Im Tessin wachsen heute rund 80 Prozent des gesamten Merlot in der Schweiz.

Im Tessin wachsen heute rund 80 Prozent des gesamten Merlot in der Schweiz.
Foto beigestellt

Die Sieger der Schweizer Merlot-Trophy 2021

Da tut sich was im Schweizer Merlot-Olymp. Welche Klassiker bei unserer Trophy überzeugten und wen Sie auf Ihre Watchlist nehmen sollten, erfahren Sie hier.

Vor 115 Jahren, im Jahr 1906, kelterte der Agronom Alderige Fantuzzi die ersten Weine aus der Rebsorte Merlot im Tessin. Die Ergebnisse waren vielversprechend und legten den Grundstein für den Siegeszug der Bordelaiser Rebsorte im südlichsten Weinbaukanton unseres Landes. Heute stehen rund 886 Hektar (Stand 2019) Merlot im Tessin, was etwa 80 Prozent der gesamten Rebfläche des Kantons und etwa genauso viel Prozent der gesamten Merlot-Rebfläche der Schweiz entspricht. Kaum verwunderlich also, dass auf den ­ersten drei Rängen unserer diesjährigen Merlot Trophy, wie schon im Jahr zuvor, ausschliesslich Tessiner Gewächse zu finden sind.

Richtig spannend wird es jedoch, wenn man auf die Plätze dahinter schaut, denn ­in den Top Ten dominieren die Tessiner ­bei Weitem nicht mehr so stark wie zuvor. Stammten bei der Merlot Trophy 2020 noch lediglich zwei Weine der besten zehn nicht aus dem Tessin, sind es 2021 schon satte sechs. Darunter gleich drei Gewächse aus dem Waadtland. Es scheint, als bestä­tige sich unser Eindruck aus dem letzten Jahr: Der Merlot ist nicht mehr länger nur im Tessin zu Hause.

Den besten Waadtländer stellte Philippe Bovet mit seinem A Mon Rhône Merlot 2017, ein Wein, der mit saliner Länge und passendem Holzeinsatz glänzte und nur zwei Punkte hinter dem Sieger unserer Trophy landete, dem Balin 2018 von Kopp ­von der Crone, den wir mit 95 Punkten kürten. Die Luft im Schweizer Merlot-Olymp scheint für die Tessiner Produzenten also durchaus dünner zu werden.

Wie auf Platz eins findet sich auch auf Platz zwei ein alter Bekannter. Der Merlot Riserva Lamone des Vorjahressiegers, der Cantina Pelossi – auch aus dem Jahr 2018, überaus elegant und nahezu prototypisch für die Region. Die grosse Überraschung aus dem Tessin kam in diesem Jahr aber von einem jüngeren Produzenten, und zwar von Fawino. Die beiden Köpfe dahinter, ­Simone Favini und Claudio Widmer, erreichten mit ihrem Musa 2018 nicht nur den dritten Rang der Verkostung, sondern waren als einziges Weingut mit gleich zwei Weinen unter den besten zehn vertreten. Auch ihr Meride Merlot del Monte San ­Giorgio 2019 begeisterte uns mit kühler Frucht und viel Eleganz.

(v.l.n.r.) Platz 1: Balin 2018 – Cantina Kopp von der Crone Visini: «Ein Klassiker mit mineralischem Charme.» Platz 2: Merlot Risvera Lamone 2018 – Cantina Pelossi: «Konzentrierte Frucht und perfekter Holzeinsatz» Platz 3: Musa 2018 – Fawino: «Kühle, dunkle Frucht und viel Eleganz.»
Foto beigestellt
(v.l.n.r.) Platz 1: Balin 2018 – Cantina Kopp von der Crone Visini: «Ein Klassiker mit mineralischem Charme.» Platz 2: Merlot Risvera Lamone 2018 – Cantina Pelossi: «Konzentrierte Frucht und perfekter Holzeinsatz» Platz 3: Musa 2018 – Fawino: «Kühle, dunkle Frucht und viel Eleganz.»

Erschienen in
Falstaff Nr. 01/2021

Zum Magazin

Benjamin Herzog
Benjamin Herzog
Chefredaktion Schweiz
Mehr entdecken
Merlot gedeiht im Tessin besonders gut und macht in seiner Höchstform Gewächsen aus dem Bordeaux Konkurrenz.
Tessin: Beyond Merlot
Der Merlot und das Tessin, das ist eine wahre Erfolgsgeschichte. Die Edelsorte aus Bordeaux bringt...
Mehr zum Thema
Tzatziki
Die Küche der »Atmosphere Rooftop Bar« im »The Ritz-Carlton, Vienna« verrät ihr Rezept für...
Gold Minga
Am 22. Februar ist der »Tag der Weißwurst«. Als ob das noch nicht genug Grund zum Frohlocken...
Von Reinhard Pohorec
Barrel Aged Negroni
Die aromatische Veredelung des Drinks kann auch durch eine mehrwöchige Lagerung in einem kleinen...
Von Alexander Thürer
White Negroni
Eine moderne Weiterentwicklung des Klassikers, die nicht nur die Farbe, sondern auch das...
Von Alexander Thürer
Tessin: Das Land des Merlot
Vergleicht man die sechs Weinregionen der Schweiz anhand der Grösse der Rebflächen, so belegt das...
Von Benjamin Herzog