© LK Steiermark/Danner

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Apfelernte 2024: Steirischer Obstbau in einer kritischen Phase

Unvorhergesehene Faktoren wie die Witterung oder Schädlinge stellen Landwirte in diesem Jahr vor große Herausforderungen.

von Alexandra Gorsche
05. September 2024

Die Obstbauern in der Steiermark stehen vor gewaltigen Herausforderungen und benötigen dringend Unterstützung, insbesondere bei Investitionen in Frostschutzberegnung. Zudem ist eine Senkung der hohen Lohnnebenkosten sowie ein effektiver Schutz vor invasiven Schädlingen notwendig. 

Eine Ernte mit Licht und Schatten 

Die diesjährige Apfelernte in der Steiermark startete so früh wie noch nie, rund zwei Wochen früher als üblich. Auf den ersten Blick scheint das warme Wetter von Vorteil gewesen zu sein, da die vielen Sonnenstunden und gut verteilten Niederschläge das Aroma und die Inhaltsstoffe der Äpfel positiv beeinflusst haben. Doch dieser Vorteil kann nicht über die schlechten Nachrichten hinwegtäuschen: Die Bauern ernten in diesem Jahr nur etwa ein Drittel der üblichen Menge – konkret 59.000 Tonnen. Ohne den Einsatz von Frostschutzmaßnahmen, insbesondere der Frostberegnung, wäre die Situation noch katastrophaler. Dank der geringeren Frostschäden in anderen Regionen ist die nationale Versorgung dennoch weitgehend gesichert. 

Qualitätskontrolle vor der Ernte zeigt dramatische Schäden durch Frostnacht im April. Im Bild v.l.n.r.: Vizepräsidentin Maria Pein, Obstbauchef Manfred Kohlfürst, Obstbauer Karl Haberl (Senior), Kammerdirektor Werner Brugner, Obstbauer Stefan Haberl (Junior) und LK-Obstbauexperte Herbert Muster © LK Steiermark/Danner

Frostschutz als entscheidender Faktor 

Der steirische Obstbau befindet sich in einer kritischen Lage, doch die Frostberegnung erweist sich als ein bedeutender Hoffnungsschimmer. Wie das aktuelle Jahr zeigt, konnte auf den 400 Hektar frostberegneter Flächen, die nur 8 Prozent der gesamten Anbaufläche ausmachen, etwa 42 Prozent der gesamten Ernte eingebracht werden. Demgegenüber stehen 92 Prozent der Fläche ohne Frostberegnung, wo lediglich 58 Prozent der Ernte geerntet wurden. 

Notwendige Maßnahmen gegen den Abwärtstrend 

Frostberegnung hat sich als effektivster und umweltfreundlichster Schutz gegen Frost erwiesen. Doch die hohen Investitionskosten für Speicherbecken und Beregnungsanlagen stellen viele Betriebe vor finanzielle Herausforderungen, die in den aktuell schwierigen Zeiten kaum zu bewältigen sind. „Im Sinne der Klimawandelanpassung ist es unerlässlich, diese richtungsweisenden Investitionen mit öffentlichen Mitteln zu fördern, um den steirischen Obstbau langfristig zu sichern“, betont die Vizepräsidentin. 

Klimawandel und dessen Folgen 

Die zunehmende Erwärmung hinterlässt deutliche Spuren in der Steiermark. In den letzten neun Jahren gab es aufgrund von Spätfrösten nur zwei normale Ernten, die zu niedrigen Marktpreisen verkauft wurden. Die Zahl der Produzenten ist seit 2017 von 1.116 auf 950 gesunken, und die Anbaufläche hat sich um 1.000 Hektar reduziert. 

Unterstützung auf Landesebene 

Landesrätin Simone Schmiedtbauer setzt sich für verstärkte Unterstützung ein. Angesichts der gravierenden Auswirkungen des Klimawandels auf den steirischen Obstbau ist es notwendig, weiterhin in praktikable Klimaschutzmaßnahmen zu investieren. Gleichzeitig fordert sie eine direkte Entlastung der Obstbauern. Neben den bestehenden Unterstützungen, wie Zuschüssen zur Hagelversicherung, ist eine Erhöhung der Fördermittel für Frostberegnung dringend erforderlich. 

Ein Appell für einen Kurswechsel 

»Der steirische Obstbau ist noch nicht verloren, aber er steht am Scheideweg«, warnt Manfred Kohlfürst, Obmann der steirischen und österreichischen Obstbauern. Er kritisiert die hohen Lohnnebenkosten und die eingeschränkten Möglichkeiten, invasive Schädlinge wirksam zu bekämpfen. Kohlfürst fordert daher einen klaren Kurswechsel in Österreich, der eine Senkung der Lohnnebenkosten sowie mehr wirksame Mittel gegen eingeschleppte Schädlinge umfasst. 

Frostberegnung als effizienter und umweltfreundlicher Schutz 

Kritik an der Frostberegnung als Wasserverschwendung weist Kohlfürst entschieden zurück. Diese Methode sei hocheffizient und umweltfreundlich, da kein Liter Wasser verloren gehe, sondern in die Natur zurückgeführt werde. Das für die Beregnung genutzte Wasser sei lediglich überschüssiges Wasser, das in Speicherbecken gesammelt werde. 

Beratung und Unterstützung für Obstbauern 

Der steirische Apfelanbau ist arbeitsintensiv und wird vorwiegend in kleinen Familienbetrieben betrieben. Kammerdirektor Werner Brugner hebt hervor, dass die Verfügbarkeit von Wasser und der Schutz vor extremen Wetterereignissen entscheidend für die Zukunft dieser Betriebe sind. Die Landwirtschaftskammer hat daher ihre Beratung um den Schwerpunkt »Wasser und Frostschutz« erweitert und unterstützt die Obstbauern bei der Errichtung von Frostschutz- und Bewässerungsanlagen. 

Schlechte Stimmung unter den Produzenten 

Eine Befragung im Frühjahr 2024 zeigte, dass zwei Drittel der steirischen Apfelproduzenten in den letzten fünf Jahren von ihrer Substanz leben mussten. Viele haben bereits die Aufgabe ihres Betriebs eingeleitet, und jeder fünfte Produzent plant, die Produktion ganz einzustellen. 40 Prozent zögern mit weiteren Investitionen. 

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