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Weinguide Deutschland: Günther Jauch & Swen Klinger sind die Winzer des Jahres 2025

Weinguide
Auszeichnung
Winzer

Das Weingut von Othegraven gehört seit Langem zu den legendären Betrieben an der Saar. Die letzten Jahre brachten eine Transformation: hin zu einem immer subtileren, verspielteren Stil, mit einem entschlossenen Fokus auf fruchtigen Prädikaten wie Kabinett und Spätlese.

Wenn man auf dem Grat dieses Berges steht, kommt man sich vor wie in einem Flugzeug im Landeanflug: Man blickt über ein Rebenmeer 110 Höhenmeter in die Tiefe, und am Fuß des Steilhangs liegt inmitten eines gepflegten Parks ein schmuckes Ensemble von Gebäuden: das Weingut von Othegraven. Der Betrieb ist schon seit dem Jahr 1805 im Besitz derselben Familie, doch angesichts der innigen Verbindung von Weinberg und menschlicher Arbeitsleistung könnte man versucht sein, das Verhältnis umzukehren und zu sagen: Seine Majestät, der Kanzemer Altenberg, besaß schon in den Jahrhunderten zuvor stets eine gemauerte Heimstatt, von der aus Menschen in und an ihm gearbeitet haben. Einer dieser Eigentümer, war – als Privatperson übrigens, nicht als kirchlicher Würdenträger – seit 1654 der Erzbischof und Kurfürst von Trier, Karl Kaspar von der Leyen. Bereits zu dieser Zeit existierte ein Kelterhaus, das auch heute noch Teil des Gebäudekomplexes ist. Belegt ist ebenso, dass der Prämonstratenserorden bereits um das Jahr 1381, also nochmal fast 300 Jahre früher, an derselben Stelle eine Struktur besaß, von der aus Mönche und Laienbrüder in den Altenberg ausschwärmten.

Vermutlich ließe sich die Linie der Kontinuität sogar noch bis zu den Römern fortsetzen. Doch weder die historische Dimension alleine noch die Geologie alleine führen dazu, dass die Falstaff-Jury einem Weingut und seinen Protagonisten den Titel »Winzer des Jahres« zuerkennt. Was hinzutreten muss, ist die Intelligenz der Bewirtschaftung, die Klarheit, mit welcher den Naturbedingungen Ausdruck verliehen wird, und die Reife der stilistischen Idee, die erkennbar wird.

Visionär in die Zukunft führen

Seitdem Günther Jauch das Weingut im Jahr 2010 als siebte Generation seiner Familie übernommen hat, sind schon fast 15 Jahre vergangen. Zu Beginn waren die Veränderungen Akzentverschiebungen: Die Weine legten an Dichte zu, an Saftigkeit und Kern. Und das Weingut wuchs behutsam, erweiterte das Lagenportfolio um Weinberge in Wawern und Wiltingen, widmete sich auch den schon seit Langem zum Betrieb gehörenden Parzellen im Ockfener Bockstein mit neuer Verve.

Die jüngste Vergangenheit zeigt von Othegraven nun indes noch einmal verwandelt, und man weiß gar nicht, ob man wirklich sagen soll: stärker als zuvor. Denn der Faden der Kontinuität ist bei aller Veränderung dennoch fest. Doch der heute nochmals stärkere Fokus auf die fruchtsüßen Prädikate geht einher mit einer augenfälligen Hinwendung zu ziselierter Feinheit in diesen Weinen, zu einer von mineralischer Delikatesse getragenen Form des Spiels. Dem Team um Geschäftsführerin Grit Schedlinski und Betriebsleiter Swen Klinger gelingen nach wie vor auch ausgezeichnete trockene Weine, doch ihre Glanzstücke sind federleichte Kabinettweine, und Spätlesen, die ihren Reichtum und ihre Süße nachgerade sublimieren. Seitdem Günther Jauch und Ehefrau Dorothea Sihler dem Weingut vorstehen, haben die Weine Jahr für Jahr an Definition und Nuancenreichtum zugelegt. Es zeigt sich an dieser Verwandlung: Wenn ein erfahrenes Team und eine kluge Geschäftsführung auf Eigentümer treffen, die den Besitz visionär und mit stilistischer Idee in die Zukunft führen, dann kann Großes entstehen wie im Weingut von Othegraven.

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Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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