Der neue Falstaff Barguide 2025
Die besten 850 Cocktailbars und 440 Weinbars haben es in diesen Guide geschafft, bewertet von Gästen und Insidern. Zusätzlich verrät Falstaff den Cocktail, Champagnercocktail, die Spirituose und den Marken-Botschafter des Jahres.
Südliche Leichtigkeit hat nördlich der Alpen noch nie geschadet. Daher ist es nur bedingt ein Verlust, wenn Day Drinking mit Stil das nächtliche Um-die-Häuser-Ziehen sukzessive ablöst. Wenn es um die Bar-Trends 2025 geht, ist statt des schummrigen Tresen-Ecks nach Mitternacht das italienische Konzept einer »Caffè Bar« gefragt: ein nahezu ganztags geöffneter Erlebnisraum, der ein breites Publikum anspricht. Damit haben sich zugleich auch die Erwartungshaltungen vervielfacht: Vom gemütlichen Stehachterl über italienisch inspirierte Aperitivi, klassische Highballs bis zum flüssigen Pendant des »Fine Dinings« geschieht alles im anziehenden Neon-Glanz der drei magischen Buchstaben B-A-R.
Der Falstaff bildet das als hedonistisches Leitmedium auch in seinem brandneuen Guide ab: 850 beschriebene Cocktailbars bedeuten 50 mehr Einträge als 2024. Bei den Weinbars hat unser Kompendium sogar fast 10% zugelegt: 440 Weinbars bedeuten neuen Rekord. Und dank der neuen Falstaff-App tragen sie diese Adressen (so wie die besten Restaurants, Heurigen, Cafés oder Hotels) stets mit sich. Und können mit der Bewertung der Drinks gleich die Grundlage für den nächsten Guide schaffen. So geht Service für Genießer 2025!
- Falstaff-Herausgeber Wolfgang Rosam
Die Bewertung im Überblick
Bewertet hat – wie von anderen Falstaff-Guides gewohnt – die Falstaff-Community. Zudem gab es eine Fachjury aus Insidern: Personen, die hauptberuflich mit Bars, Weinbars und Trinken zu tun haben, und freiberufliche Barflies.
Cocktailbars
Die Gesamtbewertung der Cocktailbars ergibt sich aus den folgenden vier Einzelkategorien:
- Drinks (max. 50 Punkte)
- Ambiente (max. 20 Punkte)
- Service (max. 20 Punkte)
- Sortiment (max. 10 Punkte)
Die höchstmögliche Bewertung beträgt 100 Punkte. Die Cocktailbars sind in fünf Kategorien unterteilt: American Bar, Loungebar, Club, Restaurantbar und Hotelbar.
Weinbars
Die Gesamtbewertung der Weinbars ergibt sich aus den folgenden vier Einzelkategorien:
- Weinangebot (max. 50 Punkte)
- Service (max. 20 Punkte)
- Essen (max. 20 Punkte)
- Ambiente (max. 10 Punkte)
Die höchstmögliche Bewertung beträgt 100 Punkte. Die Weinbars sind in vier Kategorien unterteilt: Klassische Weinbar, Weinbar in einer Vinothek, Weinbar in einem Restaurant und Weinbistro.
Brenner des Jahres international
Hans Reisetbauer
Vom traditionellen landwirtschaftlichen Betrieb zur Spitzenbrennerei in der internationalen Spirituosenszene: Vor 30 Jahren als Pionier gestartet, setzte Hans Reisetbauer von Beginn an auf hochwertigste Qualität. Kein Fallobst, kein Aufzuckern – nur pure Frucht. Seine Philosophie machte die Flaschen mit dem kleinen »R« schnell zum Qualitätsbegriff und öffnete die Türen zu den besten Restaurants und Bars weltweit. Reisetbauers Blue Gin ist heute ein Klassiker, der von New York bis Tokio Anerkennung findet, und sein 24-jähriger Austro-Whisky gilt als exklusiver Schatz, der nur in München erhältlich ist. Mit einem Team von 17 Mit- arbeitern führt Reisetbauer die modernste Brennerei in Mitteleuropa – und bleibt dabei ein unermüdlicher Innovator. Neben Gin und Fruchtbränden nahm er sich auch des Rums an und sicherte damit den Facettenreichtum des Unternehmens. Die jüngste Auszeichnung beweist einmal mehr: Der Oberösterreicher steht für höchsten Genuss – eine Leidenschaft, die inzwischen auch sein Sohn aus vollem Herzen weiterführt.
