Tag vor dem Landgericht München I – wie an allen Prozesstagen – vor allem eines sehen: Alfons Schuhbeck duckt sich nicht weg.

2022 wurde er bereits wegen Steuerhinterziehung verurteilt, drei Jahre und zwei Monate. Jetzt ging es um unrechtmäßig beantragte Coronahilfen in Höhe von 460.000 Euro und um Insolvenzverschleppung – insgesamt soll er laut Staatsanwaltschaft sieben, laut Insolvenzverwalter 27 Millionen Euro Schulden haben. Über viele Jahre hat Schuhbeck finanzielle Löcher seiner vielen Unternehmen gestopft. War das Konto einer Firma gerade nicht gepfändet, zahlte es die offenen Rechnungen der anderen. Wie bei einem »Fang die Maus«-Spiel versuchte er, die große Krise, die längst gegenwärtig war, einzudämmen – vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Am Ende stand das Urteil, gesprochen von Richter Uwe Harbeder: Eingerechnet der Haftstrafe aus dem Jahr 2022 soll Schuhbeck vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Der Allgegenwärtige

Bei all dem bleibt vor allem eine große Frage hängen: Zerstören die Dinge, die durch die Prozesse zum Vorschein kamen, das Lebenswerk von Alfons Schuhbeck? Ist es also wahr, was sein Verteidiger Eckert in seinem Schlussplädoyer sagte, dass nach diesem Prozess der Eindruck eines alten, kranken und gebrochenen Mannes bleibe?

 

Kaum schalte man den Fernseher an, sei der Schuhbeck schon da.

 

Um diese Fragen zu beantworten, lohnt es sich, eine Geschichte aus Alfons Schuhbecks früher Kindheit anzuschauen, die er gerne und oft erzählte. Zu Schulzeiten habe er einen Lehrer gehabt, der kriegsversehrt war. Er kam täglich mithilfe von zwei Krücken ins Klassenzimmer. Unbeabsichtigt habe der junge Schüler Schuhbeck dem Lehrer eine Krücke weggetreten. Der sei aus der Haut gefahren, habe ihn angeschrien: Aus dir, das sag‘ ich dir gleich, wird nie etwas werden!

In gewisser Weise scheint dieser Fluch der Antrieb für Schuhbecks Leben geworden zu sein. Er arbeitete nach eigenen Angaben bis zu 18 Stunden täglich, habe seit 35 Jahren keinen Urlaub genommen. Sein ehemaliger Chef Eckart Witzigmann kommentierte Schuhbecks Allgegenwärtigkeit einmal mit dem Satz: Kaum schalte man den Fernseher an, sei der Schuhbeck schon da.

Das eigene Versagen

Alfons Schuhbeck wollte um jeden Preis jemand werden. Und er hat es geschafft. Zwischenzeitlich war er wohl der berühmteste Koch Deutschlands. Nicht zu Unrecht nannte ihn das SZ-Magazin deshalb mal einen »Volkswirt«.

Wenn es also stimmt, dass dieses »Trotzdem« Schuhbecks Antrieb war, dann ist es doch zumindest nachvollziehbar, wie schwer es ihm gefallen sein muss, sich das eigene Versagen als Geschäftsmann einzugestehen. Und das ist der springende Punkt: Alfons Schuhbeck ist ohne Frage ein in vielen Belangen äußerst talentierter Mensch. Als Koch hat er die deutsche Küche erneuert, sie davor bewahrt, in der Sahne zu ersaufen, die in vielen Küchen an jedes Gericht geschüttet wurde. Als Fernsehkoch hat er den Weg bereitet für viele, die nach ihm kamen – sei es ein Tim Raue, ein Alexander Herrmann, ein Frank Rosin. Lediglich als Geschäftsmann ist er gescheitert. Und man darf sagen, dass er in dieser Hinsicht krachend gescheitert ist.

Fehler machen viele

Aber das wird bleiben: Alfons Schuhbeck Lebenswerk ist unzerstörbar, weil es das Fundament bildet, auf dem viele andere stehen – und sicher stehen. Er hat gezeigt, was ein Koch alles sein kann. Er brachte den Deutschen die Würze ins Leben, nicht nur mit den Gewürzen, die er verkauft oder mit denen er seine Gerichte verfeinert, sondern durch seine Freude am Kochen und am Genuss.

Und das nur nebenbei: Fehler machen viele, auch gravierende Fehler, die anderen Schaden bringen. Aber nur wenige stehen so dazu, wie es Schuhbeck tut, indem er sie vor aller Öffentlichkeit vollumfänglich zugibt und die Konsequenzen akzeptiert.


 

 

Moritz Hackl
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