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© Stine Christiansen

Cortis Küchenzettel: Gebacke Eier Pascal

Rezept
Ei
Tipps

Die besten Dinge werden oft übersehen, weil sie zu alltäglich erscheinen. Dazu gehört auch der Inbegriff des perfekten Lebensmittels: das Hühnerei.

Weil’s verdammt noch mal wahr ist: Gute Eier waren schon deutlich günstiger zu haben. Andererseits: Gerade am Preisunterschied zwischen Freilandeiern von Hendln aus Biohaltung und jenen aus dem Großstall lässt sich schön illustrieren, dass Qualität ihren Preis hat. Und ein Hendl, das nach Lust und Laune in der Erde scharren konnte, den Wechsel der Tage und Nächte, Jahreszeiten und Temperaturen tatsächlich erleben durfte, statt immer nur bei Neonlicht eingesperrt zu sein – so ein Hendl wird im Zweifel auch ein besseres Ei legen. Im Idealfall kennen Sie ja einen Bauern, der seine Hühner noch im Freien gackern lässt. Wenn Ihnen der hin und wieder ein paar Eier überlässt, haben Sie schon gewonnen. Günstiger geht es im Normalfall nicht, besser auch nicht.

In Sachen Preiswürdigkeit kann aber auch den Bio-Eiern aus dem Supermarkt nach wie vor nix das Kochwasser reichen. Es gibt kein vergleichbares Lebensmittel, bei dem die Qualität, Verdaulichkeit, Zusammensetzung und der Gehalt an ­Vitaminen und Mineralstoffen auch nur annähernd ähnlich gut zu haben wären – um so wenig Geld. Gar nicht zu reden von der Wichtigkeit, die so ein unscheinbares Lebensmittel für die Entwicklung der Küchenkunst und das gute Essen als solches hatte und immer noch hat.

Tatsächlich ist das gute Essen ohne Eier ziemlich unvorstellbar, und da ist von Desserts, die ohne Ei so gut wie gar nicht funktionieren, noch gar nicht die Rede. Aber auch die einfachsten Dinge aus Ei sind groß: Nicht wenige richtig große Köche sind überzeugt, ein korrekt zubereitetes Omelett sei die beste Speise überhaupt.

Und auch sonst: Mayonnaise etwa, diese große Tochter des Dotters, gilt aus guten Grund als beste Sauce der Welt – selbst gerührte natürlich, nicht die Fettcreme aus der Tube! Mit ihren gewöhnlichen Zutaten, aus denen dank Achtsamkeit und Regelmäßigkeit etwas außerordentlich Großes und Beglückendes entsteht, ist sie auch noch eine wunderbare Parabel auf das Leben. Dafür wird simples Gemüse in ihrer Gesellschaft zur sündhaft guten Frivolität. Wer in Sachen beste Sauce eher zur Hollandaise-Fraktion gezählt werden will: Funktioniert genauso, ist ohne Eier ebenso unvorstellbar.

Von Alain Ducasse, dem legendären Drei-Sterne-Koch, erzählt man, dass er Jobanwärter im Bewerbungsgespräch zuallererst ein Spiegelei braten lässt. Von der Sorgfalt, mit der der Kandidat sich dem bescheidenen Ei widme, so Ducasse, könne er ganz viel über dessen Charakter ablesen. In diesem Sinne: Besser aufschlagen als aufschneiden!

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Erschienen in
Falstaff Magazin Österreich Nr. 10/2024

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Severin Corti
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