Tim Raue x WMF: »Zuhause koche ich nicht«
Ein Topf darf nicht nur schön aussehen – er muss auch halten. Am besten ein ganzes Kochleben lang. Tim Raue nimmt uns mit hinter die Kulissen seiner WMF-Kooperation: über seine Liebe zum Wok, eine Farbe, die mehr erzählt als jede Unterschrift – und den Grund, warum der Sternekoch zuhause nicht kocht.
Falstaff: Herr Raue, Sie arbeiten seit Jahren mit verschiedenen kulinarischen Partnern zusammen. Jetzt haben Sie gemeinsam mit dem baden-württembergischen Haushaltswarenhersteller WMF eine limitierte Sonderedition der Fusiontec Mineral Pro-Serie vorgestellt. Was muss passieren, damit Sie Ihren Namen für eine Marke hergeben?
Tim Raue: Eine ganze Menge. Entscheidend ist, dass für beide Seiten ein klarer Mehrwert entsteht. Es bringt nichts, eine Topfserie zu entwickeln, die wir im Restaurant nicht einsetzen können. Bei WMF kommt außerdem eine persönliche Ebene dazu: Meine Großmutter hatte einen roten WMF-Topf – ihr absolutes Küchenheiligtum. Mein Großvater durfte ihn nie abwaschen, weil sie fand, er mache das nicht richtig. Solche Geschichten bleiben in Erinnerung.
Welche Eigenschaften muss ein Topf besitzen, damit er in ihrer Küche überhaupt mithalten kann?
Als ich meinen ersten Stern bekam, habe ich mir Töpfe aus den USA gekauft, die 19 Jahre gehalten haben. Das ist mehr als ein durchschnittliches Kochleben. Genau diese Robustheit wollte ich wieder: Töpfe, die mich bis zum Ende meiner Karriere begleiten. Deshalb haben wir auch den Multitopf in die Serie aufgenommen – ein Allrounder zum Kochen, Saucieren und Warmhalten, im Profi-Alltag genauso wie in der Hobbyküche. Und entscheidend war der Werkstoff: extrem langlebig und fast unverwüstlich.
Wie eng waren Sie in den Entwicklungsprozess eingebunden – und gab es Momente, in denen Sie klar Nein gesagt haben?
Ich bin pingelig – wenn ein Topf 2,2 Liter fassen soll, messe ich das nach und schlage auch mal vor, ihn größer zu machen. Gleichzeitig verlasse ich mich auf WMF, wenn sie sagen: »Das brauchen unsere Kundinnen und Kunden.« Der Austausch war sehr offen, sie wollten wissen, wie ich zuhause koche. Aber dort koche ich nicht – ich arbeite sechs Tage die Woche von früh bis spät. Die Serie ist für mich in erster Linie fürs Restaurant gedacht. Dafür ist sie ebenso perfekt wie für zuhause.
Das Preußisch Blau – Ihre Signature-Farbe – verrät schon ohne Namenszug auf dem Deckel, dass Sie an der Serie beteiligt waren. Was bedeutet diese Farbe für Sie?
Preußisch Blau ist eine Hommage an meine Großeltern und meine Herkunft. Mein Großvater stammte aus Ostpreußen, meine Großmutter aus Berlin. Die Farbe erinnert mich täglich an die Werte und Tugenden, die sie mir mitgegeben haben. Auch meine Uniform ist preußisch blau – zu ihrem Andenken und als Dank an das, was sie mir vermittelt haben.
WMF betont, dass die Oberfläche selbst Küchenhelfern aus Metall standhält. Sind Robustheit und Haltbarkeit für Sie tatsächlich kulinarische Faktoren – oder eher ein Lifestyle-Versprechen?
Kulinarisch spielt das keine Rolle. Geschmack entsteht durch Hitze. Ein Topf muss Wärme aufnehmen, schnell weitergeben und gleichmäßig verteilen können – das ist entscheidend. Ob ein Gast den Unterschied schmeckt? Nein. Aber beim Arbeiten spürt man ihn sofort. Eine Ausnahme gibt es: den Wok. Dort entsteht der sogenannte »Wok Taste«. Der Wok muss so heiß sein, dass er quasi brennt. Wenn das Gargut hineinfällt, entwickelt sich beim ersten Kontakt ein Aroma, das nur unter diesen extremen Bedingungen entsteht.
Der Wok liegt Ihnen bekanntermaßen am Herzen – warum ist er so wichtig?
Mit einem Wok kann man ein Gericht von Anfang bis Ende zubereiten und Zwischenschritte exakt steuern: Öl erhitzen, das Gargut kurz anbraten, wieder herausnehmen, Gemüse braten, Soße zubereiten und alles am Ende kombinieren. In einer Pfanne geht das nicht so präzise. Wer zu Hause authentisch südostasiatisch kochen möchte, kommt am Wok nicht vorbei.
Ob ein Gast den Unterschied schmeckt? Nein. Aber beim Arbeiten spürt man ihn sofort.
Der Wok ist gleichzeitig ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Was würden Sie damit über die Festtage zubereiten – vielleicht etwas, bei dem die Familie ungläubig fragt: »Das kommt aus dem Wok?«
Sein großer Auftritt ist nach Weihnachten bei der Resteverwertung. Ich nehme Knödel, rote Zwiebeln, Rotkohl, Preiselbeeren, gezupfte Entenreste von der Karkasse, Soßenreste und Kräuter. Alles klein schneiden, im Wok scharf anbraten, eine Soße ziehen und alles vermengen – fertig ist das perfekte Restessen oder »Gröstl«, wie es die Österreicher nennen.
Welche Pfanne, Topf – oder Wok – würden Sie im Notfall aus der Küche retten?
Ich habe zwei Hände: ich könnte sowohl den Wok als auch mehrere Stielkasserollen übereinander stapeln und retten. Für mich sind aber Wok und Sauteuse die zentralen Töpfe: Sie sind unverzichtbar für Soßen, Pürees und Gemüse. Zuhause ist zusätzlich ein Schmortopf sehr praktisch.