Die Gastronomiebranche steht angesichts der Teuerung vor einem komplexen Problem.
© Pexels / Yan Krukau
Inflation in der Gastronomie: Herausforderungen und globale Auswirkungen
Die steigende Inflation stellt nicht nur die Gastronomie, sondern auch Regierungen weltweit vor erhebliche Herausforderungen.
von Alexandra Gorsche
11. Oktober 2023
Bereits in einem Vortrag auf dem European Foodservice Summit 2022 in Zürich betonte David Henkes, Senior Principal und Leiter der strategischen Partnerschaften bei Technomic, die gravierenden Auswirkungen der Inflation auf die US-amerikanischen Restaurantketten. Mit einer Inflationsrate von 8,2 Prozent erleben sie eine beispiellose Belastung ihrer Betriebskosten. Diese Inflation ist jedoch nicht auf die USA beschränkt. Die globale Lebensmittelkrise betrifft die gesamte Branche und darüber hinaus die politische Landschaft.
Rekordniveau
Um nur einige Zahlen zu nennen: Im Jahr 2022 stieg die Inflationsrate mit einem Durchschnittswert von 6,9 Prozent in Deutschland auf Rekordniveau an, seit den Nachkriegsjahren gab es keine höhere Inflationsrate in der Volkswirtschaft. In den ersten Monaten 2023 stiegen die Verbraucherpreise weiter an, teilweise sogar auf 8,8 Prozent im Vorjahresvergleich. Erstmals im September 2023 ist die Inflationsrate im Vergleich zum Vormonat auf 4,5 Prozent gefallen, in Österreich liegt sie nach wie vor bei 6,1 Prozent. Dem sich im Zeitablauf verändernden Konsumverhalten der Haushalte wird durch eine jährliche Anpassung und Neugewichtung des Warenkorbs Rechnung getragen. Die wichtigsten Posten im nationalen Warenkorb von Österreich sind Stand 2023 Wohnen und Energie mit 19,2 Prozent, Verkehr mit 13,4 Prozent sowie Restaurants und Hotels mit 13 Prozent.
Anstieg der weltweiten Lebensmittelpreise
Regierungen weltweit sind gezwungen, nach Lösungen zu suchen, um die steigenden Lebensmittelpreise einzudämmen. Infolge eines 33-prozentigen Anstiegs der weltweiten Lebensmittelpreise im Vergleich zum Vorjahr, wie von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen berichtet, sind Politiker:innen alarmiert. Pflanzenöl, Getreide und Fleisch haben besonders stark zugelegt. Zusätzlich zu diesen Preisanstiegen tragen extreme Wetterbedingungen, gestiegene Fracht- und Düngemittelkosten, Transportengpässe und Arbeitskräftemangel zur Verschärfung der Krise bei.
Die Regierungen sind jedoch in einem Dilemma gefangen, da sie bestrebt sind, die politischen Folgen dieser Preissteigerungen zu verhindern. Die steigenden Lebensmittelpreise könnten zu sozialen Unruhen führen und die politische Stabilität gefährden. Doch die komplexen globalen Faktoren, die diese Krise ausgelöst haben, machen es schwierig, effektive Lösungen zu finden.
Komplexe Herausforderung
In dieser Zeit der wirtschaftlichen Unsicherheit und Inflation müssen Gastronom:innen Strategien entwickeln, um ihre Betriebe zu optimieren und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit aufrechtzuerhalten. Die Anpassung der Kalkulation, die Suche nach nachhaltigen Lieferant:innen, die Überprüfung der Speisekarte und die transparente Kommunikation mit den Gästen sind Schlüsselkomponenten, um den Herausforderungen der Inflation zu begegnen.
Die Gastronomiebranche steht vor einem komplexen Problem, das sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene Auswirkungen hat. Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Regierungen, um die Auswirkungen der Inflation auf die Lebensmittelversorgungskette zu minimieren und gleichzeitig den Bedürfnissen der Verbraucher:innen gerecht zu werden. In der Coronakrise kam es zur Abfederung der Auswirkungen durch finanzielle Maßnahmenpakete. Der Bedarf an Liquidität aufgrund der gestiegenen Einkaufspreise ist derzeit so hoch wie nie zuvor. Laut einer Umfrage des Finanzombudsteams haben 85% der befragten Unternehmen zusätzliche Finanzierungsmittel beantragen müssen, aber die Banken neigen dazu, diese abzulehnen. Dies erhöht das Risiko von Betriebspleiten.
