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Birgit Reitbauer (l.) und Maryam Yeganehfar gehören zum neuen Opernball-Komitee.

Birgit Reitbauer (l.) und Maryam Yeganehfar gehören zum neuen Opernball-Komitee.
© Stefan Gergely

»Es ist ein großes Abenteuer«

Opernball
Ball
Wien

Ein Expertinnen-Komitee bringt heuer erstmals seine langjährige und vielfältige berufliche Erfahrung in die Planung mit ein.Falstaff bat die Damen zum Gespräch.

Ihre Namen sind längst Legende in der langen Geschichte des Wiener Opernballs: Christl Schönfeldt, Lotte Tobisch, Elisabeth Gürtler, Desiree Treichl-Stürgkh, Maria Großbauer. Sie alle haben der Großveranstaltung ihren ganz persönlichen Stempel aufgedrückt und sind bis heute als »Ballmuttis« im kollektiven Gedächtnis fleißiger Ballgeher verhaftet. Doch mit dem Opernball 2023 wird auch das neu – zumindest ein bisschen. Denn anders als in all den Jahren zuvor unterstützt heuer ein ehrenamtliches dreiköpfiges Komitee die Ballorganisation. Diese drei Expertinnen sind:

Birgit Reitbauer, Top-Gastronomin und Patronne der Wiener Restaurant-Legende »Steirereck«;

Nadja Swarovski, in London lebende Mode- und Designexpertin.

• Und Maryam Yeganehfar, Eigentümerin der Eventagentur »yamyam« und anerkannte Expertin in den Bereichen Eventplanung, Dekoration und Setting;

Der Falstaff bat Birgit Reitbauer und Maryam Yeganehfar zum Interview:

»Der Ball entwickelt sich immer weiter. Es ist jetzt manches neu und wir werden sehen,wie das angenommen wird«, erklärt Maryam Yeganehfar.
© Stefan Gergely
»Der Ball entwickelt sich immer weiter. Es ist jetzt manches neu und wir werden sehen,wie das angenommen wird«, erklärt Maryam Yeganehfar.

Falstaff: Bisher gab es immer eine Dame, die gleichsam als »Gesicht des Balls« fungiert hat, jetzt sind Sie zu dritt. Welches sind Ihre expliziten Aufgaben im Komitee?

Birgit Reitbauer: Direktor Bogdan Roscic wollte den Druck von einer einzigen Dame wegnehmen und den Fokus mehr auf die Oper an sich legen und hat deshalb ein Komitee ins Leben gerufen. Er hat für jeden Bereich, bei dem er dachte, da braucht es etwas tiefere Einblicke, einen Profi gesucht, und bei mir ist das die Gastronomie, alles, was Essen und Trinken am Ball betrifft.

Maryam Yeganehfar: Und bei mir geht es primär um die Gestaltung der Räumlichkeiten, um die Dekoration, um die musikalischen Darbietungen in den Nebenräumen – im Grunde alles, was den Event zum Event macht, außer die Kulinarik. Jeder von uns macht das, was er am besten kann.

Wie zeitaufwendig ist diese Aufgabe?

Maryam Yeganehfar: Es war jedenfalls nicht unaufwendig, wir haben schon einige Stunden in der Oper verbracht. Aber es ist natürlich eine schöne und spannende Aufgabe. Man darf nicht vergessen: Hier wird ein großes Werk zusammengeführt, bei dem viele Parteien ihren Teil erbracht haben. Das alleine ist schon ein großes Abenteuer.

Was war für Sie in der Vorbereitung besonders wichtig?

Birgit Reitbauer: Ich denke die Kultur ist das Entscheidende. Aber natürlich hat jeder Gast auf dem Ball seine eigenen Bedürfnisse. Die einen wollen primär tanzen, die anderen wollen sehen und gesehen werden, wieder andere wollen vor allem kulinarisch genießen … Ich denke, es gibt so viele Faktoren, die man bedenken muss. Das Wichtigste ist, dass sich die Oper an diesem Abend präsentieren kann – der Ball eröffnet ja auch die Möglichkeit, dieses Haus in all seinen Facetten zu erleben.

Maryam Yeganehfar: Was auch ganz wichtig ist: dass man auf den Opernball stolz ist – auf die Staatsoper und die Kunst, die hier jeden Tag gelebt wird. Aber auch auf die Tatsache, dass es den Ball gibt. Und nicht zuletzt, dass den Menschen nach zwei Jahren Coronapause die Freude am Tanzen, am Fest und an der sozialen Begegnung wiedergegeben wird.

Birgit Reitbauer: Ich glaube, es gibt viele Ballbesucher, die sich gar nicht leicht damit tun, sich die Karte zu leisten, für die es aber etwas ganz Besonderes ist, auf diesen Ball zu gehen. Und gerade auch für diese Menschen wollen wir den Ball zu etwas ganz Besonderem machen.

