Schweizerischer geht es kaum: Vor dem Haus eine gepflegte Gartenterrasse, drinnen verbreiten Holztäfer und -möbel viel Urchigkeit. Allerdings fehlen die typische Gewürzmenage und etwas Kitsch fürs richtige Landbeiz-Ambiente. Das stimmt so aber durchaus, denn das «Drei Stuben» ist mitten in Zürich, etwa zehn Minuten Fussmarsch vom Bahnhof entfernt. Seit Herbst 2022 wird es vom jungen Team des «The Artisan» in Wipkingen geführt. Der Service ist aufmerksam und freundlich, bewahrt aber in den richtigen Momenten seine Distanz. Auf der Weinkarte gibt es Bio- und Naturweine, viele davon stammen aus der Schweiz. Ebenso kommen auch die meisten Zutaten, die in der Küche verarbeitet werden, aus der Umgebung. Als Snack zum Apéro – Schaumwein der Familie Adank aus Fläsch – werden Schweizer Egliknusperli mit Wasserkresse-Remoulade serviert. Nostalgisch, aber mit Pep. So lässt sich die Speisekarte allgemein gut zusammenfassen: ein schöner Mix aus bodenständigen, aber modernen Gerichten und alten Klassikern wie Läberli oder Cordon bleu. Die Vorspeisen begeistern uns allesamt, es gibt marinierte Sommertomaten mit Ziegenkäse und Holunderblütenvinaigrette, frische Erdbeeren mit Burrata, Basilikum, Olivenkraut und grilliertem Sauerteigtoast und ein schmackhaftes Alpenlachstatar und Rogen mit Gurken-Verjus-Dressing. Alles ist sommerlich, gut abgeschmeckt und macht Lust auf mehr. Bei den Hauptgängen schmeckt uns das Alpstein-Freiland-Perlhuhn mit Kornelkirsche, Karotten und Brennnessel-Kräuterknödel am besten. Das Dessert aus Brätzeliglace mit Beeren essen wir eher aus Pflichtbewusstsein, aber nicht, weil es nicht gut wäre,
sondern weil wir schon sehr satt sind. Ein
schöner Abend in einer Beiz, die den Weg ins 21. Jahrhundert gefunden hat!