Deswegen sollten wir mehr Bitterstoffe zu uns nehmen
Chicorée, Radicchio, Löwenzahn – bittere Lebensmittel wurden zum Großteil aus unserer Ernährung verbannt. Wir erklären, warum wir Bitterstoffe dringend zurückholen sollten.
Bittere Lebensmittel wurden aus unserem Alltag systematisch verdrängt – von der Lebensmittelindustrie, die unseren Geschmack auf Süß und Salzig trainiert hat. Dabei sind Bitterstoffe keine geschmackliche Unannehmlichkeit, sondern ein pharmakologisches Werkzeug, das Verdauung, Stoffwechsel und Immunsystem unterstützt. Im Interview erklärt Ernährungsexpertin Jana Lebenstedt, warum wir sie als festen Bestandteil in unsere Ernährung integrieren sollten.
Jana Lebenstedt
Sie ist Ernährungsexpertin bei BitterLiebe, studierte Diätassistentin mit einem Bachelorabschluss in Diätetik und zertifizierte Ernährungsberaterin. Als HYROX- und Functional-Fitness-Trainerin weiß sie genau, wie wichtig das Zusammenspiel von Ernährung, Training und mentaler Stärke ist.
© BitterLiebeFalstaff HappyLife: Welche Vorteile bringen Bitterstoffe für den Körper?
Jana Lebenstedt: Bitterstoffe unterstützen vor allem die Verdauung. Über spezielle Bitterrezeptoren auf der Zunge und im Verdauungstrakt können sie die Ausschüttung von Magensaft, Galle und Verdauungsenzymen anregen. Dadurch wird die Verarbeitung der Nahrung unterstützt. Spannend ist, dass unser Körper über zahlreiche Bitterrezeptoren verfügt – nicht nur auf der Zunge, sondern auch im Verdauungstrakt. Wer Bitteres schmeckt, setzt verschiedene Verdauungsprozesse in Gang. Viele Menschen nehmen heute deutlich weniger Bitterstoffe auf als frühere Generationen, da zahlreiche Gemüsesorten und Lebensmittel gezielt milder gezüchtet wurden.
Viele Menschen haben eine ausgeprägte Abneigung gegen Bitteres. Ist das reine Gewohnheit oder steckt mehr dahinter?
Lebenstedt: Beides. Evolutionsbiologisch galt bitterer Geschmack lange als Warnsignal für potenziell giftige Pflanzen. Deshalb reagieren wir von Natur aus sensibler auf Bitteres als auf Süßes. Gleichzeitig ist Geschmack trainierbar. Wer regelmäßig bittere Lebensmittel wie Rucola, Chicorée oder Grapefruit isst, gewöhnt sich häufig daran und nimmt den Geschmack mit der Zeit deutlich angenehmer wahr.
Bitterstoffe für die Verdauung: Was passiert konkret im Körper?
Lebenstedt: Die Verdauung beginnt bereits im Mund. Werden Bitterstoffe auf der Zunge wahrgenommen, werden über Nervenbahnen verschiedene Verdauungsprozesse aktiviert. Der Körper bereitet sich gewissermaßen auf die Nahrungsaufnahme vor. Magensaft, Galle und Verdauungsenzyme werden verstärkt bereitgestellt, wodurch die Nahrung effizienter verarbeitet werden kann. Deshalb werden Bitterstoffe traditionell oft vor oder nach den Mahlzeiten verwendet.
Gibt es Personengruppen, für die Bitterstoffe besonders relevant sind oder für die Vorsicht geboten ist?
Lebenstedt: Bitterstoffe können besonders für Menschen interessant sein, die ihre Verdauung bewusster unterstützen möchten oder insgesamt sehr bitterstoffarm essen. Bei bestehenden Erkrankungen, insbesondere im Bereich von Magen, Galle oder Leber, sowie während Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Anwendung individuell mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden. Wie bei allen Nahrungsergänzungsmitteln gilt: Sie ersetzen keine ausgewogene Ernährung und keinen gesunden Lebensstil.
Woraus werden die Bitterstoffe bei BitterLiebe gewonnen?
Lebenstedt: Die BitterLiebe Produkte basieren auf einer Auswahl traditionell bitterstoffreicher Pflanzen. Dazu gehören beispielsweise Kräuter, Wurzeln und Gewürzpflanzen, die von Natur aus einen hohen Gehalt an Bitterstoffen besitzen. Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Produkt und Anwendungsbereich.
Kann ich denselben Effekt über bestimmte Lebensmittel erreichen?
Lebenstedt: Grundsätzlich ja. Bitterstoffe kommen natürlicherweise in Lebensmitteln wie Chicorée, Endivie, Radicchio, Rucola, Grapefruit oder Artischocken vor. Allerdings essen viele Menschen diese Lebensmittel heute eher selten oder in kleinen Mengen. Produkte mit Bitterstoffen können deshalb eine einfache Möglichkeit sein, Bitteres wieder bewusster in den Alltag zu integrieren.
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