»Jeder Ball-Gast hat seine Bedürfnisse: Die einen wollen tanzen, andere sehen und gesehen werden oder aber kulinarisch geniessen. Es müssen viele Faktoren bedacht werden«, fasst Birgit Reitbauer zusammen.
© Stefan Gergely
»Jeder Ball-Gast hat seine Bedürfnisse: Die einen wollen tanzen, andere sehen und gesehen werden oder aber kulinarisch geniessen. Es müssen viele Faktoren bedacht werden«, fasst Birgit Reitbauer zusammen.

Waren Sie selbst in früheren Jahren bereits als Gäste auf dem Opernball?

Maryam Yeganehfar: Nein, noch nie.

Birgit Reitbauer: Ich war schon öfters hier als Gast, es ist der einzige Ball, den mein Mann und ich als Gäste besuchen. Wir kommen aber meistens erst recht spät hierher, weil es sich für uns schlicht nicht anders ausgeht. Einmal sind wir sogar erst in allerletzter Sekunde über einen Hintereingang ins Haus gekommen, kurz bevor die Eröffnung losgegangen ist. Es ist für uns ein besonders schöner Ball, bei dem man viele Menschen trifft, die man kennt und schätzt. Und es ist hier immer auch eine gewisse Ausgelassenheit, was diesen Ball zusätzlich auszeichnet.

Gibt es etwas am Ablauf oder in der Gestaltung, das Sie heuer bewusst geändert haben im Vergleich zu den Bällen vor der Coronapandemie?

Birgit Reitbauer: Es war für uns ja eine ganz hervorragende Basis aus den vielen Jahrzehnten davor vorhanden, wo in jedem Jahr immer wieder einige kleine Schritte vorwärts gemacht worden sind, um den Ball zu verbessern. Und man muss sich immer bewusst sein: Nach dem Ball ist vor dem Ball. Wir werden uns sehr bald wieder zusammensetzen und alle möglichen Aspekte beleuchten – was hat gut geklappt, was könnte man wie verbessern. Wir werden natürlich auch das Feedback der Gäste miteinbeziehen – es kommt ja jedes Jahr ein riesiger Schwung mit Rückmeldungen zu allen möglichen Eindrücken und Erlebnissen. Das werden wir uns bewusst anschauen und aufarbeiten, um dann wieder an der einen oder anderen Schraube zu drehen und das Gute noch ein bisschen besser machen.

Maryam Yeganehfar: Der Ball ist einem ständigen Wandel unterworfen, er entwickelt sich immer weiter. Da kann man nur schwer sagen, dass etwas besser oder schlechter ist – es ist jetzt einfach manches neu und wir werden sehen, wie das angenommen wird. Und es geht ja nicht zuletzt auch darum, dass wir uns in unseren Rollen einmal einleben und unseren ersten Ball gut über die Bühne bringen.

Das heißt dann natürlich folgerichtig, Sie werden in diesen Positionen auf jeden Fall weitermachen …?

Birgit Reitbauer: Das wissen wir noch nicht … (lacht)

Maryam Yeganehfar: Wir hoffen es natürlich, aber wir wissen es noch nicht.

Wie hat die Zusammenarbeit mit dem Operndirektor geklappt?

Maryam Yeganehfar: Sehr auf Augenhöhe, für mich war es ein bestätigender und befruchtender Austausch. Man merkt, dass er eine Vision hat und umsetzen möchte.

Birgit Reitbauer: Ja, ich sehe das genauso. Und er ist in seiner Art sehr direkt, was ich ganz großartig finde – Direktheit ist ganz wichtig.

Was werden aus Ihrer Sicht die Highlights des heurigen Opernballs sein?

Birgit Reitbauer: Die Eröffnung, an der heuer viel mehr junge Menschen teilnehmen werden als bisher – das finde ich ganz wichtig, weil auch dieser Ball braucht Verjüngung in all seiner Form. Dann natürlich das Kreative, die Optik, ich denke, es werden alle Elemente zusammenspielen und es wird ein großartiger Ball werden. Und die Kunst steht ja trotzdem wie immer im Vordergrund.

Stichwort Solidarität: Erstmals werden heuer auf jede Eintrittskarte 35 Euro zusätzlich eingehoben. Dazu kommen auf alle Gastronomieumsätze 15 Prozent Aufschlag, die so eingenommene Gesamtsumme geht an die Aktion »Österreich hilft Österreich«.
Denken Sie, dass das ausreichend ist, oder könnte man noch mehr unternehmen? Und wird dieser Solidaritätsaspekt einen Effekt haben, eventuell sogar Auswirkungen auf andere Bälle?

Maryam Yeganehfar: Ich halte diese Initiative für sehr wichtig und ich finde es auch notwendig, dass man hier Position bezieht und denen, die keine Möglichkeit haben, an solch einem Ball teilzunehmen, trotzdem etwas Positives zufließt aus dieser Veranstaltung. Ich glaube auch, dass das absolut richtig, dass die Oper dem auf diese Art nachgeht.

Birgit Reitbauer: Soweit ich weiß, ist der Opernball der erste große Ball, der das so durchzieht. Und wenn es inspirierend ist für andere, dann ist es nur umso positiver.

Martin Kubesch
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