Der Ex-Werber Hans Schmid ist auch als Winzer erfolgreich: Die Weine seiner beiden Güter »Rotes Haus« und »Mayer am Pfarrplatz« sind interna­tional und national gleichermaßen gefragt.

Der Ex-Werber Hans Schmid ist auch als Winzer erfolgreich: Die Weine seiner beiden Güter »Rotes Haus« und »Mayer am Pfarrplatz« sind interna­tional und national gleichermaßen gefragt.
© Ian Ehm

Wein-Quereinsteiger Hans Schmid im Porträt

Als Werbe-Guru hat es Hans Schmid bis ganz nach oben geschafft. Heute ist er vor allem Winzer – und zwar ein höchst erfolgreicher.

Lächelnd sitzt Hans Schmid im schattigen Gastgarten seines Gasthauses »Der Pfarrwirt«. Es werden Backhendln serviert. Und natürlich sein eigener Wein. Schmid will jetzt eine Geschichte erzählen. Wie er zu diesem herrlichen Wirtshaus im 19. Bezirk Wiens gekommen ist und wie er so ganz zufällig zum Winzer wurde.
Die Schnurre zum Besten zu geben bereitet Schmid sichtlich Vergnügen, weshalb er auch ein wenig ausholt. Die Geschichte beginnt in den 1990er-Jahren, er sei damals von einer Winzerfamilie aus Grinzing zu einer Weinverkostung mitten in den Reben am Nussberg eingeladen worden. Schon allein das rot getünchte Haus war ein Juwel, vor allem aber das atemberaubend schöne Panorama sei Schmid sofort aufgefallen. Weshalb er im Laufe des Abends in weinseliger Laune zur Dame des Hauses meinte: »Sollten Sie je ans Verkaufen denken, dann lassen Sie es mich wissen.«Jahre später, es war 2001, meldete sich die Hausbesitzerin tatsächlich und fragte nach: »Wenn Sie noch wollen, könnten Sie das Haus jetzt kaufen, aber es müsste schnell gehen, ich hätt gern heute noch Bescheid.«
Am nächsten Tag war Schmid stolzer Besitzer des »Roten Hauses« am Nussberg mit dem wahrscheinlich schönsten Ausblick Wiens und einem 1,7 Hektar großen Weingarten. Und weil man an einem so paradiesischen Ort auch gerne Gesellschaft hat, lud sich Schmid als ersten Gast den österreichischen Starpianisten Rudolf Buchbinder ein. Dem langjährigen Freund und Weinconnaisseur kredenzte er nicht ohne Stolz auch ein Glas Wein aus den neuerworbenen Nussberger Rieden. Worauf der berühmte Pianist das Gesicht verzog mit den Worten: »Lieber Hans, das Häuserl ist ja wirklich ein echtes Juwel, aber sei mir nicht bös, den Wein kann man nicht saufen.«
Heute, 16 Jahre später, zählt Hans Schmid zu den erfolgreichsten Weinerzeugern Österreichs und ist mit 74 Hektar Toplagen im 19. Bezirk und am Nussberg sowie acht Hektar in der Einzellage Alsegg im 17. Bezirk ein Gigant unter den Wiener Weinmachern.
Schmid ist heute 77. Sein Leben verlief bislang alles andere als langweilig. Es ist die Geschichte eines Kärntners, der es vom Villacher Wirtshaus- und Eisenbahnerkind zum zigfachen Millionär geschafft hat. Begonnen hat alles in der »Kronen Zeitung«. Dort wollte Schmid nach einem Welthandelstudium Wirtschaftsjournalist werden. Es war aber nur eine Stelle als Anzeigenverkäufer frei. Danach machte er sich mit einer Werbeagentur selbstständig. Später schloss er sich mit der Schweizer Werbeagentur GGK zusammen und gründete 1972 die GGK Wien.

