Hormone: die Dirigenten unseres Körpers
Sie dirigieren unser Leben und unsere Launen: Hormone sind jene Botenstoffe, die – im übertragenen Sinne– gute und schlechte Neuigkeiten bringen. Denn sie entscheiden über unser gesamtes Wohlbefinden.
Wer kennt das nicht? Man wacht morgens auf, ist abgeschlagen und müde und das völlig ohne Grund. Vermeintlich, wohlgemerkt. Bis man den ersten Hormonstatus durchführen lässt, der dann doch besagt: Hier ist einiges in Unordnung geraten. Die Botenstoffe senden die falsche Message aus. Nur: Diese zu entziffern, ist ungleich schwerer, als sich die meisten Patient:innen – und Ärzt:innen – vorstellen. Selbst versierte Spezialist:innen weisen das Thema als sehr komplex aus, dabei wird jede:r von uns früher oder später damit konfrontiert. Nicht nur Frauen macht schwindendes Östrogen und Co. in den Wechseljahren zu schaffen, auch Männer leiden unter altersbedingtem Hormonabbau und können durchaus unverschuldet in eine Midlife-Crisis schlittern. Aber auch schon davor bestimmen Hormone unser Leben: Fortpflanzung wäre ohne den richtigen Hormoncocktail nicht möglich, geschweige denn juveniles Wachstum.
Östrogen, Progesteron und Testosteron sind Basis-Hormone, die den Stoffwechsel und vieles mehr kontrollieren. Werden sie falsch eingesetzt, kann es auch zu verhängnisvollen Folgen im Körper kommen.
Das vergisst man gerne, denn wenn von Hormonen die Rede ist, bezieht man sich meist auf die Sexualhormone Östrogen, Progesteron und Testosteron – der Mangel an Letzterem kann sich vor allem bei Männern negativ bemerkbar machen und ebenjene Midlife-Crisis auslösen. Aber auch Schilddrüsenhormone, Steroidhormone, Melatonin und Insulin gehören zu den körpereigenen Botenstoffen, die unser Wohlbefinden mitbestimmen. Einfach ausgedrückt: Sie übermitteln Informationen und regulieren zahlreiche Körpervorgänge wie Stoffwechsel oder auch die Hormonumstellung in den Wechseljahren. Anna-Maria Kiprov, Leiterin der gleichnamigen Privatklinik in Wien, betont in diesem Kontext: »Hormone gibt es viele und man muss alles beachten. Wer unter Schlafstörungen leidet, muss nicht zwingend in den Wechseljahren sein, es kann dafür auch einen anderen Grund geben.« Dennoch darf man die bekanntesten Hormone – Östrogen und Testosteron – laut Marion Noe, Gynäkologin und Gründerin des Pharmaunternehmens PROFEM, als »Basishormone« bezeichnen. Sie regulieren den Stoffwechsel und vieles mehr.
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Wenn sie weniger werden, schwindet auch die Kraft und Alterung tritt schneller ein. Das betrifft u. a. Haut, Knochen und Blutgefäße. Auch wenn das dramatisch klingt und die Wechseljahre, also genau die Phase des Hormonabbaus bei Frauen (für Männer gibt es dafür keinen eigenen Begriff), aktuell in aller Munde sind, muss man sich vor dieser Lebensphase nicht fürchten: Marion Noe, die seit vielen Jahren zum Thema forscht, weist darauf hin, dass zum Beispiel nur circa 30 Prozent aller Frauen in den Wechseljahren von starken Beschwerden betroffen sind. Sie empfiehlt Hormonersatztherapien und versucht ihren Patientinnen den Schrecken davor zu nehmen. Diese sind in den frühen 2000er-Jahren in Verruf geraten – und das völlig zu Unrecht: »Es wurde damals eine Studie von Women’s Health Initiative publiziert, die einen Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Hormonersatztherapie postulierte. Das führte zu einem lauten Aufschrei in der Bevölkerung und einer irrationalen Angst vor Hormonersatztherapien, die bis dahin inflationär angewendet wurden.« Primär wurden Hormone bis dahin als probates Anti-Aging-Mittel eingesetzt: Während es heute wieder in aller Munde ist, geht die Forschung zum Thema auf das frühe 20. Jahrhundert zurück und setzt in Österreich ein: Eugen Steinach, Vorarlberger Physiologe, gilt als wegweisender Pionier in Sachen Verjüngung. In den Anfängen wurde noch aus Stierhoden und Kuheierstöcken extrahiert, heute ist man weitaus humaner und unterscheidet vorrangig zwischen synthetischen und bioidenten Hormonen. Letzteres bedeutet nicht, dass sie rein biologisch oder ausschließlich aus Pflanzen hergestellt werden, sondern – laut Marion Noe – »geht man von pflanzlichen Grundstoffen aus, um die ein synthetisches Gerüst gebaut wird. Jedes am Markt erhältliche Östradiol ist bioident, da es die einzige Art der möglichen Herstellung ist. Dennoch beinhaltet es einen chemischen Extraktionsprozess«. Während Noe von bioidenten Produkten weniger überzeugt ist, führt Anna-Maria Kiprov bioidente Cremes in ihrer Klinik, da man davon ausgeht, dass sie besser verträglich sind und weniger Nebenwirkungen haben.