Wie können sich Gastronom:innen am besten aufstellen?
Die Fixkosten in Form von Energie, Löhnen und Miete steigen, ebenso wie die variablen Kosten beim Einkauf von Lebensmitteln. Wenn Sie alle Faktoren unverändert lassen, müssen Sie Ihre Preisgestaltung anpassen. Die Frage ist jedoch, wie Ihre Gäste darauf reagieren werden. Hier sind einige Tipps, wie Sie besser kommunizieren und möglicherweise an einigen Stellen Kosten einsparen können:
- Überprüfen Sie Ihren Betrieb & Ihre Lieferant:innen
Gibt es Möglichkeiten, Energie zu sparen oder den Verbrauch von Gas und Öl zu reduzieren? Gehen Sie verschwenderische Lebensmittelabfälle kritisch durch und überlegen Sie, wo Sie jetzt sparen können. Wenn Sie gute Beziehungen zu Ihren Lieferant:innen haben, können Sie möglicherweise strategische Vorkäufe und Lagerbestände aushandeln, um die Einkaufspreise möglichst lange stabil zu halten. Alternativ sollten Sie lokale Lieferant:innen in Betracht ziehen, die Sie zu wettbewerbsfähigen Preisen beliefern können. - Dynamische Preisgestaltung
Betrachten Sie Ihre Speisekarte kritisch und überlegen Sie, ob Sie saisonale Angebote in Betracht ziehen können, um Lieferengpässe oder teure exotische Zutaten zu vermeiden. Eine dynamische Preisgestaltung kann helfen, um Preise kurzfristig anpassen zu können. - Transparenz
Kommunizieren Sie Änderungen auf Ihrer Speisekarte transparent und positiv. Zeigen Sie Fotos von Ihren Lieferant:innen oder betonen Sie die saisonalen Angebote. Schulen Sie Ihr Servicepersonal, damit sie die Änderungen positiv erklären können, und seien Sie offen für Fragen und Beschwerden Ihrer Gäste.
Lesenswert
Nach turbulenten Monaten plant das Drei-Sterne-Restaurant einen Neustart – personall und kulinarisch.
© Pe3k / Shutterstock.com
»Noma« startet neu: Kopenhagen-Comeback mit neuer Führungsriege
Eines der einflussreichsten Restaurants der Welt steht vor einem weiteren Umbruch. Mit der Rückkehr nach Kopenhagen verändert »Noma« nicht nur seine Führung, sondern auch das gastronomische Konzept grundlegend.
Leichte Bier-Welt: Immer mehr Gäste wünschen sich mit weniger oder ganz ohne.
© canva.com / Nastasic
Brau dich ruhig! Leichte Biere und solche ganz ohne liegen im Trend – und bringen Umsatz
Jedes zehnte Bier ist alkoholfrei, das Helle gewinnt weiter Fans. Ja, selbst der »Saure Radler« ist plötzlich keine rein alemannische Trinkart mehr. Wer den Publikumsgeschmack kennt, zapft weiter mit Gewinn.
Obwohl die Teilnahme an der »Masterclass« freiwillig ist, gibt es für das nächste Schuljahr bereits eine hohe Nachfrage – eine zusätzliche »Masterclass« ist geplant.
© Hertha Firnberg Schulen
Cooles Format: Firnberg-Masterclass zeigt, was der Wiener Nachwuchs kann
Auf das Prüfungsessen haben sich die Teilnehmenden der Masterclass wochenlang vorbereitet. Sechs Schüler der »Hertha Firnberg Schulen für Wirtschaft und Tourismus« stellten sich der Jury und zeigten, was vier Module unter Spitzenkoch Valentin Kalteis aus ihnen gemacht haben.
Die PROFI-Bier-Experten (v.l.): Tono Soravia, Ralph Hoffmann, Marion Weinberger, Mirco Meyer und Miachel Kolarik-Leingartner.
© Jan Tiam Dorfer
Bier-Sager: Fünf Experten-Statements vom großen PROFI Round Table
Das exklusive PROFI-Diskussionsformat bringt Branchenkenner zusammen und große Themen auf den Punkt. Beim Round Table zum Thema Bier sprachen fünf Experten mit Chefredakteur Roland Graf – und das sind Ihre Statements zur ”Bier-Lage«.
Paul Ivić (2.v.r.) war bereits zu Gast beim Gartensommer von »ARCHE NOAH« in Langenlois, nun hat er den offenen Brief an die EU unterzeichnet.
