Top 8: Eintauchen in die Salzburger Kaffeekultur
An vielen besonderen Plätzen kann man in Salzburg Kaffee genießen. Falstaff hat sich angeschaut, wo in Salzburg der Kaffeegenuss besonders schön ist.
Der Begriff »Kaffee« leitet sich vom altarabischen »Kahwe« oder »Qahwah« ab, was so viel wie Lebenskraft oder Stärke bedeutet. Ursprünglich im äthiopischen Hochland entdeckt, entwickelte sich Kaffee über die arabische Welt zu einem der weltweit wichtigsten Handelsgüter und zu einem Lifestyle-Getränk. Heute ist die Kultur des Kaffees ein globales Phänomen, das Traditionen, sozialen Austausch und Genuss verbindet. Vielfalt und Besonderes zeichnen nicht nur in Salzburg die neue und bewährte Kaffeekultur aus.
Orontes Mokka Terria
Orontes ist der Name eines Flusses aus der Heimat von Ayse Erkut. Sie hat ihre neue Kaffee-Oase in der Dreifaltigkeitsgasse deshalb nach ihm genannt, weil er zum einen als widerspenstig und rebellisch gilt und das ihrem eigenen Naturell entspricht. Und auch, weil er durch Regionen des Nahen Ostens fließt, in denen Vielfalt hochgehalten werde. Und diese Vielfalt spiegelt sich auch in ihrem Lokal wider.
Dort gibt es nahöstliche Köstlichkeiten wie Baklava (übrigens gefüllt mit Vanilleeis, beträufelt mit Dattelsirup und getrockneten Rosenblättern aus dem Libanon), Apfelstreuselkuchen und pikant gefüllte Focaccia in friedlicher Koexistenz. Wobei Ayse Erkut Kräutern und Gewürzen besonderen Stellenwert einräumt und damit auch Ayurveda-Aspekte in ihre Rezepturen einfließen lässt. Natürlich ist auch Matcha ein Thema, hier serviert auch mit Masala. Und dann kommt auch Ube Latte in verschiedenen Varianten in die Gläser. Das ist wahrscheinlich das neue Trendgetränk, das seine lila Farbe der philippinischen Yamswurzel verdankt – und mit Mango, Erdbeere, Litschi Guave oder auch nur mit Kokoswasser serviert wird. Und dann ist da noch der namensgebende Mokka. Das kleine Lokal serviert diesen mit Tradition und neuen Aromen. Zur Auswahl stehen der Orient-Mokka mit Nelken oder Kardamom, der Dattel-Mokka-Latte oder, besonders erfrischend im Sommer, Iced Mokka Latte oder Iced Strawberry Ube Latte.
Das Besondere – und wohl auch einzigartig in Salzburg: Ayse Erkut bereitet den Mokka, übrigens eine eigene Röstung für ihr Lokal, in Kupferkännchen zu, die auf einer Platte mit heißem Sand erhitzt werden. »Die Methode stammt aus dem 16. Jahrhundert, und wir haben das jetzt hier eingeführt, damit man seinen Mokka traditionell trinken kann«, erzählt Frau Erkut. Vorbeigehen, hineingehen und ausprobieren.
Tortelier – Café und Patisserie
Das Tortelier im Andrä-Viertel ist eine Mischung aus Torten und Atelier. Und genau das gibt es auch: alle möglichen Varianten rund um die süße Versuchung, aber auch Brunch. Und hierfür wird alles selbst gemacht: Birchermüsli, Pancakes und so manches für die köstlichen Brunch-Optionen, die in süß und pikant überzeugen. Torten, Pralinen am Stiel und ab und zu, wenn Zeit bleibt, werden auch noch Tortenbestellungen (z. B. für Hochzeiten oder Geburtstage) angenommen. Die Kreationen in der Vitrine zeugen von Romy Höneckls Konditorinnen-Know-how, und zwar nicht nur optisch: Bei den Kuchen, Torten, Cake-Pops und Co. zum Hausbrandt-Kaffee, schmeckt man die liebevolle Handarbeit. Und für den kleinen Hunger zwischendurch gibt es eine kleine Nachmittagskarte mit hausgemachtem Sauerteig-Brot mit unterschiedlichem Belag, köstlichen Toasts, feinen Quiches. Zum Wohlfühl-Ambiente trägt auch die gemütliche Einrichtung mit den Couches bei. Und noch ein Plus in Salzburg: Sonntags ist offen.
Antiquariat Weinek
Ein bekanntes Antiquariat serviert seit einiger Zeit auch Kaffee und veganen Kuchen? Ja, denn eigentlich passen Bücher und eine Tasse eines Heißgetränkes oder ein gutes Glas Wein sehr gut zusammen. Aber der Reihe nach. Elisabeth und Christian Weinek führten das schöne Antiquariat viele Jahre, und es war immer ein Ort, an dem man besondere Bücher gefunden hat. Beide sind Germanisten, Christian auch Schriftsteller, und beide lieben einfach Bücher. Und Postkarten.
