Female Empowerment: Krafttraining für Frauen
Mit vereinten Kräften sind wir nicht nur stark, sondern leben länger gesund. Deshalb sollten wir unsere Muskelkräfte bündeln und endlich Gewichte stemmen.
Den wenigsten ist der Zusammenhang zwischen der stillen Volkskrankheit Nummer eins und Krafttraining bewusst: Krafttraining stärkt die Muskulatur, fördert den Knochenaufbau und verlangsamt den Abbau dessen. Kurz gesagt: Krafttraining ist die beste Prävention gegen Osteoporose.
Und Osteoporose zwingt viele von uns, ganz wortwörtlich, in die Knie: An ihr erkrankt jede dritte Frau ab 50 und jede zweite sogar ab 75. Die Folge sind chronische Schmerzen, aber auch Knochenbrüche, die in zunehmendem Alter oft tödlich enden. Ganz drastisch darf man daraus schlussfolgern: Muskeln schützen uns vor dem Tod.
Dabei ist Osteoporose nur einer der vielen Gründen, warum Frauen zu Hanteln, Kettlebells und Co greifen sollten: Krafttraining hat zahlreiche weitere positive Auswirkungen auf unsere allgemeine Gesundheit, unseren gesamten Alterungsprozess und unser mentales Wohlbefinden. Man kann es so auf den Punkt bringen: Indem wir Muskeln aufbauen, investieren wir in unsere Zukunft. Die Beispiele dafür sind vielfältig: Muskeln unterstützen unser Immunsystem, wirken sich positiv auf unseren Hormonhaushalt aus und schützen vor neurologischen Krankheiten wie Demenz, aber auch vor metabolischen wie Diabetes.
Nur ist es bei den meisten so, dass erst die Absenz von ebenjenen uns auf ihre Benefits aufmerksam macht. Und diese Absenz entwickelt sich still und heimlich: Der altersbedingte Muskelabbau, die sogenannte Sarkopenie, betrifft vor allem Frauen und ist besonders vor und während den Wechseljahren sehr ausgeprägt. Ein sinkender Östrogenspiegel ist auch daran Schuld. Um dem entgegenzuwirken und den Status quo zu verbessern, sind regelmäßiges Krafttraining und eine proteinreiche Ernährung entscheidend. Eine lebenslange Aufgabe, der wir alle nachgehen sollten.
Warum also noch nicht alle Frauen Gewichte stemmen, sondern lieber zum Pilates gehen? Weil sich Vorurteile hartnäckig halten. In vielen Köpfen beschwört das Wort »Krafttraining« ein Bild von braun gebrannten Bodybuildern herauf, die in »Muckibuden« Gewichte stemmen. Davor, verständlicherweise, fürchten sich viele Frauen und auch davor, am Ende ähnlich auszusehen.
Eine, die mit solchen Vorurteilen aufräumt und diesem Thema ihr Leben gewidmet hat, ist Saye Vedrilla. Die Wiener Personal Trainerin trainiert Frauen bis ins hohe Alter. Sie macht Unfitte wieder trainiert und Gebrechliche wieder mobil. In ihrem Studio im dritten Wiener Gemeindebezirk lehrt sie Frauen funktionelles Training mit einer ganz konkreten Zielsetzung: »Frauen haben einen gesunden Respekt vor Gewichten und vergessen dabei, dass sie im Alltag viele Gewichte mit sich rumtragen.
Ich mache sie fit für genau diesen Alltag. Damit sie eine Kiste Mineralwasser schleppen, das Enkelkind hochheben oder sich gegen einen Mann wehren können. Es bedeutet aber auch, dass man dem Bus nachlaufen oder die Treppen nehmen kann, wenn der Lift ausgefallen ist.« Funktionelles Training, lernt man bei ihr, ist keine große Hexerei oder Neuerfindung, um Frauen auf modische Art zu malträtieren. Es sind Basics, die allerdings sauber ausgeführt
gehören. Und hier beginnt bereits die Krux: Gewichte stemmen allein macht uns langfristig nicht gesund. Ein muskulöser Bauch mag optisch zwar reizvoll sein, ist aber noch kein Indikator für eine ausgewogene, gut aufgebaute Muskulatur. Gesundheit, so das Mantra von Saye Vedrilla, »braucht keine Perfektion«, aber Frau muss dennoch wissen wie’s geht. Damit es langfristig Spaß macht.
Wie trainiere ich richtig
Absolute Beginnerinnen sollten auf alle Fälle einen Profi aufsuchen. Der bietet nicht nur den perfekten Motivationsschub, sondern lehrt einen auch die Übungen richtig. Saye Vedrilla dazu: »Es macht nur Sinn, Gewichte zu stemmen, wenn die Technik stimmt. Professionelle Anleitung hilft, damit man nicht in die Über- oder Unterforderung kommt. Außerdem lernt man hier Essenzielles wie etwa, dass die Kraft aus der Körpermitte kommt. Wer das weiß, versteht auch, warum wir konsequent mit Rumpfübungen beginnen und uns erst dann nach außen vorarbeiten. Außerdem sollte man zwei bis drei Mal in der Woche trainieren. Aber keine Angst vor Überforderung – es reichen bereits 20 bis 30 Minuten inklusive Aufwärmtraining.« Zum Aufwärmtraining gehört auch, dass die Gelenke gut vorbereitet werden. Durch Innen- und Außenrotation der Sprunggelenke, aber auch der Schultern, der Hüfte, der Ellbogen, des Nackens und der Handgelenke wird sichergestellt, dass sie nicht degenerieren und dass der Knorpel mit Gelenkflüssigkeit und Nährstoffen versorgt wird.
Krafttraining, lernt man hier schnell, ist eine ganzheitliche Methode, die dem Körper viel mehr einbringt als ein paar optisch attraktive (je nach ästhetischem Empfinden) Körperareale: Wer seine Muskeln spielen lässt, zeigt nicht nur Stärke, sondern auch Weitsicht.
SAYYES to Saye!
Super smart. Saye Vedrilla gründete 2013 ihr erstes CrossFit-Studio, um schnell zu merken: Damit holt man keine Frauen ab. Deshalb gründete sie 2019 SAYYES!, um Frauen einen neuen Zugang zu Krafttraining und ihrem persönlichen Wohlfühl-Peak zu ermöglichen. Hier trainiert sie in Gruppen, aber auch in Einzelstunden.
Eigene Methode. Das SAYYES!-Training ist eine Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining. Während der einzelnen Blöcke ist der Coach in der Kleingruppe da und passt die Übungen laufend an das persönliche Fitnesslevel an.
sayyes.at