Hans Schmid kann mit seinen 77 Jahren auf eine bewegte Karriere zurückblicken. Heute ist er einer der erfolgreichsten Winzer Österreichs
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Hans Schmid kann mit seinen 77 Jahren auf eine bewegte Karriere zurückblicken. Heute ist er einer der erfolgreichsten Winzer Österreichs

Schmid prägte die österreichische Werbeszene wie kaum ein anderer. Die große Zeit der GGK war reich an herausragenden und vielfach prämierten Kampagnen, etwa für Römerquelle, die Österreichischen Lotterien oder Palmers. 1992 kaufte Schmid die Muttergesellschaft der GGK, er vergrößerte die Agentur stetig, bis er sie im Jahr 2000 verkaufte. Dieser Deal brachte ihm ein rundes Vermögen ein.
Auch als Verleger war er mehr als umtriebig. Schmid gründete 1980 das Magazin »Wiener«, eine Zeitgeistpostille, die damals ihrer Zeit weit voraus war. Später erwarb er die schwer defizitäre »Arbeiter-Zeitung« und verlor dabei viel Geld. Der »schillernde Kreative mit Hang zur marktwirtschaftlichen Sozialdemokratie« (»Falter«) konnte das dem Untergang geweihte Parteiblatt nicht wirklich retten. Mehr Erfolg hatte er hingegen mit der Herausgabe des Gourmetmagazins »A la Carte«. Schmid kaufte aber auch den Eishockeyverein Vienna Capitals und den urtypischen Wiener Department-Store Steffl. »Ich könnte im Vermögen wahrscheinlich doppelt so weit sein, wenn ich nicht immer diese Investitionen getätigt hätte, die aber oft gut ausgegangen sind«, sagte Schmid einmal in einem Interview.

Der Ex-Werbeagentur-Boss Hans Schmid wollte sich für den »Unruhestand« ein kleines Gartenhäuschen mit Blick über Wien zulegen. Mit dem »Roten Haus« wurde daraus Schritt für Schritt ein respektables Weingut samt Traditionsheurigem und Gaststätte.

Bei seinem Engagement als önologischer Quereinsteiger war ihm jedenfalls von Anfang an klar, dass er die Rebflächen am Nussberg etwas ausweiten musste, um dann in eine vernünftige Vermarktung zu investieren. Aber auch die Qualität sollte von Anfang an stimmen. In den ersten Jahren wurden die Weine für das neue Weinlabel »Rotes Haus« in Kooperation mit einem bekannten Winzer in Stammersdorf erzeugt. Da aber auch dieser Kollege ein ausgesprochenes Interesse an den Toplagen am Nussberg erkennen ließ, entschied sich Hans Schmid, die Winzerlegende Hans Mayer in Heiligenstadt aufzusuchen, um ihn für die Idee zu gewinnen, die Weingärten des Roten Hauses mit zu bewirtschaften und den Wein zu machen.
Doch der Doyen des Wiener Weins, der jahrzehntelang Qualität auf seine Fahnen geschrieben hatte, überraschte Schmid seinerseits mit einem Angebot. Er bot ihm seinen ganzen Betrieb an: das altehrwürdige Weingut und alle Lagen. Und Schmid griff zu. So entstanden auch unter der Führung von Gerhard J. Lobner mit »Rotes Haus« und »Mayer am Pfarrplatz« zwei gleichrangige, aber stilistisch durchaus unterschiedliche Weinlinien. Erstere präsentiert stoffige, langlebige Weine, während die Mayer-Linie fruchtbetonte, frische Nuancen mit klarem Terroirbezug zur Geltung bringt.
Berühmt sind die Rieslinge des Hauses, die sich in den Toplagen des Nussbergs und am Alsegg besonders wohl fühlen. Großen Wert gelegt wird aber auf die Pflege einer besonderen Rarität der Metropole, des »Wiener Gemischten Satzes DAC«, für den mehrere Sorten gemeinsam ausgeplanzt, geerntet und verarbeitet werden. »Der erste Flaschenwein, der im Gasthaus meiner Eltern in Kärnten ausgeschenkt wurde, war vom Franz Mayer aus Wien«, erinnert sich Hans Schmid. »Dass ich einst seine Nachfolge antreten würde, das hätte ich mir niemals träumen lassen.«

© Philipp Horak
Peter Moser
Peter Moser
Wein-Chefredakteur Österreich
Herbert Hacker
Herbert Hacker
Autor
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