Deshalb findet man im Gewölbe der pittoresken Steingasse auch 20.000 davon, viele alte, schöne Salzburg-Motive zum Beispiel. Szenenwechsel: Jetzt sind da Viola und Andrew. Viola ist die Tochter der Weineks und hat die Liebe zum Buch schon als kleines Kind inhaliert und schon als junge Frau Bücher katalogisiert und digitalisiert, zu einer Zeit, als das in Salzburg noch neu war. Dann kam Andrew in Violas Leben, und sie überlegten, ob sie das Buchgeschäft übernehmen wollen – und entschieden sich dann dafür. Violas DNA-Bücherliebe und Andrews Liebe zum Naturwein wurden verbunden. Kaffee kam dazu, auch Cocktails und oben erwähnter veganer Kuchen. Und alles fügt sich zu einer bibliophilen, genussvollen und geschmackvollen Oase der Ruhe und nun zu einem Treffpunkt für Jung und Alt. Denn die beiden wollen auch den jungen Menschen die »(Ehr)furcht« vor alten Büchern nehmen.
Draußen steht zwar immer noch Antiquariat, aber dank Viola und Andrew hat es den Sprung in die nächste Dimension geschafft, ohne die schönen alten Traditionen, die man so lange mit dem Ort verbunden hat, zu verlieren. Weinek 4.0 – schön ist das, wenn Bewährtes mit neuen Ideen weiterlebt.
Gehmacher Café
Der Name Gehmacher steht in Salzburg für Lifestyle in Sachen Mode und Möbel und für guten Geschmack. Seit einigen Jahren aber auch für feinen Genuss. Und zwar als Ergänzung zum OUTDOOR Store, der alles hat, was Menschen mit Leidenschaft für Garten und Balkon brauchen. Stil und höchste Qualität sind auch hier das Motto.
Im stylischen Café kann man sich zwischen Einkäufen ausruhen, einen feinen Kaffee oder abends einen Drink nehmen und es sich gut gehen lassen. Ein besonderes Highlight ist der von Helmut Gehmacher hausgemachte Limoncello, die Bowls von Fit.smartfood und der selbst gemachte Dalgona-Kaffee. Dalgona? Das ist ein »normaler« Kaffee in der Tasse, und dann kommt noch eine Kaffeehaube obendrauf, weich und schaumig. Das Häubchen wird in den Kaffee gerührt und dann genossen. Dazu gibt es frisch zubereitete Tramezzini, Calientos und köstliche Kuchen, zum Beispiel wunderbare Strudel oder Pastel de Nata.
Im Café finden regelmäßig spannende Events statt, die für unvergessliche Erlebnisse sorgen. Von den Gehmacher Live Nights bis hin zu den »Lebensgeschichten«. Und dann ist da noch das »Giulias«, ein paar Schritte entfernt am Waagplatz. Und auch hier dreht sich alles um Genuss mit höchster Qualität, vor allem steht hier der Eisgenuss im Mittelpunkt, hergestellt aus hochwertiger, laktosefreier Milch aus Österreich. Aber nicht nur. Man erfreut sich auch an erfrischenden Eiskaffees und cremigen Kaffeespezialitäten, einem spritzigen Aperol oder einem fruchtigen Sarti Spritz. Für Bierliebhaber gibt es das hauseigene Giulias Bier – frisch gezapft im Glas oder stilvoll aus der Flasche. Von der kleinen Auszeit bis zu einem entspannten Abend mit Freunden ist an diesem besonderen Ort alles möglich.
Kaffeekunst
Bei Kaffee [Kunst] wird Kunst sicht- und nahbar gemacht, und es ist das erste Café in Salzburg, das eine Low-Budget-Galerie mit einem Kaffeehaus verbindet. Alle zwei Monate werden hier neue, aufstrebende Künstler:innen mit einer Vernissage vorgestellt. Danach verwandelt sich die Ausstellung in ein gemütliches Kaffeehaus. Man kann frühstücken, Kaffee trinken und, wenn man das möchte, die Kunst an den Wänden ganz unkompliziert über die Speisekarte bestellen. Oder ein wenig im Bücherregal schmökern.
Das Frühstück mit Joseph Brot oder glutenfreiem Brot vom Awunda, Wurstwaren von der Metzgerei Wimmer aus Maxglan, Tee von »Tee am Eck« und Kaffee von »220 Grad« ist besonders fein. Beide Brote werden mit verschiedenem Belag – vom Schnittlauchbrot bis zum Vitello tonnato – serviert. Und dann ist da noch das Rocky-Balboa-Brot, eine Erfindung von Isabellas Bruder, und ein Sandwich mit Pastrami, Aioli und Dijonsenf.