Lebenswerk
Michaela Schimanko, »Eden Bar«, Wien
Es ist lange her, dass es »die Eden« ins Radio schaffte; damals sang noch Helmut Qualtinger vom »Reden in der Eden«. Doch die Bar selbst gibt es sogar noch länger, seit 1911 nämlich. Legendär wurde sie in den Goldenen Zwanzigern unter der Ägide von Emmy Stein. Heute erlebt das langlebige Haus nach der Nachkriegsära unter Gabor Kenézy und seinem unvergessenen Nachfolger Heinz Werner Schimanko also schon seinen vierten Frühling. Dass die alteingesessene Bar auch im neuen Jahrtausend ein wenig Grandezza des alten Wien ausstrahlt, liegt aber an Michaela Schimanko. Sie setzte das Werk ihres Vaters mit Ehrfurcht, aber auch vielen neuen (Getränke-)Ideen fort. Kleinkunst und immer wieder Musik, die sich durch die Geschichte der Eden zog, ergänzten den Barbetrieb. Im runderneuerten Ambiente, das die alten Stärken neu erstrahlen lässt, kommt man wieder »zum Reden in die Eden« – und natürlich, um Champagner oder einen der Cocktails von Barmaestro William zu genießen. Nicht nur Stammgäste rufen ange- sichts dieser Lebensleistung: »Ad multos annos, Eden!«
Markenbotschafter des Jahres
Andreas Trattner, Top Spirits
Wenn es um Scotch Whisky geht, dann wird es schnell ein- mal zu »nerdig« in Gesprächen. In Andreas Trattner, einem Dauergast auf Publikumsmessen, haben aber auch Whisky-Laien einen Ansprechpartner. Der gebürtige Steirer teilt mit ihnen gerne seine Leidenschaft. Und da sind alle Fragen zulässig, solange sie dem »Lebenswasser« neue Fans bescheren. Dass allerdings auch die Barprofis des Landes ein versiertes Gegenüber in allen »malzigen« Belangen in ihm finden, liegt an Andi Trattners Vita. Er kennt als international tätiger Tresen-Profi nicht nur die Brennereien, sondern weiß auch, was man aus Torabhaig, Glenfiddich oder The Balvenie am besten mixen kann. Der Mann, der einst für die Cayman Islands beim renommierten »World Class«-Bewerb antrat, freut sich heute, wenn Kollegen mit ihren Kreationen wieder jemandem Whisky näherbringen konnten. Seine Arbeit im Außendienst erfolgt solide, mit Stil und Schmäh – genau so, wie man das von einem »Botschafter« erwartet.
Cocktail des Jahres
Paloma
Die Cocktail-Historiker sind sich nicht einig, und so gibt es gleich mehrere Theorien zur Entstehung des köstlichen Grapefruit-Tequila-Mixes. Eine heiße Spur führt dabei zu Don Javier Delgado Corona, den Bartender der La Capilla in Jalisco, der Tequila-Stadt schlechthin. Oder der Cocktail basiert doch auf einem anonymen Geistesblitz. Fakt ist: Die in Mexiko übliche Mischung mit dem Grapefruit-Soda Squirt kam in den 1950er-Jahren beinahe flächendeckend auf. Die Ursprünge des Longdrinks sind also ungewiss, sein herrlich frischer Geschmack ist aber sicher. Als populärer Nachkriegsdrink, der in den USA und Mexiko schnell Fuß fasste, gehört die »Taube« (dt. für Paloma) jedenfalls zu den modernen Longdrinks. Und mit der gestiegenen Qualität – und auch der größeren Auswahl – an Tequilas hat die Bar- Welt in den letzten Jahren mehr Spielraum bekommen, diesen Drink perfekt umzusetzen. Es ist also kein Wunder, dass nun auch hierzulande viele Lokale freudig das Loblied auf »La Paloma« singen.
Champagner Cocktail des Jahres
Mexican 75
Es ist schön zu sehen, dass sich auch der traditionelle Champagner-Cocktail weiterentwickelt und eine neue Generation an Genießern begeistert. Das zeigt sich beim French 75 ja schon in seiner geglückten Emanzipation von seinem Namensgeber. An die französische Kanone aus dem Ersten Weltkrieg denkt niemand mehr. Gut so! Denn für martialische Gedanken ist diese Mischung aus Gin und Champagner auch nicht gedacht. Eher für schwelgerische Momente und eine gute Zeit zusammen. Mit einem »Twist«, wie Abwandlungen klassischer Rezepte in der Bar-Sprache heißen, wurde nun auch der französische Gin-Drink zum mexikanischen Tequila-Cocktail. Unverzichtbar ist aber – wie so oft im Leben – der Champagner dabei. Doch machen wir es kurz: Der neue Blick auf den bekannten French 75 hat das Zeug zum Star! Denn in ihm trifft die Trend-Spirituose der Stunde auf den ewigen Liebling Champagner. Da kann also nicht viel schiefgehen. Darauf ein lautes ¡Viva Francia!
Spirituose des Jahres – Mezcal
Es hat gedauert, bis die Agaven-Begeisterung der amerikanischen Bartender auch über den »großen Teich« geschwappt ist. Vor allem der Mezcal ist dabei unter Profis zum spannenden Impulsgeber für mixologische Kreativität geworden. Der Merksatz zu den beiden großen Agaven-Destillaten ist dabei einfach: »Jeder Tequila ist ein Mezcal, aber nicht jeder Mezcal ein Tequila.« Dass im Bereich des Hochlands weit mehr Sorten zu finden sind als die für Tequila vorgeschriebene Blaue Weber-Agave, trägt zur Vielfalt dieses alten Destillats bei. Das rauchige Erbe der Erdöfen oder die Aromatisierung mit Früchten und Geflügel (!) im »Pechuga«-Stil sorgen für einen Geschmack, der den industriellen Spirituosen überlegen ist. Dazu kommt mit der ursprünglichsten Form der Destillation der Agave (»mezcal ancestral«) ein richtiges Angebot für alle Spirituosen-Nerds. Genau das – und die aromatische Bandbreite – liebt die Barszene, aber auch immer mehr private Genießer, die auf den Mezcal-Geschmack kommen.
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