Neu in Wien: »Kaffee Kunze« mit Berliner Schnauze und Nostalgie-Preisen
Ein altes Beisl wurde zum »Kaffee Kunze«, ein Konzept der »Café Eiles«-Betreiber nach Berliner Vorbild. Geöffnet ist von früh bis spät für Buletten und Drinks.
Das »Kaffee Kunze« ist versteckt und dann doch nicht zu übersehen. Weil es sich hinter der U2-U5-Baustelle Rathaus verbirgt, hat man die Pressspanplatten mit Plakaten der Neueröffnung tapeziert, am Hausvorsprung prangt »Küche, Cocktails, Kaffee« und bei Nacht weist der rot leuchtende Schriftzug den Weg.
Das ehemalige Tschocherl in der Auerspergstraße 19 wurde von Gert und Nana Kunze, Betreiber des benachbarten »Café Eiles«, übernommen und in »Kaffe Kunze« umbenannt. Und das hat so viel Charakter und skurrile Spielereien, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.
Preiswerte deutsche Küche
Zuerst wäre da das ausdrücklich Berliner Kaffee-Restaurant-Bar-Konzept, geöffnet ist von früh (ab 10 Uhr) bis spät für preiswerte, deutsche Küche: zünftiges Frühstück, Frikadellen, Buletten, Mettbrötchen oder Nürnberger Rostbratwürste und Berliner Currywurst.
Das wechselnde Mittagsmenü mit Suppe gibt es für unter 10 Euro und bei Matjes nach Hausfrauenart fühlt man sich wirklich wie bei Mama am Tisch. Aber warum ausgerechnet ein Berliner Kaffee? »Weil es genug gute Wiener Kaffeehäuser gibt, aber keines mit deutscher Berliner Küche. Und wir wollten etwas für die Jungen machen«, sagt Kunze.
Schön schräg
Das »Kunze« folgt dem Trend der »Genz Z« in Mode und Musik – Stichwort Schallplatte: Altes wird neu aufgelegt und aufgemöbelt, wie das Parkett und die Wandvertäfelung.
Zu bemüht soll es aber bitte auch nicht aussehen, man setzt auf coole Wurschtigkeit: Dem Lokal ist seine Vergangenheit und Gegenwart anzusehen. Risse an der Decke durch den U-Bahn-Bau, die alte Tapete lugt (absichtlich) unter dem Putz hervor, passend auch die ausgesuchten Vintagemöbel.
Über der Bar flimmert ein Röhrenfernseher, das Programm besteht aus alten ORF-Zusammenschnitten: TV-Köche in Schwarzweiß, »Am Schauplatz«-Folgen und Wetterberichte aus den 1990er-Jahren von Christa Kummer in Dauerschleife. Schön schräg auch die umgebaute Kunst-Telefonzelle mit Rotlicht.
Barbetrieb mit Nostalgie-Preisen
Herrscht mittags geschäftige Gemütlichkeit, ist das »Kunze« am Abend knallvoll. Von 17 bis 2 Uhr Früh gibt es von Felix Ilami (ehemals »Kleinod«) und seinem Team gute Drinks (Espresso und Pornstar Martini, Paloma oder Negroni) zu fast schon nostalgischen Preisen.
Man wollte etwas für »die Jungen« machen, und die Jungen kommen – aber nicht nur. Teurer als 12 Euro wird es auf der Cocktailkarte nicht, das gefällt allen. Deutsche Wahl-Wiener mischen sich unter Studenten und Touristen. Nur eines fragt man sich dann doch: Wie sich ein Betrieb diese Preise (noch) leisten kann: »Mit genug Umsatz geht sich das aus. Wir sind ab 7 Uhr auf den Beinen und wenn man es gerne macht, kann man es sich leisten«, so Kunze.
1080 Wien
Österreich
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