Welcher Art von Hormonen man schlussendlich zuspricht, sollte keine persönliche, sondern eine fachliche Entscheidung sein. Denn am Ende ist die Zusammensetzung ausschlaggebend, die je nach Person und Bedarf völlig unterschiedlich ausfällt und individuell zusammengestellt werden sollte. Kiprov dazu: »Als Patient sollte man nicht alles einnehmen und jedem Trend hinterherjagen. Ein achtsamer Umgang mit Hormonen setzt ein vertrauensvolles Arzt-Patient-Verhältnis voraus. So ist es ist für uns als Ärzte essenziell, genaue Fragen zu stellen, wie: Wo gibt es Defizite und was fehlt einem? Wir führen in der Klinik eine Lifestyle-Beratung durch, wo Themen wie Sport und Schlafhygiene genauso eine Rolle spielen. Erst wenn alles andere ausgeschlossen ist, greifen wir zu Hormonen.« Auf Kombinationspräparate und diverse, trendige Zusätze sollte man laut Anna-Maria Kiprov allerdings besser verzichten. Denn auch wenn Hormone und ihre Substituierung in aller Munde sind, weiß man heute, dass auch ein anderer Faktor im Alterungsprozess eine tragende Rolle spielt bzw. dass es eine Wechselwirkung damit gibt: die Genetik. So regulieren und manipulieren Hormone Gene im Erbgut. Ein leichtsinniger Umgang damit kann dementsprechend fatale Folgen haben. Man merkt schnell: Dies ist ein ungleich komplexeres Thema als gemeinhin erwartet, welches man wirklich den Profis überlassen sollte – den richtigen. Allerdings kann man selbst auch etwas zu seinem Wohlbefinden beitragen. Marion Noe beruhigt: »Wenn man gesund altern will, ist die richtige Ernährung noch immer das Allerwichtigste. Überernährung in Kombination mit mangelndem Sport ist der Supergau für gesundes Altern. Es gibt genetisch bedingte Unterschiede, wie schnell unser Stoffwechsel runterfährt, aber durch eine gute Lebensführung kann man dies positiv beeinflussen und dem Entgegenwirken!«
Superfood für Superwomen
Klein, aber oho: Die Sojabohne Natto wird in Japan traditionell zum Frühstück verzehrt und hat dort aufgrund ihres hohen Vitamin- K2-, Isoflavon-, Nattokinase- und Spermidingehalts einen besonderen Stellenwert in der gesunden Ernährung. Sie wird nicht nur ob ihrer positiven Auswirkung auf das Herz-Kreislauf-System geschätzt, sondern beugt auch Begleiterscheinungen der Wechseljahre vor: Japanerinnen leiden seltener im Klimakterium als Europäerinnen. Nun haben Studien ergeben, dass es einen signifikanten Zusammenhang mit dem Verzehr von Natto gibt. Allerdings ist Natto keine besondere Art der Sojabohne, sondern eine ganz besondere Art der Herstellung: Kleinsamige Bohnen werden dafür gekocht und anschließend bakteriell fermentiert. Die Fäden ziehenden Böhnchen wirken auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig, sind aber u. a. auch wahre Energiespender. Das österreichische Label Farmento produziert Natto aus eigenem Bio-Anbau: Glas Natto, 220 g um € 8,90.
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