Zum Inhalt springen

Reifefähige Weine sind das Markenzeichen von Rainer Schnaitmann aus Fellbach – auch seinem Grauen Burgunder darf man einiges zutrauen.

Reifefähige Weine sind das Markenzeichen von Rainer Schnaitmann aus Fellbach – auch seinem Grauen Burgunder darf man einiges zutrauen.
© Arnt Haug

Die Sieger der Grauburgunder Trophy Deutschland

Grauburgunder
Deutschland
Tasting

Der Grauburgunder (a. k. a. Pinot Gris, Pinot Grigio) ist so populär, dass ihn manche schon alleine darum ablehnen. Doch wer Vorurteile pflegt, verpasst etwas: Die besten deutschen Grauburgunder-Winzer sind gerade dabei, die Sorte auf ein völlg neues Niveau zu heben.

Der Graue Burgunder ist bekanntlich eine Spielart des Spätburgunders (Pinot Noir) mit bronzefarbenen Beeren. Für einen Rotwein reicht die Farbe in den Beerenhäuten nicht aus: ­Vergärt man Grauburgunder-Trauben an der Maische, bekommt man eher eine Art gerbigen Rosé. Daher ist es üblich, aus dem Pinot Gris einen Weißwein zu keltern, der dann in der Regel etwas mehr Burgunderart zeigt als der Pinot Blanc (Weißburgunder) mit seinen grünlich-gelben Beeren.

Die Familienverhältnisse sind kompliziert im Hause der Burgunder und das Gleiche gilt auch für die stilistische Einordnung. Im Elsass interpretierte man den Pinot Gris lange als so opulent und Botrytis-affin, dass man ihm den Namen »Tokay« gab – eine kaum verhohlene Anspielung an Ungarns Tokajer, der doch aus einer ganz anderen Traube gekeltert wird – Furmint – und das aus edelfaulen Rosinen.

In Baden wiederum hatte man früher ebenfalls eine Vorliebe dafür, den Grauen Burgunder mit ein paar Botrytistrauben im Bottich zu keltern. Der bis in die 1980er-Jahre für diesen Wein gebräuchliche Name »Ruländer« spielte auf den Speyerer Kaufmann Johann Seger Ruland (1683-1745) an, der die bronzefarbene Mutation angeblich als Erster vermehrt haben soll.

Nach diesen stlistischen Mäandern kommen wir zur Gegenwart: In den letzten 15 Jahren haben die Grauburgunder-Experten unter den Winzern intensiv (und erfolgreich) daran gearbeitet, dem Grauen Burgunder seine Stoffigkeit zu entlocken, ohne darüber das Derbe und die oxidative Neigung einer Maischegärung in Kauf nehmen zu müssen. Sie haben daran gearbeitet, die Mineralität zu konzentrieren, ohne ins Grünliche abzudriften. Und sie hatten zuletzt immer mehr ein Auge darauf, dass in den Zwischentönen auch eine dosierte Spur Großzügigkeit sein darf. So halten wir Konrad Salweys 2021er-Henkenberg für einen perfekten Grauen Burgunder. Der Überraschungs-Zweite ist übrigens auf einem ähnlichen Boden gewachsen: Vulkanverwitterung.

Platz 1

Anfangs etwas hefig im Duft, dann kommen Aromen von Lindenblüte, Darjeeling, Mürbgebäck, Tuff und feuchtem Stein. Der Gaumen zeigt sich enorm verschlossen, phenolisch,...
Baden, Deutschland

Platz 2

Strahlendes Goldgelb. Duft nach feinem Rauch, ein Hauch Vanille, reife helle Früchte, Haselnuss, Quitte, feine Kräuterwürze. Am Gaumen frisch, lebendige Säure, zupackend, sehr...
Baden, Deutschland

Platz 3

Eine würzige (Spontangärungs-)Nase mit pikanten Kräuternoten, Portulak, Kresse, Anis, Apfelschale und dann auch ein Oberton von Nougat de Montélimar. Im Mund hat der Wein eine...
Württemberg, Deutschland

Sortenprofil


Grauer Burgunder

In Spätburgunder-Anlagen findet sich zuweilen inmitten eines Meers aus blauer Trauben ein Stock, an dem weiße – oder auch bronzefarbene – Trauben wachsen. Die Grauen Burgunder, die wir heute kennen, sind die Nachkommen solcher spontaner Mutationen.

Weintyp

Der Graue Burgunder ist vielseitig: Das Spektrum reicht von leicht und elegant über tief mineralische, stoffige Typen bis zu Weinen von Opulenz und würziger Fülle.

Erschienen in
Falstaff Magazin Schweiz Nr. 8/2024

Zum Magazin

Jetzt bestellen

Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
Mehr zum Thema
1 / 12