Take me to Jerez! Oder: Wie man Sherry in Cocktails einsetzt
Einige der größten Cocktail-Klassiker wären ohne einen Schuss Sherry nicht denkbar und auch heute hat der aromatische Spanier seinen festen Platz in der Mixologie. Aber in welchen Drinks funktioniert welcher Sherry am besten?
Fragt man Cocktailfans nach dem bekanntesten Sherry-Cocktail, fällt ziemlich sicher der Name »Sherry Cobbler«. Dessen Ursprung ist zwar weitestgehend ungeklärt, aber seine Wurzeln sind sehr wahrscheinlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu suchen. Auch soll der Drink, den Harry Johnson 1882 in seinem »Bartenders Manual« einst als »erfrischendes Getränk für Jung und Alt« bezeichnete, der Grund für die Erfindung des Wachsstrohhalms gewesen sein. Immerhin lässt er sich damit – an seiner üppigen Deko aus Minzzweigen, Beeren und den großen Mengen an zerstoßenem Eis vorbei – erheblich besser genießen. Was den Klassiker aber bis heute so besonders macht, ist seine Rezeptur, in der oftmals Oloroso- und PX Sherry, Maraschino, Ananas- und Orangensaft sowie etwas Zuckersirup eine fruchtig-erfrischende Kombination eingehen. Harry Johnson war aber nicht der Erste, der Gefallen an diesem Drink gefunden hat. Schon zwanzig Jahre zuvor erwähnte Jerry Thomas in seinem »The Bartender’s Guide« nicht nur den »Sherry Cobbler«, sondern insgesamt 27 Drinks, in denen Sherry Teil der Rezeptur war. Das kann man durchaus als frühen Beleg für seine Mixability ansehen und auch heute kann Sherry viele Drinks aromatisch in ganz neue Sphären führen.
Von trockenem Fino bis opulentem PX
Sherrys können in Cocktails vor allem Komplexität, Balance, Aroma und Geschmack beeinflussen, ohne dabei den Alkoholgehalt in die Höhe zu treiben, immerhin liegt der bei lediglich 15 – 21 Vol. %. Auch das Mundgefühl kann durch die Verwendung von Sherry ein runderes, gefälligeres werden, vor allem dann, wenn man Sorten wie Oloroso, Cream oder PX einsetzt. Doch welcher Sherry-Typ passt zu welchem Drink?
Manzanilla Sherry
Diese Variante eines trockenen Fino Sherrys wird ausschließlich in der südwestspanischen Hafenstadt Sanlúcar de Barrameda hergestellt und bringt oft ein leicht pikantes Aroma mit floralen Noten mit. Trocken und frisch wie er ist, passt er gut zu klaren Spirituosen wie Wodka, Gin, Tequila, weißem Rum oder Pisco sowie Wermut. Aromatisch passt er gut zu fruchtigen Noten wie Apfel, Kirsche oder auch Mandel. Auch sollten Drinks mit Manzanilla Sherry am besten gerührt, nicht geschüttelt werden.
Fino Sherry
Wie auch den artverwandten Manzanilla Sherry setzt man den Fino eher in gerührten Drinks ein. Er passt ebenfalls bestens zu Wermut oder Sake, geht aber auch im Mix mit Tequila, Gin und Rum nicht unter. Florale oder krautige Aromen liegen ihm besonders, in Andalusien trinkt man ihn aber auch gerne mit Zitronenlimonade als Highball.
Amontillado Sherry
Der Amontillado ist so etwas wie ein mixologischer Allrounder. Gerührt, geschüttelt, gemixt mit weißen oder braunen Spirituosen - er schafft es irgendwie immer, den Drink besser zu machen. Spannend ist auch die Kombination mit Genever, Bitterlikören und Amaro.
Palo Cortado Sherry
Dieser Sherry-Typ entsteht eher zufällig, wenn sich beim Ausbau eines Finos die Florschicht versehentlich auflöst und der Wein darunter plötzlich unter Sauerstoffeinfluss oxidativ reift. So entsteht ein meist trocken ausgebauter Sherry, der aromatisch das Bindeglied zwischen einem trockenen Fino und einem üppigeren Oloroso bildet. Er begeistert mit Noten von Nüssen oder Mandeln und hat einen vollen Körper. Damit harmoniert er gut mit Aromen von Vanille, Toffee, Karamell sowie vielfältigen Spirituosen. Besonders spannend kann sein Einsatz in einem Sour sein.
Oloroso Sherry
Der »Wohlriechende« entsteht durch eine oxidative Reifung und zeichnet sich durch intensive, oft nussige Aromen aus, die von Mandeln, Walnüssen bis hin zu Röstaromen und Trockenfrucht reichen können. Damit passt er vor allem zu braunen Spirituosen. Doch auch einem Negroni vermag er einen spannenden Twist zu verpassen:
Cream Sherry
Die gefälligen, süßen und fruchtig-nussigen Cream Sherrys passen hervorragend zu Bourbon, Scotch oder Cognac. Auch ein brauner Rum wäre als Mixpartner geeignet. Vor allem in klassischen Dreiteilern kommt dieser Sherry-Typ gut zur Geltung, funktioniert aber auch in fruchtigeren, »tikistyle« Drinks.
»Fogcutter«
- 5 cl brauner, nicht zu schwerer Rum
- 2 cl Brandy
- 1 cl Dry Gin
- 1,5 cl Cream Sherry
- 1,5 cl Orgeat
- 2cl Orangensaft
- 2 cl Zitronensaft
Alle Zutaten (außer Sherry) auf Eis kräftig shaken und auf frische Eiswürfel in ein vorgekühltes Glas abseihen. Zum Schluss vorsichtig den Sherry über den Drink floaten.
Pedro Ximenez (PX) Sherry
Dieses flüssige Dessert ist auch im Mix eine aromatische Wucht, hat es doch das Potential, süßende Sirupe zu ersetzen und dem Drink zusätzliche Tiefe und Komplexität zu verleihen. Als Partner eignen sich vor allem gereifte Spirituosen, mit denen zusammen er in vielen Cocktail-Klassikern zu finden ist. Durch seine Opulenz und markante Süße schafft er es, auch den eigenwilligsten Kombinationen zu echter Größe zu verhelfen. So etwa dem…
»Rapscallion«
- 0,75 cl Pastis oder Absinth
- 5 cl rauchiger Islay Single Malt
- 2 cl PX Sherry
- 0,75 cl Eiswasser
Alle Zutaten in ein Rührglas auf Eis geben und kaltrühren. Ins vorgekühlte Glas abseihen. Alternativ kann der Drink ohne Pastis/Absinth gerührt und das Glas zuvor damit ausgespült werden.