© Bernd Kajtna (ARCHE NOAH), Alwin Jurtschitsch
»Zukunft des Geschmacks in Gefahr«: 122 Spitzenköche kritisieren EU-Saatgutgesetz
Kurz vor dem Ende der Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht wächst der Widerstand aus der Gastronomie. 122 Küchenchefs und Gastronomen aus 19 Ländern warnen vor negativen Folgen für Vielfalt, Geschmack und Ernährungssicherheit.
Thomas Bühner möchte zu seinen westfälischen Wurzeln zurückkehren – und sucht bereits Personal für sein neues Restaurant.
© Sabine Meier
Nach Hamburg-Rückschlag: Spitzenkoch Thomas Bühner startet neues Gastroprojekt
Noch sind viele Details offen. Fest steht jedoch: Spitzenkoch Thomas Bühner arbeitet an einem neuen Restaurantprojekt im Münsterland und sucht bereits Führungskräfte für Küche und Service. Was bisher bekannt ist.
Meist gelesen
TVB Paznaun-Ischgl
© Von Juli bis Oktober 2026 verwandeln sich neun ausgewählte Hütten und Almen im Paznaun in besondere Genussstationen.
Gipfel der Genüsse: Gourmetköche warten im Paznaun auf 2.000 Metern
Regionale Produkte allein reichen oft nicht mehr aus, um Gäste zu begeistern. Im Paznaun setzt man deshalb auf eine enge Zusammenarbeit von Produzenten, Hüttenwirten und Spitzenköchen – und macht daraus ein touristisches Gesamtkonzept.
Seit 1986 ist »Herr Franz« aus dem »Unterwirt« in Ebbs weder für Gäste noch für Familie Steindl wegzudenken.
© Tollerien Didi
So kann Gastro gelingen: »Herr Franz« feiert 40 Jahre im »Unterwirt«
»Herr Franz« feiert gleich doppelt: 40 Jahre im »Unterwirt« in Ebbs und seinen 60. Geburtstag. Eine Geschichte die zeigt, dass Gastronomie mit Wertschätzung und Treue funktioniert.
Beim Hintergrundgespräch treffen sich Gabriele und Moritz Huth, Richard Angerer und Dr. Thomas Peschta, um über Herausforderungen und Lösungswege in der Gastronomie zu diskutieren (v.l.).
© YIELD
Daten statt Bauchgefühl: Ein Tool hilft, die Gastro zu optimieren
Wie können Betriebe wirtschaftlich stabiler und flexibler agieren? Diese Frage stellten sich Vertreter aus Gastronomie, Wirtschaft und Technologie. PROFI war dabei und hat die wichtigsten Erkenntnisse für Sie.
Wer seine Karte modernisieren, jüngere Zielgruppen ansprechen oder einfach einen starken Eyecatcher braucht, liegt mit dem Crunchy Kimchi Burger genau richtig.
© Foto beigestellt
Produkt der Woche: Crunchy Kimchi Burger
Advertorial
Der Crunchy Kimchi Burger bringt frischen Wind auf Ihre Karte – laut, bunt und maximal im Trend. Der Food-Hype aus Südkorea liefert genau das, was Gäste heute lieben: echte Gemüsestücke, internationale Trendgeschmäcker und richtig viel Crunch.
Leitungswasser als Grundrecht: Die Richter entschieden dagegen. Das Glas der Klägerin blieb nicht nur halb, sondern ganz leer.
© unsplash.com/Sandra Seitamaa
Ja, das darf der Wirt! Kein Recht auf Leitungswasser im Luxushotel
Ein Dauerbrenner macht rechtzeitig zur Sommersaison wieder Schlagzeilen. Spannender als die Sensationsmeldung ist aber die Begründung der Richter. Und noch mehr: Was sagen Österreichs Gastronomen? PROFI weiß beides.
Neues Experten-Format: Beim PROFI Round Table diskutierten neun Gastronomen und Produzenten über das Dauerthema Wasser.
© unslash.com/Clint McKoy
Wasser in der Gastronomie: Die PROFI-Analyse von sechs Experten zum Dauerthema
Eine 360°-Perspektive gibt dem PROFI Round Table seinen Namen. Bei der Runde zu »Wasser in der Gastronomie« wurde das besonders wertvoll – und das passte zu diesem nationalen Schatz!
Der Newsletter für echte Profis
Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!

