Weinguide Deutschland: Melanie Wagner ist Sommelière des Jahres 2024
Mit Melanie Wagner aus Oberbergens »Schwarzem Adler« ehrt Falstaff eine Sommelière, die in einer Institution tätig ist – und in 20 Berufsjahren selbst zu einer Autorität wurde.
Mit Mitte 20 saß Melanie Wagner im Büro von Fritz Keller, dem Patron des »Schwarzen Adlers« in Oberbergen am Kaiserstuhl. Grade eben hatte der Chefsommelier des Sternerestaurants gekündigt, und Keller bot seiner jungen Commis Sommelière an, dessen Nachfolge anzutreten. »Aber sie wollte das am Anfang auf keinen Fall«, erinnert sich Keller fast 20 Jahre später durchaus amüsiert. »Sie sagte, sie sei dieser Aufgabe nicht gewachsen und sie sei doch noch viel zu jung.« Keller beruhigte sie: »Ich bin ja auch noch da.« Schließlich ließ Wagner sich doch überzeugen.
Seither sind 19 Jahre vergangen. Melanie Wagner ist dem »Schwarzen Adler« in dieser Zeit ebenso treu geblieben wie diese kulinarische Institution ihrem Stil: In Küche und Keller geht es um französische Klassik. Der menschliche Umgangston ist freundlich und familiär. Eine Sommelière, die Modewellen reitet oder ihre Weinempfehlungen vorrangig an der Gewinnmarge ausrichtet, würde nicht an diesen Ort passen. Eine, die sich selbst hinterfragt und Verantwortung empfindet, ist hier goldrichtig.
Was Wagner zudem zu einer Ausnahmeerscheinung macht, sind ihre Kenntnisse im Weinbau. Denn der Einstieg der jungen, im Nordosten Bayerns weitab der nächsten Weinberge aufgewachsenen Frau in die Berufswelt erfolgte gar nicht über die Gastronomie. Sie kam für eine Winzerlehre an den Kaiserstuhl. Im Weingut Bercher lernte sie, wie man Reben schneidet und eine Presse bedient. Danach war der Weg von Burkheim nach Oberbergen nicht weit, auch nicht im übertragenen Sinn. Als Herrin über 4000 Positionen auf der Weinkarte kann Wagner heute aus dem Vollen schöpfen. Sie nützt diese Vielfalt für Weinbegleitungen, die der Klassik stets noch ein gewisses Etwas hinzufügen und dabei gerne auch den Blick auf einen Aspekt von Wein oder Speise richten, der einem andernfalls entgehen würde. So wohldurchdachte und dabei dennoch sinnliche Pairings gelingen nur jemandem, der in beiden Welten zuhause ist und beide meisterhaft zu deuten vermag: in derjenigen der Küche UND in derjenigen des Weins – einschließlich seiner rebbaulichen Aspekte.
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