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Weinguide Deutschland 2025: Robert Haller für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Weinguide
Auszeichnung

Wenn Robert Haller, der Weingutsdirektor des Würzburger Bürgerspitals, im kommenden Jahr in den Ruhestand geht, blickt er auf ein Berufsleben mit nur drei Stationen zurück: Wo Haller war, hatte er Erfolg, sorgte für Kontinuität – und bewegte Dinge zum Besseren.

Bei einem Besuch im Würzburger Bürgerspital, etwa 2018 oder 2019, zeigte der nun für sein Lebenswerk Geehrte in seinem Büro auf einen Laufmeter Aktenordner: Unterlagen und Korrespondenzen aus einer damals bereits fünf Jahre währenden Anstrengung, für die besten Teile der Würzburger Spitzenlage Stein Herkunftsschutz bei der EU zu erhalten. Robert Haller ist kein Mann überschäumender Emotion, und auch in seinem Kommentar zu dieser Papierschlacht klang höchstens so etwas wie Erstaunen an: »Die Rückfragen, die man aus Berlin oder Brüssel kriegt, sind manchmal schon abenteuerlich. Man merkt, dass sich die Leute sonst eher mit Gurken beschäftigen.«

Im Dezember 2020 war es dann schließlich soweit: Die EU bestätigte den Antrag, seither genießen Weine vom Würzburger Stein-Berg denselben Schutz wie etwa der Parmaschinken oder das Piment d’Espelette. Wer Haller nun indes für jemanden hält, der sich in der Amtsstube und hinter Akten sonderlich wohl fühlen würde, liegt völlig daneben. Die drei großen Würzburger Betriebe – Juliusspital, Staatlicher Hofkeller und eben das Bürgerspitel – hatten ihre Kräfte zusammengespannt, um das Ding durchzudrücken, denn zum einen ist der »Steinwein« weltweit ein Begriff und die Gefahr real, dass Nachahmer auf den Plan treten. Zum anderen hatte das deutsche Weinrecht von 1971 dem Stein auch Parzellen zugeschlagen, die nicht ganz dasselbe hohe Niveau besitzen wie die zentralen 38 Hektar – das galt es, im Sinn einer Klassifikation zu korrigieren. Aber selbst die vereinte Wucht dreier weinbaulichen Dickschiffe wäre vermutlich an der Bürokratie abgeprallt, wenn es nicht immer wieder einen gegeben hätte, der das Heft in der Hand hatte und mit unbändigem Willen hinterherging: Haller.

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»Da hat’s mich gepackt«

Den Willen, Dinge zu bewegen, hatte der gebürtige Schwabe schon früh. Als junger Mann arbeitete Haller bei IBM als Informationselektroniker. »Ich war tagtäglich in einem vollklimatisierten 2000-Quadratmeter-Großraumbüro, da dachte ich mir eines Tages: Das kann’s nicht sein.« Über seine Schwester, die heute noch in Sindelfingen eine Weinhandlung betreibt, kam Haller zum Wein. Trank sich ein, verschlang Bücher. Über die Kontakte seiner Schwester kam er schließlich für ein Praktikum nach Deidesheim zum Weingut Bassermann-Jordan. »Da hat’s mich gepackt.« Haller schrieb sich ein in Geisenheim, 1988 hatte er das Önologendiplom in der Tasche. Gemeinsam mit seiner Frau Christine, die in Hohenheim Agrarwissenschaften studiert hatte, ging es anschließend für ein dreiviertel Jahr in die Toskana, zu den Marchesi Antinori.

Zurück in Deutschland, nahm Haller eine Stelle in Baden an, im Bio-Weingut von Gerd Köpfer in Staufen südlich von Freiburg. »Zu der Zeit haben meine Frau und ich immer wieder mal überlegt, uns gemeinsam selbständig zu machen. Als unsere Kinder schließlich zwei und vier waren, haben wir gedacht, es wäre die richtige Zeit, um sich zu verändern. In der Zeit habe ich auch immer wieder Weingüter angeschaut, um vielleicht etwas zu pachten oder was Kleines zu kaufen«.

Den Stein gewonnen

Doch es kam anders: Im Februar 1994 war eine Stelle im Weingut Fürst Löwenstein in Franken ausgeschrieben. »Nach dem Bewerbungsgespräch habe ich meine Frau aus einer Telefonzelle angerufen, es gab ja noch keine Handys, und hab gesagt: Das ist ein toller Betrieb, aber jetzt müssen wir warten.« Am Ostersamstag kam ein DIN-A-4-Couvert mit einem Vertrag. Haller trat die Betriebsleitung im Sommer 1994 an und blieb 13 Jahre in Verantwortung für das Weingut mit seiner spektakulären Terrassenlage Homburger Kallmuth.

Im Jahr 2007 schließlich wurde die Direktorenstelle im Würzburger Bürgerspital frei – ein Posten wie eine Berufung auf einen Lehrstuhl: In den vergangenen 150 Jahren hatte das Weingut nur gerade sechs Direktoren. »Ich musste den Kallmuth abgeben, was mir schwerfiel, aber dafür habe ich den Stein gewonnen, alleine in dieser großartigen Lage knapp 30 Hektar.«

Role Model der Großen Gewächse

Mit der Leitung des Bürgerspital-Weinguts hatte Haller eine Aufgabe gefunden, die wie maßgeschneidert für sein Können wirkt: Jetzt ging es nicht mehr um etwas mehr als 20 Hektar wie bei Fürst Löwenstein, sondern um 120. Hallers Wille, Dinge zu bewegen, führte das in den neunziger und Nullerjahren etwas unter seinen Möglichkeiten gebliebene Gut Schritt für Schritt an Frankens Spitze. Hallers klassisch strukturierte, betont trockene und immer auf den mineralischen Lagenausdruck zielende Silvaner und Rieslinge erwiesen sich zudem als höchst zuverläßig: Hinter den teils furiosen Großen Gewächsen strahlen Erste Lagen und Ortsweine in einem herausragenden Preis-Genuss-Verhältnis – nicht unwichtig in einem Weingut dieser Größe. Haller begründete aber auch neue Traditionslinien – etwa, indem er Chardonnay in den Muschelkalk des Steins pflanzte. Nach der ersten Dekade der Stein-Chardonnays kann man bereits konstatieren, dass dies ein Geheimtipp und einer der reifefähigsten und raffiniertesten Chardonnays des Landes ist.

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Hallers Karriere begann mit der Bewunderung für Tignanello und Bordeaux. Bei Gerd Köpfer gelang ihm ein 1990er Grauburgunder, aus dem Staufener Schlossberg, der ihm den Weg zum großen Weißwein wies. Ein weiterer Meilenstein war der vom Frost in der Menge reduzierte 1997er Silvaner aus den ältesten Reben des Homburger Kallmuth: »Der Wein war so dicht, so trocken und so mineralisch, dass Hermann Mengler, der Weinfachberater im Bezirk Unterfranken, nach der Jungweinprobe sagte: Da bin ich aber gespannt, was die Fachwelt sagt.« Der Wein wurde ein Vorläufer und geradezu zum Role Model der Großen Gewächse.

Haller hatte sein ganzes Berufsleben hindurch den Willen, Dinge zu bewegen. Dafür tat er, was getan werden muss. Und immer noch ein Quäntchen mehr: Wenn er im Sommer 2025 in den Ruhestand gehen wird, ist alles bestens vorbereitet für seinen Nachfolger. Wie Menschen es tun, deren Alltag es ist, über den Augenblick hinauszudenken.

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Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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