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Aus Graach an der Mittelmosel und dort aus der Lage mit dem schönen Namen »Himmelreich« stammt einer der beiden Lagenwein-Sieger der diesjährigen Riesling feinherb-Trophy.

Aus Graach an der Mittelmosel und dort aus der Lage mit dem schönen Namen »Himmelreich« stammt einer der beiden Lagenwein-Sieger der diesjährigen Riesling feinherb-Trophy.
© Leigh-Ann Beverley | Dr. Loosen

Süße ist keine Sünde: Die Sieger der Riesling feinherb Trophy

Riesling
Verkostung
Auszeichnung
Deutschland

Beim Riesling haben Deutschland und der Rest der Welt das Heu nicht auf derselben Bühne – oder, um im Bild zu bleiben: nicht dieselben Flaschen im Keller. Denn UK, Benelux und Japan beispielsweise lieben es »off dry«. Nur wir Deutschen rümpfen oft die Nase. Wie verkehrt!

Warum führt man Blindproben durch – also Verkostungen, bei denen die Etiketten verhüllt sind? Um überrascht zu werden. Bei unserer diesjährigen feinherb-Trophy hätte der Aha-Effekt nicht größer sein können. Nachdem alle Bewertungen im Laptop waren, standen bei den Lagenweinen zwei Weine punktgleich bis auf die Nachkommastellen auf dem ersten Platz. Also musste ein Stechen her: Die beiden Weine im direkten Vergleich, nach wie vor mit verhüllten Etiketten. Das Ergebnis war – Punktegleichstand.

Also entschlossen wir uns, den ersten Platz zweimal zu vergeben. Nachdem die Hüllen von den Flaschen abgestreift waren, war die Überraschung perfekt: Bei den beiden punktgleichen Weinen handelte es sich um zwei sehr eigene Charaktere aus völlig unterschiedlichen Anbaugebieten.

Der eine Wein ist ein großer Klassiker, der sozusagen auf uralte Weise neu interpretiert worden war: ein Mosel von Erni Loosen aus der Lage Graacher Himmelreich, der nach fünf Jahren Reife trotz seiner 21 Gramm Restzucker fast trocken schmeckt, bei nur 10,5 Volumenprozent Alkohol wie ein Kabinett der alten, beinahe vergessenen Schule.

Der ex-aequo-Sieger ist auf den ersten Blick eine große Überaschung: Es handelt sich um einen Kabinett aus der Lage Großheppacher Steingrüble von Yvonne und Sven Ellwanger. Analytisch gar nicht weit weg vom anderen Erstplatzierten: 10 Volumenprozent Alkohol, 27 Gramm Restzucker. Dass das Remstal Riesling kann, ist alt bekannt. Dass es »feinherb« so gut kann, war uns neu. Großer Applaus!

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Feinherb


Definition
Der Begriff »feinherb« ist eine im Weinrecht nicht exakt definierte Geschmacksangabe für Weine, die trotz einer gewissen Restsüße nahe am trockenen Geschmacksbild bleiben.

Bedeutung
Die Bezeichnung wurde in den 1990er Jahren populär, weil sie besser klingt als »halbtrocken« und zudem größere Freiheiten lässt. Gerade an der Mosel war der Weintyp mit einem Restzucker zwischen 10 und 30 Gramm in der Geschichte gut bekannt und durch seine gute Eignung zur Flaschenreife auch beliebt: Denn vor Erfindung der Reinzuchthefe geschah es häufig, dass Weine bei der Gärung in diesem Süßebereich »steckenblieben«.

 

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Erschienen in
Falstaff Magazin Deutschland Nr. 2/2026

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Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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