Zum Tagesausklang gibt es eine gute Weinauswahl, alkoholfreie Weine inklusive. Isabella Kaufmann-Schösswender kommt aus der Gastronomie; beruflich mit Kunst in Berührung gekommen ist sie zum ersten Mal in ihrer Zeit im Arthotel Blaue Gans. Apropos Kunst: Ihre Schwiegereltern haben Fotografie und Kunst mit den weltweiten Leica Galerien in ihrer DNA.
Das Kaffeehaus bei Hotel Melanie
Die österreichische Mehlspeisenkunst ist hier neben köstlichen Frühstücksvarianten und röstfrischem Kaffee, auch als Filterkaffee serviert, daheim. Aniko, Andi, Birgit, Sari, Melanie oder Franzi heißen die Frühstücke, dazu gibt es eine Auswahl an Eierspeisen. Melanie und Andreas Nitzlnader haben in alten historischen Kochbüchern gestöbert und nach lebendigen Familientraditionen gesucht und allerhand Feines rund um die Mehlspeisenkultur in ihr schönes Kaffeehaus in der alten Chiemseegasse gebracht.
Melanie und Andreas servieren Kaffeespezialitäten nach Barista-Kultur und dazu passen dann perfekt: frische Pofesen oder Apfelradeln, hausgemachte Buchteln, Apfelstrudel, Marillenpalatschinken oder eine hausgemachte Sachertorte zum Beispiel.
Aber das ist noch nicht alles, auch die Brote für den kleinen Hunger sind ein Hit: Schnittlauch-, Erdäpfelkas- oder Radieserlbrot sind im Angebot und drei Toasts von klassisch über Caprese bis Roastbeef.
White Horse Coffee Bar
Seit 1967 röstet die Familie Ebner in Salzburg Kaffee. Vater, Mutter und Sohn haben nun als »Family-Business« im schönen Kaiviertel eine eigene Coffee Bar aufgemacht. Der Kaffee im Lokal stammt aus der hauseigenen Produktion, Hauptabnehmer ist die Gastronomie. »Wir dachten uns, jetzt wäre es auch mal cool, den Kaffee selbst in einem Café zu verkaufen«, erzählen Michaela und Forian Ebner. In der Firmengeschichte ist es zwar nicht das erste Lokal.
»Mein Schwiegervater hatte früher eine Art Imbiss in der Gnigler Straße«, sagt Michaela Ebner. Ein richtiges Kaffeehaus in der Innenstadt sei aber etwas Neues. Im »White Horse« gilt das Prinzip der Selbstbedienung: Bestellt wird an der Kassa, Getränke und Speisen werden dann zum Tisch serviert. Zucker und Co. gibt es bei einer Self-Service-Station, Wasser kann man sich bei einer Station selbst holen und nachfüllen. Viele kommen, um etwas mitzunehmen, vor allem die Student:innen aus der nahen Universität.
Neben Kaffee und anderen Getränken findet man auf der Karte auch kleinere Snacks und Speisen wie z. B. Bagels. Der frische Kulinarik-Wind passt gut in das Kaiviertel. Und in das Haus mit Geschichte. Eine Tafel an der Außenfassade verrät, dass Paracelsus hier 1541 sein Testament verfasst hat – und zwar im »Wirtshaus zum Weißen Roß«. Das war für die Ebners der Impuls für den Namen: Tradition verbunden mit Neuem.
Fyn
Hier war früher das »Glücksfall«. Nun hat ein anderer Glücksfall ein junges Paar hierhergeführt: die Liebe. Julia Hochreither und Lowie Demeulemeestere haben sich auf einer Skihütte in Kleinarl kennengelernt und nun in der Salzburger Altstadt ihr eigenes Lokal aufgemacht. Und der Ort hat sich damit nicht nur kulinarisch, sondern auch optisch verändert: Das Ambiente ist nicht mehr schrill und bunt, sondern Clean Chic. FYN steht für »Feeds Your Needs«, was so viel bedeutet wie »Nähre deine Bedürfnisse«. Das kann man beim Frühstück und Brunch bis 18 Uhr tun. Noch ist offen, ob es im Sommer längere Abende mit kleiner Karte geben wird.
Zum köstlichen Frühstück/Brunch serviert man Klassiker mit Semmerl, Marmelade & Co., aber auch Feines zum Sauerteigbrot von Papipane. Zum Beispiel ein japanisches Omelett, gebeizte Lachsforelle, Kartoffelrösti, Birchermüsli, Süßkartoffel-Pancakes oder süßes Matcha-Mousse. Besonders ist auch der Aufstrich aus Ziegencamembert mit Birne und gerösteten Haselnüssen oder das »Préparé«, eine belgische Variante des Beef Tatar. Das Rezept hat Lowie aus seiner Heimat nach Salzburg gebracht. Der Kaffee dazu kommt von »Kaffeewunder Saalfelden«. Und der Gastgarten im Innenhof ist im Sommer ein kühler Ort des Genusses.