Alte Herren lieben's rosa: die Geschichte des »Clover Club« Cocktails
Es gibt Cocktails, die jeder kennt, und es gibt solche, die sich wie ein gut gehütetes Geheimnis anfühlen. Der »Clover Club« gehört zu Letzteren – und ist ein eleganter Klassiker mit Charme, dessen Geschichte bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreicht.
Die Ursprünge dieses Cocktails liegen in Philadelphia, jener Stadt der Gründerväter und kulinarischen Überraschungen. Der Clover Club war ursprünglich nicht nur ein Getränk, sondern auch ein elitärer Herrenclub, in dem sich Anwälte, Schriftsteller und Geschäftsleute im Bellevue-Stratford Hotel seit 1882 trafen. Dort soll der Cocktail um die Jahrhundertwende entstanden sein – als Symbol für kultivierten Genuss und gehobene Gesellschaft – und sich auch rasch verbreitet haben. Doch die Prohibition sollte den rosafarbenen Klassiker jäh ins Reich des Vergessens verdammen. Erst der Gin-Hype ließ ihn wieder dem Grab entsteigen – zum Glück, denn der erfrischende Twist auf einen Gin Sour ist eine echte Bereicherung und lässt sich sehr unkompliziert zuhause zubereiten.
Seine klassische Rezeptur? Eine delikate Mischung aus Gin, Zitronensaft, Himbeersirup und Eiweiß. Der Gin sorgt für die Wacholderbasis, der Zitronensaft bringt Frische, das Eiweiß für eine samtige Textur und der Himbeersirup für eine verführerische Süße mit feiner Säure. In einer Zeit, in der Männer dunkle, schwere Spirituosen bevorzugten, war dieser hellrosa Drink fast ein rebellisches Statement.
Aufstieg und Fall – und Wiedergeburt
Dennoch erlebte der Drink zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine Blütezeit. Er war fester Bestandteil der Cocktailkultur und tauchte in zahlreichen Rezeptbüchern auf. Doch mit der Prohibition in den USA (1920–1933) begann sein Abstieg und der anschließende Trend zu moderneren Drinks ließ den »Clover Club« zunehmend aus den Gläsern der Genießer verschwinden. Sein Ruf als »zu feminin« tat sein Übriges, um ihn aus den Barkarten der 50er- und 60er-Jahre zu verdrängen. Doch echte Klassiker verschwinden nie ganz. In den letzten zwei Jahrzehnten erlebte der Clover Club eine fulminante Wiedergeburt – befeuert durch die Craft-Cocktail-Bewegung und den Gin-Hype. Bars rund um den Globus nahmen ihn wieder ins Repertoire, und mit dem wachsenden Interesse an historischen Rezepten wurde er neu entdeckt. Ein besonderes Highlight: In Brooklyn eröffnete 2008 eine Cocktailbar namens »Clover Club«, die sich klassischen Drinks verschrieben hat – eine späte Hommage an das Original.
Variantenreich und doch ganz easy
Heute gibt es zahlreiche Variationen des Clover Club. So kann man beispielsweise frische Himbeeren statt Sirup einsetzen, wobei man dem Drink dann etwas Zuckersirup zugeben muss, da er sonst zu sauer ausfällt. Manche Kreationen arbeiten zudem mit Kräutern wie Rosmarin oder Lavendel, um dem Drink eine neue Tiefe zu verleihen, oder ersetzen den Gin durch Himbeergeist. Doch dann entfernt man sich vielleicht schon zu weit von einem eigentlich ziemlich perfekten Grundrezept. Lohnenswert kann aber ein Blick auf die Wahl des Gins sein, denn je nach aromatischer Ausrichtung - klassisch wacholderbetont bis blumig-fruchtig - lässt sich der Charakter des Cocktails feinjustieren. Doch egal, welche Gin-Basis man wählt: Sein seidiger Schaum, sein ausgewogenes Süße-Säure-Spiel und seine fruchtige Note machen ihn zu einem einzigartigen Erlebnis.