Max von Kunow: Eine notwendige Voraussetzung, um eine »Kollektion des Jahres« zu erschaffen, ist eine »beerenstarke Riesling-Liebe«.

Max von Kunow: Eine notwendige Voraussetzung, um eine »Kollektion des Jahres« zu erschaffen, ist eine »beerenstarke Riesling-Liebe«.
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Weinguide Deutschland 2023/2024: Das ist die Kollektion des Jahres 2023

Max von Kunow hat mit seinen 2022er-Weinen aus dem Oberemmeler Weingut von Hövel eine treffsichere Kollektion vorgelegt: Trotz der Wärme des Jahrgangs zeigen die Weine herausragende Frische und Präzision.

Was macht eine Kollektion des Jahres aus? Hoch bewertete Weine, natürlich – und das mit einer gewissen Vielseitigkeit. Das alleine aber reicht nicht aus. Das wichtigste Kriterium ist die Geschlossenheit der Kollektion, ihre stilistische Kohärenz, die Logik ihrer inneren Ordnung, die Stimmigkeit, mit der die spezifischen Bedingungen des Jahrgangs interpretiert und mit dem Hausstil in Einklang gebracht wurden. Was Max von Kunow vom Jahrgang 2022 präsentiert, überzeugt in jedem einzelnen dieser Punkte.

Das beginnt mit einer Reihe von ausgesprochen niveauvollen Orts­rieslingen: einem balsamisch-entspannten Niedermenniger vom roten Schiefer, einem straffen, verschlossenen vom vulkanischen Diabas­gestein in Krettnach, einem feingliedrig »kühlen« aus Oberemmel und einem feinherb ausgebauten, aromatischen Wil­tinger. Weine, die nicht nur alle sehr dezidiert ihre Herkunft zeigen, sondern die auch belegen, dass die in den letzten zehn Jahren erfolgte Erweiterung der Ertragsfläche dem Weingut gut bekommen ist. Als von Kunow das Weingut im Jahr 2010 von seinem Vater übernahm, umfassten die Weinberge 10,5 Hektar, heute sind es 22.

Was von Kunow auf den neu übernommenen Rebflächen an Erfahrungen sammeln konnte, hat ihn begeistert: »Es ist absolut faszinierend, was man erreichen kann, wenn die Böden von Jahr zu Jahr immer gesünder werden«. Der Fortschritt der Weine aus den neuen Lagen ist auch eine Bestätigung für die nahe am Bio-Weinbau entlang gehenden Arbeits­weisen, die von Kunow eingeführt hat: Zur Unterstützung der Bodenbearbeitung experimentiert er beispielsweise mit speziellen Hefen, die die Humusumwandlung fördern – und so auch das Wasserhaltevermögen der Böden steigern. »Auch die Kräuter kriegen mehr Feinwurzeln, der Effekt ähnelt dem der Biodynamik.« Letztlich ist dies sogar eine Fortsetzung der Familientradition: Schon sein Großvater, erzählt der Winzer, habe Weinbergraupen angeschafft, um keine ­Herbizide einsetzen zu müssen.

Reifemessung von Hövel-Flaschen einst und jetzt.
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Reifemessung von Hövel-Flaschen einst und jetzt.

Königsdisziplin Kabinett

Bald, nachdem von Kunow den Betrieb übernommen hatte, traf er auch stilistische Entscheidungen mit Tragweite: So begann er bereits vor über zehn Jahren, lange, bevor es in Mode kam, große Gewächse mit Alkoholgehalten von zwölf Volumenprozent (und darunter) zu keltern. Mit der jahrelangen Erfahrung im Rücken sind diese Weine heute auf meisterliche Art in der Balance: Im Jahrgang 2022 teilt das Trio Hörecker, Hütte, Scharzhofberg die Eigenschaft, Phenolik mit Nerv und Mineralität zu paaren: am charmantesten im Hörecker, einer Enklave im warmen Kanzemer Altenberg – am kristallinsten im Wein aus der Hütte, am tiefgründigsten im Scharzhofberg.

Die Königsdisziplin im Genre der Leichtigkeit aber ist der Kabinettwein. Und hier sind von Kunow die größten Geniestreiche des warmen Jahrs 2022 gelungen: Der »Guts­kabinett« mit Herkunft Saar lässt am ehesten den Drall des Jahrgangs zur Reife anklingen, aber die Lagenweine aus Hütte und Scharzhofberg sind so verspielt und so mineralisch, wie man sich einen Kabinett nur wünschen kann. Die Versteigerungsversionen aus beiden Lagen wirken aufs Maximum reduziert: Sie haben ein Höchstmaß an Biss und Mineralität bei einem Mindestmaß an Gewicht. Besser kann man einen Lesezeitpunkt nicht treffen.

Dieses Jahr hat Max von Kunow sich den Titel »Kollektion des Jahres« mit einer stattlichen Reihe von Charakterweine redlich verdient. Aber der Mittvierziger wird, daran kann kein Zweifel herrschen, auch in Zukunft ein Forschender und Suchender bleiben, um sein Weingut und dessen Weine zu immer neuen Höhen zu führen. Jeder, der Max von Kunow ein klein wenig kennt, weiß: Der Mann kann gar nicht anders.

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Erschienen in
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Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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